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Gehege ist nach fast zehn Monaten wieder bewohnt

Vielfraße zurück in Olderdissen

Bielefeld (WB). Unterschiedlicher könnten Schwestern kaum sein: Während Svea so lange mit ihren Krallen gehakelt hat, bis sie selbst den Schieber zum Freibereich des Geheges geöffnet hat, verkroch sich Jette lieber hinter Strohballen. Donnerstag sind die beiden Vielfraße neu im Tierpark Olderdissen eingezogen.

Hendrik Uffmann

Svea war die erste der beiden jungen Vielfraß-Damen, die ihr neues Gehege im Tierpark Olderdissen erkundete. Foto: Bernhard Pierel

Damit ist das Gehege der Marderart nun wieder bewohnt, nachdem die beiden vorher dort lebenden Vielfraße Paul (2015) und zuletzt Erna im August des vergangenen Jahres gestorben waren.

Jetzt sind es zwei quirlige jungen Damen, die in das abwechslungsreiche Revier mit eigenem Wasserlauf und Kletterbäumen eingezogen sind. Svea und Jette stammen aus dem Zoo Osnabrück und sind dort im Frühjahr 2017 zur Welt gekommen.

Dass es ein Dreivierteljahr gedauert hat, neue Vielfraße für Olderdissen zu finden, liege auch daran, dass der Bielefelder Tierpark als einer von 44 in Europa – davon nur eine Handvoll in Deutschland – beteiligt ist an einem europäischen Erhaltungszuchtprogramm für die Art, das von Schweden aus koordiniert werde, erläutert Tierpark-Leiter Herbert Linnemann. »Außerdem wollte der Osnabrücker Zoo testen, wie gut sich der Vielfraß-Nachwuchs aus zwei Jahrgängen miteinander verträgt.« Denn dort gab es in diesem Frühjahr erneut Junge, so dass Jette und Svea erst jetzt nach sechs gemeinsamen Wochen nach Bielefeld umziehen konnten.

In der ersten Nacht im Innenbereich untergebracht

Am Mittwoch haben Chef-Tierpfleger Markus Hinker, Reviertierpfleger Till Gosejacob und die Tierpfleger-Azubis Lisa Erdmann und Filiz Solak die beiden Vielfraße aus Osnabrück abgeholt. Und schon dort habe sich das sehr unterschiedliche Temperament gezeigt, sagt Gosejacob. »Während Svea eher vorwitzig ist, hat sich Jette auf einen Baum geflüchtet, als wir sie einfangen wollten.«

Und genau so ging es im neuen Gehege weiter. In der ersten Nacht waren die Tiere im Innenbereich des Geheges untergebracht, um sich ein wenig an die neue Umgebung gewöhnen zu können. Svea allerdings fing sofort an, die Unterkunft zu erkunden und machte sich schließlich so lange an dem eigentlich von außen per Drahtseil und Kurbel zu betätigenden Tür-Schieber zum Außenbereich zu schaffen, bis sie ausbüxen konnte. Jette hingegen hatte am ersten Vormittag in ihrer neuen Heimat überhaupt keine Lust, auch nur einen Blick in Freie zu werfen.

Etwa 70 Zentimeter lang und knapp sechs Kilogramm schwer

Die beiden jungen Vielfraße sind fast ausgewachsen, etwa 70 Zentimeter lang und knapp sechs Kilogramm schwer – was zunächst nicht sonderlich beeindruckend klingt, aber sehr täuschen kann. Denn wenn sie sich bedroht fühlen, dann lassen die Marder eine Mischung aus Fauchen und Knurren hören, die Respekt einflößt. Und zu ihren Beutetieren gehören durchaus auch große Tiere wie junge Elche und Rentiere, »und selbst Bären nehmen sich vor Vielfraßen in Acht«, erklärt Till Gosejacob.

Langfristig sei vorstellbar, dass es in Olderdissen eigenen Vielfraße-Nachwuchs geben könnte, so Herbert Linnemann – wenn es die Gelegenheit gebe, im Rahmen des europäischen Erhaltungszuchtprogramms irgendwann eines der Weibchen gegen ein männliches Tier einzutauschen.

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