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Umgestaltung der Bielefelder Altstadt: Stadt und Planungsbüro diskutieren mit Kaufmannschaft

Weniger Autos, mehr Lebensqualität

Bielefeld (WB).

Henner Zimmat würde am liebsten sofort zur Schaufel greifen. „Warum starten wir nicht schon mal mit den versenkbaren Pollern? Jetzt im Lockdown wäre doch die ideale Zeit dafür“, fragte der Sprecher der Altstadt-Kaufleute am Dienstagabend während der ersten „Knackigen Stunde“ im neuen Jahr.

Michael Delker 

Die autobefreite Ritterstraße mit Pop-Up-Store, digitalem Kiosk, neuen Sitzmöglichkeiten und E-Scooter-Stellplätzen ist noch eine Zukunftsvision. Foto: Büro Bable

In der Video-Konferenz erläuterten Baudezernent Gregor Moss, Projektleiter Oliver Spree (Amt für Verkehr) und Vertreter des Planungsbüros Bable (Stuttgart), wie sich das Gesicht der Altstadt in den kommenden Jahren im Zuge der Innenstadtentwicklung verändern könnte.

Weniger Autoverkehr, mehr Aufenthalts- und Lebensqualität in der Bielefelder Altstadt – das sind die Schlagwörter, mit dem sich in den nächsten Monaten verschiedene Projektgruppen beschäftigen, um Ideen zu sammeln und zu diskutieren. „Ziel ist es, die ersten Maßnahmen ab Herbst 2022 umzusetzen“, erläuterte Oliver Spree vom Verkehrsamt.

Für den nötigen Input soll das Büro Bable sorgen. In der „Knackigen Stunde“ warfen die Stuttgarter Planer Beispiele auf die Bildschirme der 47 Teilnehmer, mit welchen Mitteln andere Städte Anstrengungen unternehmen, um ihre Zentren zu vitalisieren. So hatten in Münster Künstler die Möglichkeit, Parkflächen für einen bestimmten Zeitraum zu gestalten.

In Berlin ist seit August die Friedrichstraße in eine temporäre Fußgängerzone umgewandelt worden, um Platz zum Flanieren zu schaffen. Solche frei werdenden Räume können mit neuen Angeboten bestückt werden. Vorstellbar sind zusätzliche Spiel- und Sitzmöglichkeiten, Außengastronomie, digitale Kioske mit WLAN-Anschluss oder intelligente Smart-Lightning-Konzepte.

Viele der Bielefelder Altstadt-Kaufleute wünschen sich ein „Piazza-Feeling“, wie eine spontane Umfrage ergab. Dieses Gefühl könnten die versenkbaren Poller schaffen, „modulare Filter“, wie Baudezernent Gregor Moss sie nennt. Mit den Pollern könnten die Lieferverkehre geregelt beziehungsweise nur zu bestimmten Zeiten zugelassen werden.

Dass die „modularen Filter“ irgendwann installiert werden, daran ließ Moss mit Blick auf die bisherige politische Mehrheitslage keinen Zweifel. Nur im Lockdown, da wird wohl nicht mehr zur Schaufel gegriffen. „Solche Prozesse brauchen Zeit, bis sie auf Akzeptanz stoßen. Wir müssen alle mitnehmen“, sagte Moss.

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