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Vor der Landtagswahl NRW 2022

Was in Bielefeld wichtig ist: Kandidaten, Krimis, Knackpunkte

Bielefeld

Fünf Jahre sind eine lange Zeit, vor allem in der Landespolitik. Der große Sieger der Landtagswahl 2017 hieß in allen drei Bielefelder Wahlkreisen SPD, sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen. Doch seitdem gab es zwei weitere Wahlen, die so manches Kräfteverhältnis auf den Kopf gestellt haben.

Von Stephan Rechlin

Es wird spannend: Am Sonntag, 15. Mai, wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. Bielefeld blickt auf die Wahlkreise 92, 93 und 94. Foto: Thomas F. Starke

Gemessen an ihrem Ergebnis von 2017 (40,1 Prozent) geht Christina Kampmann von der SPD als Titelverteidigerin den Wahlkampf im Wahlkreis 92 (Mitte, Schildesche Gadderbaum). Als ehemalige NRW-Familienministerin und Mitbewerberin um den Bundesvorsitz der SPD genießt sie sogar einen gewissen Promi-Bonus. Doch sie muss es schon direkt schaffen. Platz 68 auf der Reserveliste in der Partei wird nicht reichen, um irgendwie doch noch ein Mandat zu ergattern.

Mehr über die Landtagswahl NRW 2022 am 15. Mai lesen Sie auf unserer Sonderseite.

Dafür muss Christina Kampmann die inzwischen gewachsene Macht der Grünen im Wahlkreis überwinden. Lag die Partei 2017 mit 11,1 und 13,9 Prozent bei den Erst-und Zweitstimmen noch klar hinter SPD und CDU, so holte sie in der Kommunalwahl 2020 in zwei von drei Stimmbezirken, in der Bundestagswahl 2021 sogar in allen drei Stimmbezirken die Mehrheit – in Gadderbaum sogar mit 42 Prozent (2020).

Die grüne Spitzenkandidatin Christina Osei hat von allen zehn Bewerbern in diesem Wahlkreis die höchsten Chancen, in den Landtag einzurücken. Denn sie ist auch durch einen aussichtsreichen Listenplatz 21 abgesichert.

Spannung in „Mitte“: Ralf Nettelstroth nicht abgesichert

Angesichts dieser Ausgangslage kann Ralf Nettelstroth von der CDU nur gewinnen. Auch er tritt wie Kampmann ohne Sicherheitsnetz und doppeltem Boden an. Vor allem in der Bundestagswahl 2021 hat die CDU in diesen drei Stimmbezirken besonders gelitten, sie fiel hinter Grüne und SPD zurück. Nettelstroths Chance liegt in der rot-grünen Verkehrspolitik in der Innenstadt. Vielleicht nutzen so manche Wähler die Landtagswahl für einen Denkzettel.

Kopf-an-Kopf-Rennen im Wahlkreis 93?

Ganz anders sieht die Ausgangs-Konstellation im Wahlkreis 93 (Heepen, Brackwede, Stieghorst, Sennestadt und Senne) aus. Hier liegen die starken Wahlbezirke der CDU, in denen Ralf Nettelstroth vor fünf Jahren immerhin 35,4 Prozent der Stimmen holte. Es reichte dann doch nicht ganz gegen die SPD, die in den Stimmbezirken Brackwede, Stieghorst, Sennestadt und Senne knapp besser abschnitt. In der Kommunalwahl lag die CDU in sämtlichen Stimmbezirken wieder vorn, in der Bundestagswahl die SPD. Es dürfte hier also zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Tom Brüntrup (CDU) und Nesrettin Akay (SPD) kommen, die beide nicht durch Listenplätze abgesichert sind.

Knappes Rennen im Wahlkreis 94 vermutet

So ein Rennen zeichnet sich auch im Wahlkreis 94 (Dornberg, Jöllenbeck, Altkreis Halle) ab. Den konnte Georg Fortmeier (SPD) vor fünf Jahren mit einem hauchdünnen Vorsprung (0,3 Prozent) vor Birgit Ernst (CDU) gewinnen. Die damals noch vorhandene Mehrheit der CDU in Dornberg wurde inzwischen (2020, 2021) an die Grünen abgetreten. Die SPD gab den 2017 gewonnenen Stimmbezirk Jöllenbeck 2020 an die CDU ab, holte ihn 2021 mit Erst- und Zweitstimmen jedoch zurück.

SPD-Kandidat Thorsten Klute verfügt als ehemaliger Bürgermeister von Versmold über einen gewissen Bekanntheitsgrad im Altkreis Halle; Kontrahentin Mechthild Frentrup (CDU) ist dort über die Landwirtschaft gut vernetzt. Beide Kandidaten brauchen den Sieg, wenn sie in den Landtag einrücken wollen.

Völlig unklar ist, ob der Ukraine-Krieg das Wahlverhalten beeinflussen wird.

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