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Der Erfolgspodcast „Verbrechen von nebenan“ macht in der Bielefelder Stadthalle Station

Von Raubüberfällen und Rentner-Gangs

Bielefeld

„Weird Crimes“, „Mordlust“ oder „Zeit-Vebrechen“ – Woche für Woche werden in True Crime Podcasts vergangene Straftaten aufgearbeitet und einem Publikum präsentiert. Das Konzept scheint Erfolg zu haben. So hören Dutzende zu, wenn über spannende Verfolgungsjagden, Entführungen und grausame Morde berichtet wird. Einer der ganz Großen unter den True-Crime-Podcastern ist Philipp Fleiter mit seinen „Verbrechen von nebenan“. Am Samstagabend machte er mit seiner Show Halt in der Bielefelder Stadthalle.

Von Johanna Weiß

Philipp Fleiter präsentiert dem Publikum in der Stadthalle zwei spannende Verbrechergeschichten. Foto: Johanna Weiß

Es war quasi ein Heimspiel für Philipp Fleiter. Immerhin kommt der 36-Jährige aus Gütersloh und hat in Bielefeld studiert. „Für mich ist das wie nach Hause kommen,“ erzählt er, als er unter lautem Applaus die Bühne betritt. Bevor der Abend voller spannender Fälle losgehen kann, präsentiert er zunächst das Programm. Mit Hilfe der Applausmessung dürfen sich die Zuschauer einen von drei Fällen aussuchen, der zwar noch nicht im Podcast vorgestellt wurde, aber in Fleiters gleichnamigen Buch nachzulesen ist. Danach wird er noch von einem Verbrechen berichten, welches extra für die Show recherchiert wurde. In der Pause können die Fans Fragen an den Moderator auf Instagram stellen, die er dann live auf der Bühne beantworten wird. „Dafür filme ich mich jetzt und dann drehe ich mich um und ihr rastet richtig aus. Nicht so ostwestfalen-mäßig, sondern so richtig ausrasten.“ Den Gefallen tut ihm das Publikum gerne.

Publikum lauscht gebannt

Die Auswahl des ersten Falles fällt leicht. Trotz eines bekannten Betrügers und eines österreichischen Bankräubers, entscheiden sich die Zuschauer für „Graue Gangster“ einer Rentner-Bande. Fleiter setzt sich entspannt auf einen bereitgestellten Sessel und beginnt die Geschichte zu erzählen. Der Fall handelt von einer Gruppe älterer Herrschaften, die ihren Steuerberater entführten, nachdem sie durch sein Handeln mehrere Tausend Euro verloren hatten. „Die wollen ihn umbringen, da ist er sich sicher.“ Gespannt lauscht das Publikum, wie sich die Täter eine ausgeklügelte Methode zur Entführung überlegten, knallharte Forderungen stellten und sich dann mit Kaffee und Kuchen einen gemütlichen Nachmittag machten. Natürlich ging der Fall gut aus und die „Grauen Gangster“ konnten gefasst werden.

Einblicke in die Gedanken von Tätern und Opfern, das fasziniert die Zuschauer auch beim zweiten Fall. „Der Al Capone der Pfalz“ ist die Geschichte des Bernhard Kimmel, der sich von kleinen Diebstählen zu einem echten Gangsterboss entwickelte. „Er sieht aus wie ein freundlicher Ober, aber das täuscht. Er gilt als einer der gefährlichsten Verbrecher des Landes.“ Spannend ist die Geschichte, fast wie in einem Hollywoodfilm mit Verfolgungsjagd und Schusswechsel mit der Polizei. Dabei vergisst man beinahe, dass es sich um echte Personen handelt. Bis Fleiter dann über die Schicksale der Opfer berichtet, da wird es auch im Publikum still. „Einmal noch spielt er den Gentlemangangster, der niemandem etwas antun wollte, obwohl er einen Menschen getötet hat.“

Abend endet mit stehenden Ovationen

Zum Abschluss wird die Stimmung noch etwas aufgelockert. Philipp Fleiter nimmt sich Zeit und beantwortet die Fragen seiner Fans. Da geht es einerseits um persönliche Themen, wie seine bisherigen Erfahrungen mit prominenten Personen, aber natürlich auch ganz viel um den Podcast. „Wie sieht dein Arbeitsplatz aus und wie groß ist dein Team? Ich liebe das ja immer, wenn Leute schreiben: Liebes Verbrechen-von- nebenan-Team… und ich bin so: Naja, das bin nur ich. Der Podcast ist mein Baby.“ So endet der Abend mit einer positiven Note und es gibt sogar stehende Ovationen zur Belohnung. „Es hat mir ganz, ganz großen Spaß gemacht. Ich hoffe, für euch war der Abend genauso schön wie für mich,“ verabschiedet er sich.

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