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Die Vorgängerbehörde stand Anfang der 1950er Jahre am Teutoburger Wald

Was Bielefeld mit dem Kraftfahrt-Bundesamt zu tun hat

Flensburg/Bielefeld

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) liegt erhaben über der Förde in Flensburg. Der Bau aus den 1960er Jahren ist weithin sichtbar und wirkt auf den ersten Blick eher abweisend.

Von Birgitta von Gyldenfeldt (dpa)

Analoge Akten überall: So sah die Arbeit im Verkehrszentralregister des Kraftfahrtbundesamtes vor rund 60 Jahren aus.  Foto: KBA

Vielleicht liegt es auch daran, dass man nicht einfach ohne Anmeldung hereinspazieren kann. Das KBA – das am 4. August 1951 mit der Verkündung des Gesetzes über die Errichtung eines Kraftfahrt-Bundesamtes gegründet worden war –   ist in einigen Teilen ein Hochsicherheitsbereich. Was aber kaum jemand wissen dürfte – die Vorgängerbehörde befand sich am Teutoburger Wald in Bielefeld. Hier gab es seit 1945 die „Sammelstelle für Nachrichten über Führer von Kraftfahrzeugen“ und seit 1946 die „Sammelstelle für Nachrichten über Kraftfahrzeuge“ – beide Behörden waren ursprünglich in Berlin ansässig und gehen auf das Jahr 1910 zurück.

Dass Flensburg im September 1951 zum neuen Dienstsitz bestimmt wurde, hatte struktur- und regionalpolitische Gründe. Anfang der 1950er Jahre residierte das KBA in leerstehenden Villen und Marineliegenschaften. 1965 wurde das heutige Gebäude errichtet. Ein zweiter kleiner Dienstsitz befindet sich in Dresden, wo bis 1990 das Kraftfahrzeugtechnische Amt der DDR beheimatet war. Ende 1952 kam das KBA noch mit 300 Mitarbeitern aus, heute sind es etwa 1100.

Dass das Gebäude in Flensburg heute so gut gesichert ist,   liegt unter anderem an den vielen Daten, die hier gesammelt werden. Nicht nur wird erfasst, wer wie viele „Flensburger Punkte“ hat, sondern unter anderen auch, wer welches Auto oder einen Führerschein besitzt oder welche Kraftfahrzeuge (Kfz)   in Deutschland zugelassen sind. Auch werden im KBA die Fahrerkarten für Lkw produziert, Verkehrssicherheits- und Abgastests vorgenommen und Typgenehmigungen erteilt.

Rückblick: Anfang der 1950er Jahre fuhren rund zwei Millionen Kfz – zum größten Teil Motorräder – auf den Straßen der Bundesrepublik. Heute sind knapp 68 Millionen Fahrzeuge und Anhänger beim KBA registriert, davon 48 Millionen Pkw. Und der Bestand wächst weiter. „Wir sind noch nicht in einem stagnierenden Bereich“ sagt Damm.

Elf Millionen Menschen mit Eintragungen

Knapp elf Millionen Menschen hatten Anfang 2021 Eintragungen in der sogenannten Verkehrssünderdatei. 2019 wurden rund 92.000 Führerscheine entzogen und knapp 457.300 Fahrverbote ausgesprochen. Doch das KBA sei mehr als nur Punktesammeln, sagt KBA-Präsident Richard Damm.  

Als er sein Amt Ende Januar 2020 antrat, war der Dieselabgasskandal noch präsent, in dem auch die Arbeit des der KBA zum Teil heftig kritisiert wurde – der Behörde wurde unter anderem vorgeworfen, nicht unabhängig und zu industriefreundlich zu sein. In der Folge des Skandals fiel die Entscheidung, beim KBA eigene Kompetenzen aufzubauen.

Ein Abgaslabor wurde in Harrislee bei Flensburg errichtet, wo eigene Abgasmessungen an Fahrzeugen vorgenommen werden. Im nordfriesischen Leck wurde auf einem alten Flugplatz eine Teststrecke aufgebaut, um Fahrzeuge im Betrieb zu prüfen. 2017 wurde zudem die Abteilung Marktüberwachung gegründet, „um öffentliche Interessen wie Gesundheit und Sicherheit besser zu schützen und zu gewährleisten, dass die geltenden Vorschriften eingehalten werden“, heißt es beim KBA. „Wir haben eine größere Unabhängigkeit, wir können eigene Untersuchungen machen, wir können auf Augenhöhe mit den Herstellern diskutieren“, sagt Damm. „Das war 2015 definitiv nicht so. Da hatten wir die Kenntnisse und die Möglichkeiten in der Art und Weise nicht.“   Abgeschlossen ist der Wandel noch nicht. Damm: „Es ist ein längerer Prozess notwendig, um einen Wandel zu vollziehen.“ Dabei sei man schon vorangekommen, auch wenn Corona manches verlangsamt habe.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, ebenfalls einer der Kritiker der Rolle des KBA im Abgasskandal, sieht Fortschritte seit 2015. Problematisch sei aber nach wie vor eine aus seiner Sicht zu große Abhängigkeit vom Verkehrsministerium. Das KBA sollte freier agieren können – ähnlich wie amerikanische Behörden oder auch deutsche Gerichte.

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