1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Warnlichter ausgebaut

  8. >

Polizei korrigiert Unfallort: 37-Jährige gerät dort unter den Sparren-Express, wo es früher Bodenblinker gab

Warnlichter ausgebaut

Bielefeld (WB). Wende im tödlichen Stadtbahnunfall: Der Fundort der Leiche der 37-Jährigen auf dem Niederwall war nicht der Unfallort. Wie die Polizei berichtet, wurde die Frau aus Willebadessen am gegenüberliegenden Bahnübergang an der Haltestelle Landgericht erfasst. Ausgerechnet dort wurden im Juli marode Boden-Warnblinklichter demontiert und aus Kostengründen nicht ersetzt.

Jens Heinze

Die Kreuzung Niederwall/Am Bach/Siekerwall (oben)/Hermannstraße (rechts): Am Bahnübergang links soll die 37-Jährige unter die Partybahn geraten sein. Foto: Hans-Werner Büscher

Wie Polizeisprecher Michael Kötter sagte, habe der mit der Aufklärung des Unfallhergangs beauftragte Gutachter festgestellt, dass die 37-Jährige am vergangenen Freitag an der Haltestelle Landgericht am Übergang Hermannstraße/Niederwall in Gehrichtung Siekerwall vor die Partybahn Sparren-Express gelaufen ist. Der Bahnfahrer (58) soll nicht bemerkt haben, dass die Frau an der rechten Seite unter den fast 32 Tonnen schweren Zug geriet und überrollt wurde. Gegen den Mann ermittelt jetzt die Polizei wegen des Verdachtes der fahrlässigen Tötung im Straßenverkehr.

Allerdings ist unklar, ob der Fahrer der Partybahn die Frau bei Dunkelheit und Regen an der Seite des Sparren-Express überhaupt sehen konnte. Deswegen regte der Unfallgutachter ein lichttechnisches Gutachten an, um die Situation nachzustellen. Dem muss die Staatsanwaltschaft zustimmen.

Der Fahrer einer nachfolgenden Bahn der Linie 2, die ebenfalls über die Leiche gerollt sein soll, träfe dagegen keine Schuld am Unfalltod der Frau, sagte Polizeisprecher Kötter. Weil feststehe, dass die 37-Jährige beim Überrollen durch die Partybahn getötet worden sei, werde auf eine Obduktion der Toten verzichtet.

Wie berichtet, wurde die Leiche der Frau am Freitag gegen 17.50 Uhr von der Fahrerin einer Bahn der Linie 1 an der Ecke Hermannstraße/Niederwall gegenüber der Straße Am Bach entdeckt. Dieser Übergang liegt etwa 15 Meter weit von der Unfallstelle an der Haltestelle Landgericht entfernt.

Dass am Auf- und Abgang der Haltestelle Landgericht zwischen der Hermannstraße und dem Siekerwall Menschen vor eine Stadtbahn laufen können, ist in Bielefeld seit langem bekannt. Wie ein Sprecher des Amtes für Verkehr bestätigte, wurden wegen eines derartigen Unfalls vor zehn Jahren bei einem Pilotprojekt bereits im Oktober 2005 sieben Bodenblinklichter im Übergang verankert. Diese warnten zusätzlich zu den Blinklichtern an Ampelmasten vor nahenden Bahnen, wenn ein Fußgänger den Kopf gesenkt hat.

Allerdings seien diese Bodenblinker an der Haltestelle Landgericht im Juli dieses Jahres nach fast neun Jahren wieder ausgebaut worden, sagte der Sprecher. Die in Eigenregie von Mitarbeitern des Amtes für Verkehr entwickelten Warnlichter seien kaputt gegangen, hätten sich zudem im Boden abgesenkt und eine Stolpergefahr für Passanten dargestellt. Auch ein zweiter Pilotversuch dieser Art an der Ecke Artur-Ladebeck-Straße/Haller Weg sei inzwischen beendet worden.

Dass die Warnlichter nicht ersetzt worden seien, läge an der leeren Stadtkasse, hieß es vom Amt für Verkehr. In Bielefeld gebe es 22 Bahnübergänge des Typs wie an der Haltestelle Landgericht. Es koste mehr als 20 000 Euro, um jeweils einen Bahnübergang mit Bodenblinkern auszurüsten.

Die Polizei (Tel.: 0521/5450) sucht weiter dringend nach Zeugen für den Stadtbahnunfall. Erste Vernehmungen von angeblichen Augenzeugen brachten die Ermittlungen nicht wesentlich voran.

Startseite