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Komödie-Geschäftsführer setzt auf die Treue des Bielefelder Publikums – kein Märchen zu Ostern

„Vor April können wir wohl nicht spielen“

Bielefeld

„Ja natürlich kommen wir wieder – die Komödie Bielefeld gibt es weiter – wenn die Pandemie im Griff ist“, versichert Knut Schakinnis, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter von, wie er sagt, „sechs Theatern in fünf Bundesländern“ – darunter eben die Komödie am Klosterplatz. Schakinnis rechnet aber nicht damit, schon im Februar wieder öffnen zu können: „Ich gehe davon aus, dass wir vor April nicht spielen können.“ Wäre das so, hieße die erste Premiere „Brandheiß – gelöscht wird morgen“.

Burgit Hörttrich

Knut Schakinnis ist Geschäftsführer und künstlerischer Leiter Foto: Bernhard Pierel

Allerdings bedeute das auch, so der Komödie-Geschäftsführer, dass sich sein Plan, das Märchen „Rumpelstielzchen“ zur Oster- statt zur (vergangenen) Weihnachtszeit auf die Bühne zu bringen, nicht umsetzen lasse: „Die Idee habe ich eigentlich schon zu den Akten gelegt.“ Zumal er nicht daran glaube, dass die Hauptzielgruppe, nämlich Schulklassen und Kita-Gruppen, wegen der Pandemie bereits kommen würden.

Der 64-Jährige sagt, er habe seit März 2020 „so viel gearbeitet wie noch nie zuvor“ – um seinen Theatern das Überleben zu sichern. Schakinnis: „Wir Privattheater bekommen keine Subventionen. Ich muss mich mit einer Vielzahl von Anträgen herumschlagen – und den unterschiedlichen Vorschriften in fünf Bundesländern“. Seine Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, die Schauspieler, alle freiberuflich tätig und immer nur für einzelne Stücke engagiert, ständen „im Regen“. Könne er mit seinen Theatern wieder „loslegen“, dann hätte er immerhin „sechs neue Produktionen, mit denen wir an den Start gehen können“.

In Bielefeld sei ihm der Vermieter der Theaterräume entgegen gekommen, sagt Knut Schakinnis, er bekomme staatliche Überbrückungshilfe, aber es bliebe trotzdem eine „Finanzierungslücke von zehn Prozent“: „Die bringt mich ins Grab.“

Dankbar ist er den Zuschauern, die die Komödie mit dem Kauf von Gutscheinen unterstützt hätten. Aber: „Wir müssen auch liefern, Aufführungen auf die Bühne bringen können. Ansonsten müssten wir das Geld, das durch die Gutscheine erlöst wurde, Ende 2021 zurück erstatten.“

Als Verbundtheater mit Aufführungsstätten in Bremen (2), Bielefeld, Lübeck, Worpswede und Kassel sehe er sich dennoch in der Lage, die „Durststrecke“ zu überwinden. Schakinnis: „Ich setze auf die Sehnsucht der Zuschauer, die in der Komödie lachen und Spaß haben wollen.“ In Bielefeld wolle er das Programm mit Boulevard-Stücken zum einen und Gastspielen vor allem von Comedians in bewährter Manier fortsetzen. Auf einen regulären Spielbetrieb setze er ab September 2021.

Wann er wieder die Besucherzahlen der letzten kompletten Spielzeit 2018/2019 mit 35.000 Zuschauern erreichen werde – Schakinnis sagt, er hoffe das Beste: „Ich bin Optimist.“ 2020 jedenfalls sei in seinem Theater-Unternehmen der Ticketverkauf „um mehr als 70 Prozent“ eingebrochen. Schakinnis: „Kein Wunder bei nur zweieinhalb Monaten Spielzeit insgesamt.“

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