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Bielefelder Musiker Rondiva über seine Online-Konzerte in Corona-Zeiten und was die Pandemie für Künstler bedeutet

Weitermachen für die Fans und sich selbst

Bielefeld

Donnerstag, 21 Uhr. Seit Anfang November ist das für Rondiva ein fester Termin. Der Moment, in dem er jede Woche zur Gitarre greift, seine Songs spielt. Um weiterzumachen als Musiker. Für die Zuhörer, aber auch für sich selbst. „Ich möchte für die Menschen da sein, die seit Monaten keine Konzerte mehr besuchen konnten, sich nicht mit Freunden in der Kneipe treffen können. Ich mache das aber auch, um mich selbst bei Laune zu halten“, sagt der 43-Jährige.

Hendrik Uffmann

Seit dem vergangenen November spielt Rondiva jeden Donnerstag ein Online-Konzert im Theaterhaus Bielefeld. Foto: Thomas F. Starke

Seit vielen Jahren gehört Rondiva, mit bürgerlichem Namen Ronny Kummernuß, zu den bekanntesten Musikern aus Bielefeld. Mit seinen Liedern hat er sich als Songschreiber, wie er sich selbst nennt, längst einen Namen gemacht, drei Alben veröffentlicht, bis zu 30 Konzerte im Jahr gespielt.

Bis Corona kam. Und nichts mehr ging auf den Bühnen. Doch schon im ersten Lockdown im März des vergangenen Jahres startete Rondiva seine Online-Konzerte. Von seiner „Büro-Ecke“ in seinem Wohnzimmer aus und improvisiert. „Ich bin da einfach rangegangen und hab geschaut, wie das funktionieren kann“, blickt er zurück.

Und so klappte bei den ersten Konzerten, die die Zuhörer auf Youtube und Facebook verfolgen konnten, manches nicht, lieferte das Mikrofon nicht die beste Qualität oder fiel der Ton auf einem der Kanäle gleich ganz aus, weil die Internetverbindung in seiner Wohnung überlastet war. Spaß machte es den Fans dennoch, die Kommentare schrieben, sich Lieder wünschten und dabei blieben.

Und so spielte er noch einige weitere Online-Konzerte, bis das Leben im Sommer 2020 wieder etwas Fahrt aufnahm, wieder etwas „normaler“ wurde. Bis die Pandemie mit voller Wucht zurück kam und erneut nichts mehr ging für fast die komplette Kulturbranche.

Rondiva

Dass es für ihn bislang weiter funktioniere, sagt Rondiva, liege vor allem daran, dass er Glück habe und neben seiner Arbeit als Musiker eine halbe Stelle beim Verein Theaterlabor Bielefeld im Theaterhaus auf dem Tor 6-Gelände habe. „Und dort wurden schon im ersten Lockdown schnell digitale Formate entwickelt für das, was dort angeboten wird – wie zum Beispiel Theaterprojekte für Jugendliche. Und das funktioniert ziemlich gut.“ Für den Musiker war das die Gelegenheit, sich mit der dazu notwendigen Technik intensiver zu beschäftigen. Und ein festes Konzept für seine Online-Konzerte zu entwickeln.

Seit November gibt es diese nun regelmäßig. 13 Konzerte hat er seitdem gespielt, seine „Bühne“ ist dafür inzwischen das Studio 1 im Theaterhaus. Meist sind es um die 50 Zuschauer, die dabei sind, längst nicht nur aus Bielefeld. „Es schauen auch aus Österreich Leute zu; und ein Zuschauer, der regelmäßig dabei ist, lebt in Lima in Peru.“

Für ihn sind die Konzerte wichtig, um weiter als Musiker aktiv sein zu können. „Live zu spielen ist für einen Liedermacher eben das, auf das man sich freut.“ Auch wenn die Interaktion mit dem Publikum natürlich nicht so ist wie der direkte Kontakt von der Bühne aus. „Sonst sehe ich in die Gesichter, merke, wie die Songs oder das, was ich zwischendurch erzähle, ankommen. So bin ich allein und alles ist still, wenn der Song zu Ende ist.“

Doch die Möglichkeit für die Zuhörer, online Kommentare zu schreiben, gleiche dies zumindest ein wenig aus. Wichtig seien die Auftritte für ihn auch, um neue Songs auszuprobieren und auch weiterzuentwickeln, vielleicht neu zu arrangieren, wenn sie nicht so funktionieren, wie er sich das vorgestellt hat.

Was Corona und der Lockdown für Künstler bedeuten, wird jedoch klar, wenn Rondiva davon erzählt, wie sein „Programm“ im vergangenen Jahr ohne die Pandemie ausgesehen hätte. Im April wäre er mit der bekannten schottischen Band Martin and James auf Tour gegangen, hätte bei fünf Konzerten unter anderem in Frankfurt und München als Support gespielt. „Das wäre eine Möglichkeit gewesen, mir ein ganz neues Publikum zu erschließen. Doch die hat sich dann in Luft aufgelöst.“

Im Kontakt mit anderen Musikern und Menschen aus den vielen Berufen, die es in der Branche gibt, weiß Rondiva auch, wie schwer die letzten fast zwölf Monate für alle waren. Und wie wichtig auch für ihn es ist, dass es bald wieder eine Perspektive gibt, „wann die Leute endlich wieder zusammenkommen können“.

Bis dahin will er jedoch seine meist gut einstündigen Online-Konzerte geben. Dabei zuzuhören, sei grundsätzlich kostenlos. „Doch ich bitte darum, dass diejenigen, die es sich leisten können, eine Art Eintrittsgeld spenden“, sagt Rondiva. Denn immer noch gebe es viel zu oft die Meinung, dass Künstler zu sein vor allem ein Hobby sei. „Aber es ist etwas, mit dem ich einen Teil des Lebensunterhalts für mich und meine Familie bestreite.“

Und so finde er auch Aussagen aus der Politik „schwierig“, dass Künstler, die derzeit nicht in ihrem Beruf arbeiten dürfen, doch flexibel sein und in die Pflege gehen sollten.

Jeden Donnerstag für andere Menschen Musik zu machen, das bleibe für ihn deshalb in der Krise wichtig. Und so wird er wieder zur Gitarre greifen, seine Lieder spielen und Geschichten dazu erzählen. Das nächste Mal an diesem Donnerstag um 21 Uhr.

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