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Ein Kommentar von André Best zum Wintereinbruch und einer denkwürdigen Woche in Bielefeld

Von Helden des Alltags in diesen extremen Zeiten

Schon Helmut Schmidt wusste: „Charakter zeigt sich in der Krise“. Zur Pandemie kam der Wintereinbruch noch dazu.

André Best

Krisen werden von Charakteren geprägt. Wer sind die wahren Helden nach dieser Woche in Bielefeld? Foto: Thomas F. Starke

Maske, Mütze, Brille – bald ist kein Platz mehr hinter den Ohren für alles, was dort untergebracht werden muss. Aber Scherz beiseite. So witzig war diese Woche gar nicht. Als wäre die Coronasituation nicht schon schlimm genug, machte der massive Wintereinbruch den Menschen in Bielefeld zusätzlich zu schaffen.

Stillstand in der Stadt. Busse und Bahnen lahmgelegt, Autos zugeschüttet. Straßen und Gehwege dicht. Zu wenig Räumfahrzeuge. Keine Zeitung, keine Post – nur Schnee. Manche Menschen kamen nicht einmal mehr aus dem Haus. Oder wollten es gar nicht erst versuchen. Und manche mussten sogar im Stau auf der Autobahn die eisige Nacht verbringen.

Pandemie? Ach, ja, die gibt es auch noch. Wenngleich sie für ein paar Tage schneebedingt in den Hintergrund gerückt erschien.

Belastungsgrenze längst erreicht oder überschritten. Da spielt es am Ende auch keine Rolle mehr, ob das Virus oder das Wetter ursächlich dafür ist. Ausnahmezustand 2.0 nennt man so etwas wohl.

Bisweilen lagen die Nerven blank bei den Menschen. Das zeigte sich nicht selten in einem ruppigen Umgangston. Teilweise musste sogar die Polizei einschreiten, beispielsweise bei einem heftigen Streit zweier Autofahrer, in dessen Folge es auf der Stapenhorststraße zu einem größeren Stau kam.

Es ist eine Zeit der Extreme – mit allen Dingen, die zwangsläufig damit verbunden sind. Dazu gehört auch eine Hilfsbereitschaft, wie man sie sonst nicht so kennt. Da hat der eine dem anderen beim Anschieben des Autos geholfen. Da haben Bielefelder gemeinsam Schnee geräumt. Da wurden Fahrgemeinschaften gebildet. Da gab es zusätzliche Hilfe für Obdachlose.

Neben diesen kleinen Helden des Alltags waren die Kinder und Jugendlichen die Gewinner dieser Woche. Endlich konnten sie einmal unbeschwert im Schnee spielen, den Moment genießen und Corona für eine Weile vergessen lassen.

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