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Kommentar zum Corona-Meldestau in Bielefeld

Was der Inzidenzwert mit uns macht

Bielefeld

In den ersten drei Wochen des neuen Jahres ist das Vertrauen der Bielefelder in das städtische Corona-Management mächtig erschüttert worden.

Michael Schläger

Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger (Mitte) und OB Pit Clausen (rechts) sind wegen des Corona-Meldestaus in die Kritik geraten. Foto: Bernhard Pierel

Der Inzidenzwert, also die Zahl der Corona-Infizierten auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen, lief in Bielefeld über Weihnachten und Neujahr völlig aus dem Ruder. Es gab ein heilloses Melde-Durcheinander im Gesundheitsamt, das erst jetzt bereinigt ist.

Dabei ist es dieser Inzidenzwert, der inzwischen unser Leben bestimmt. Nach ihm wird bemessen, ob unsere Kinder in die Kita oder in die Schule gehen können, ob Geschäfte schließen müssen und wir im Home-Office arbeiten. Er könnte darüber entscheiden, ob wir uns nur noch in einem 15-Kilometer-Radius um die Stadt herum bewegen und ob wir nachts noch aus dem Haus dürfen. Die Politik hat ihn zum Gradmesser für unseren Alltag gemacht. Er ist der Seismograph der Pandemie. Ausgerechnet auf die Wucht dieses Indikators hat man in Bielefeld nicht geachtet.

Urlaub sei jedem gegönnt. Dass jedoch in einer der größten Krisen, die die Stadt erlebt, Oberbürgermeister Pit Clausen sowie sein frisch gewählter Stellvertreter und Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger übers Fest gleichzeitig frei machten, war ein fataler Fehler. Mit Planungsdezernent Gregor Moss und Schuldezernent Udo Witthaus waren nur fachfremde Beigeordnete in der Verwaltungsleitung verblieben. Das Unheil nahm seinen Lauf.

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