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Das Jahr 2020 in Bielefeld: Stadt schließt Vertrag mit Radentscheid

Vorfahrt für die Zweiräder

Bielefeld

Das Radfahren in Bielefeld attraktiver und sicherer zu machen, so dass immer mehr Menschen für ihre Wege gern und häufig das Fahrrad benutzen – das ist das Ziel der Initiative „Radentscheid Bielefeld“. Elf Ziele hat die Initiative dafür formuliert, von der Einführung von Fahrradstraßen über Radschnellwege für Pendler bis zu fahrradfreundlichen Ampeln oder mehr Stellplätzen für die Zweiräder.

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So soll es bald aussehen: Mehr Platz für Fahrräder auf der Artur-Ladebeck-Straße. Foto: Radentscheid

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen startet der Radentscheid ein Bürgerbegehren. Mehr als 26.000 Unterschriften werden gesammelt, doch im Mai kommt ein Gutachten zu dem Schluss: das Bürgerbegehren ist unzulässig. Die elf von den Initiatoren formulierten Ziele seien zu unterschiedlich. Außerdem seien die Forderungen im Bürgerbegehren zu allgemein gehalten, die Ziele seien in sich nicht abschließend. Darüber hinaus fehle die „hinreichende Bestimmtheit“, soll heißen: Es gibt zu viele Interpretationsmöglichkeiten in den Forderungen der Initiatoren.

Alle Mühe der Initiative umsonst? Ganz und gar nicht. Mit vielen der Forderungen können sich auch die Vertreter der Rathauskoalition aus SPD, Grünen, Bürgernähe/Piraten und Lokaldemokraten identifizieren. Es wird ein Vertrag geschlossen zwischen der Stadt und dem Radentscheid.

Darin verpflichtet sich die Stadt unter anderem, bis 2025 jährlich mindestens zehn Kilometer Fahrradstraße zu errichten. An Hauptstraßen müssen jährlich fünf Kilometer geschützter Radwege entstehen, Kreisverkehre und Ampelkreuzungen optimiert werden. Damit verbunden sind erhebliche Kosten: etwa etwa 137,4 Millionen Euro in fünf Jahren, rechnet die Stadt vor.

Doch angesichts eines möglicherweise langen Klageweges sehen die Politiker den Vertrag als beste Lösung an, preisen ihn gar als einen „Meilenstein für den Bielefelder Radverkehr“. Die Opposition im Rat äußert erhebliche Bedenken, wird aber letztendlich überstimmt.

Was die Umsetzung des Radentscheids bedeutet, wird dann im Sommer auf der Artur-Ladebeck-Straße schon einmal getestet. Zwischen Adenauerplatz und dem Stadtring in Brackwede sollen zwei der vier Fahrstreifen für Pkw wegfallen, dafür breite Radstreifen entstehen. Die Bezirksvertretung Gadderbaum gibt schon einmal grünes Licht für ein solches Vorhaben. Die politischen Lager stehen sich in dieser Frage unversöhnlich gegenüber. „Die Straße wird sicherer,“ sagen die Befürworter wie Bezirksbürgermeisterin Hannelore Pfaff, „eine verkehrspolitische Katastrophe“ sagen die Gegner wie der CDU-OB-Kandidat Ralf Nettelstroth.

Doch Vertrag ist Vertrag, neben den Fahrradstreifen an der Artur-Ladebeck-Straße und der Umgestaltung des Ehlentruper Weges zur Fahrradstraße werden in Zukunft weitere Maßnahmen folgen. Die Bielefelder Autofahrer werden sich darauf einstellen müssen, dass sich die Verhältnisse auf den Straßen verändern werden, zugunsten der Zweiräder.

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