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Seniorenrat wollte mit OB-Bewerbern über deren Konzepte für die ältere Generation sprechen

Wegen AfD-Kandidat: Diskussion abgesagt

Bielefeld (WB). Äußerungen von AfD-OB-Kandidat Florian Sander im Interview mit dem WESTFALEN-BLATT haben Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) veranlasst, seine Teilnahme an einer Diskussionsveranstaltung des Seniorenrates mit den OB-Bewerbern an diesem Freitag abzusagen. Daraufhin nahmen auch die meisten anderen Diskussionsteilnehmer ihre Zusage zurück. Dr. Wolfgang Aubke, Vorsitzender des Seniorenrates, zeigte sich verwundert, sagte die Veranstaltung schließlich ganz ab.

Michael Schläger

Sieht sich als „Sozialpatriot“: Florian Sander (AfD).

„Schaden abwenden“

Es sei im Vorfeld klar gesagt worden, dass alle zur Wahl zugelassenen Bewerber auch zur Diskussion eingeladen würden. „Wenn jetzt einige so tun, als hätten sie dies nicht gewusst, wundert mich das.“ Mit der Absage der Veranstaltung wolle er Schaden vom Seniorenrat abwenden, so Aubke weiter.

Sander hatte in dem Interview erklärt, er fühle sich dem „sozialpatriotischen Flügel“ der AfD zugehörig und hatte Björn Höcke sowie den inzwischen aus der Partei ausgeschlossenen brandenburgischen Politiker Andreas Kalbitz gelobt.

Ihm sei beim Lesen der Zeitung fast die Milch im Kaffee sauer geworden, reagierte Clausen auf Sanders Aussagen. „Das zeigt doch ganz deutlich, dass es der AfD nur um eine Politik der Ausgrenzung geht, die wesentliche Teile unserer Stadtgesellschaft ausschließt.“ Der AfD-Kandidat verträte eine rückwärtsgewandte Position, die die Geschichte ignoriere. „Es ist für mich als Mensch und Oberbürgermeister unmöglich, auf dieser Grundlage zu diskutieren.“

Nach Clausen folgten weitere Absagen

Nach Clausens Erklärung folgten kurz hintereinander weitere Absagen. Wenn Clausen nicht erscheine, mache eine Teilnahme keinen Sinn, erklärte FDP-OB-Bewerber Jan Maik Schlifter. Er wolle sich mit Clausen auseinandersetzen, erreichen, dass Rot-Grün abgewählt werde. Die Kandidatin von Bürgernähe/Piraten, Gordana Rammert, sagte ab, weil es mit ihren demokratischen Grundsätzen und Prinzipien nicht vereinbar sei. Auch Michael Gugat von der Lokaldemokratie in Bielefeld will nicht mitdiskutieren, wenn Sander dabei ist. Die grüne OB-Bewerberin Kerstin Haarmann sagte, sie hätte sich gern mit den anderen Kandidaten über die Anliegen des Seniorenrates auseinadergesetzt, „aber eine gemeinsame Teilnahme mit Vertretern der rechten und menschenverachtenden AfD kommt für mich nicht in Frage.“

Unnötiges Forum

„Mit den Absagen gibt man der AfD nur ein Forum, das sie nicht verdient“, sagte CDU-OB-Kandidat Ralf Nettelstroth. Es sei besser, den AfD-Kandidaten in der Diskussion zu stellen als sich durch Absage zu entziehen. Rainer Ludwig BfB-OB-Kandidat, wäre ebenfalls gekommen: „Ich würde nie zu einer Veranstaltung der AfD gehen. Ich bin vom Seniorenrat eingeladen worden, und das ist eine allgemein anerkannte Einrichtung.“

Auch Florian Sander äußerte sich, griff den Oberbürgermeister an: „Dass ein langjähriger OB sich plötzlich nicht mehr traut, mit einem deutlich jüngeren Oppositionellen in den offenen inhaltlichen Diskurs zu treten, ist schon ein Armutszeugnis, das ich ihm so nicht zugetraut hätte.“

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