Amphibienschützer und Politiker von SPD, Grünen und Linken kritisieren Bielefelder Umweltbetrieb

Wäldchen zum Teil gefällt

Bielefeld-Schilde...

Seit drei Jahren setzt sich Karin Winter für den Schutz von Kröten, Fröschen und Molchen am Horstheider Weg ein. Jetzt ist sie entsetzt. Dennin der Nähe des Laichgewässers der Tiere, dort, wo bislang entlang des Horstheider Wegs in der Nähe der Kreuzung mit der Westerfeldstraße Bäume und Sträucher wuchsen, ist jetzt eine fast kahle Fläche zu sehen.

Hendrik Uffmann

Die Amphibienschützer Andreas und Katrin Schäfferling (von links), Karin Winter, die Fraktionsvorsitzenden in der Bezirksvertretung Schildesche Hartwig Hawerkamp (Linke), Ruth Wegener (Grüne) und Jörg Benesch (SPD) sowie Amphibienschützer Gottfried Kreis Foto: Hendrik Uffmann

Mehrere Meter tief ist der Streifen des dortigen Wäldchens, den der städtische Umweltbetrieb (UWB) abgeholzt hat. Massive Kritik daran kommt nun nicht nur von Seiten der Amphibienschützer um Karin Winter und Gottfried Kreis, sondern auch von den Fraktionen von SPD, Grünen und Linken in der Bezirksvertretung Schildesche.

„Mit großer Bestürzung mussten wir feststellen, dass auf der Parzelle hinter den Wohnstätten der Lebenshilfe nahezu das gesamte Wäldchen um den dortigen Teich gerodet worden ist. Wir protestieren aufs Schärfste gegen diesen massiven Eingriff“, heißt es in einer gemeinsame Erklärung der Umweltschützer und der Parteien.

Laut Hartwig Hawerkamp (Linke) habe der Bereich Grünflächenunterhaltung des Umweltbetriebs auf seine Nachfrage erklärt, dass die Fällarbeiten der Verkehrssicherungspflicht dienten. Die Auskunft sei gewesen, „dass deshalb auch weiter im Inneren des Geländes die Bäume gefällt werden müssten, die so groß sind, dass sie auf den Gehweg oder die Straße stürzen, wenn sie umfallen“, so Hawerkamp. Darüber hinaus habe der Umweltbetrieb erklärt, dass es hinter der Wohnanlage einen Wirtschaftsweg gebe, der ebenfalls frei gehalten werden müsse.

Diese Begründungen wollen die Amphibienschützer und Politiker jedoch nicht gelten lassen. Denn dann hätte es ausgereicht, die einzelnen hohen Bäume zu fällen, und nicht den gesamten Streifen zu roden, argumentieren sie. „Außerdem stehen weiter einzelne Bäume direkt am Gehweg, die nun dem Wind viel stärker ausgesetzt sind“, sagt Karin Winter.

Es dränge sich außerdem der Eindruck auf, dass die Maßnahmen viele Jahre vorhalten und so häufigere Arbeiten vermieden werden sollten, so Jörg Benesch. „Doch wirtschaftliche Gründe sollten beim Klimaschutz keine Rolle spielen“, sagt der Schildescher SPD-Fraktionsvorsitzende.

Das Wäldchen, betonen Umweltschützer und Politiker, sei ein wichtiges Rückzugsgebiet nicht nur für Amphibien. „Es ist eine der wenigen Ödland-Flächen, die es in der Stadt noch gibt. Deshalb ist dieses Areal besonders wertvoll für Vögel und auch viele Bodenlebewesen“, erklärt Vogelexperte Andreas Schäfferling.

Und die Amphibien, für die der Teich Laichgewässer sei, lebten längst nicht nur auf der Wiese auf der anderen Seite des Horstheider Weges, so Gottfried Kreis. „Wir haben in jedem Jahr weniger Rückwanderer. Die Tiere leben also auch in diesem Wäldchen.“

Darüber hinaus grenze das Areal an das Naturschutzgebiet Johannisbachaue. Dieses „Grüne Band“ sei vom Umweltamt entwickelt worden, um einen Austausch von Tieren und Pflanzen über weite Teile der Stadt zu ermöglichen, erklärt Hartwig Hawerkamp. „Dieses Ziel wird durch die Rodung konterkariert.“

Probleme sieht Gottfried Kreis auch für den Teich selbst. Dieser sei durch die trockenen Sommer ohnehin schon zum Teil verlandet, „Jetzt ist er auch noch halb zugemüllt mit Strauchwerk.“ Darüber hinaus seien die Arbeiten auch eine Missachtung der Ehrenamtlichen, die sich seit Jahren für den Schutz der Amphibien am Horstheider Weg einsetzten, findet Karin Winter.

Gemeinsam fordern die drei Parteien und die Umweltschützer, dass es künftig keine Abholzungen wie am Horstheider Weg mehr geben soll. Statt dessen sollen die für den Winter geplanten Rodungsarbeiten der Bezirksvertretung Schildesche schon jeweils im Oktober vorgestellt werden. Außerdem sollten auch Naturschutzverbände mit einbezogen werden.

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