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Nach dem Brandanschlag auf den Bielefelder Tisch

»Wer brennt eine soziale Einrichtung nieder?«

Bielefeld (WB). Thomas, gelernter Bäcker, steht beim Bielefelder Tisch in der Küche. Mehr als 200 Eier hat er aufgeschlagen: Spinat, Salzkartoffeln und Rührei stehen am Samstag auf der Speisekarte. Allerdings müssen die Gäste, die nach und nach eintrudeln, im Freien essen.

Sabine Schulze

Fleißige Helfer in der Küche: von links Thomas (mit einem Bräter voller Rührei), Michael Rogers, Susanne, André und Klaus. Foto: Schulze

Das Vereinsheim des Bielefelder Tisch ist, abgesehen von der Küche und den Toilettenanlagen, nach einem Brandanschlag vorerst nicht zu benutzen. In der Nacht zu Montag haben Unbekannte ein Feuer gelegt, die Polizei fand in unmittelbarer Nähe einen Benzinkanister. Ansonsten aber gibt es noch keinerlei Hinweise auf den oder die Täter.

Der erste Mann am Brandort

»Wer will den bloß eine soziale Einrichtung niederbrennen? Es gibt doch Menschen, die darauf angewiesen sind, hier dreimal in der Woche eine warme Mahlzeit zu erhalten«, sagt Tagesleiter Michael Rogers. Er wohnt direkt nebenan und war, von einer Nachbarin alarmiert, als erster am Brandort.

»Ich wollte ins Haus, aber es war schon alles völlig verqualmt, man sah nichts mehr«, erzählt er noch immer aufgebracht. Was das Feuer nicht zerstört hat, ist durch den Ruß arg in Mitleidenschaft gezogen worden. »Wir schätzen den Sachschaden mittlerweile auf 80 000 Euro«, sagt Ulrich Wien­stroth, erster Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins.

Das Mobiliar konnte und kann wieder geschrubbt werden, auch die Küche im hinteren Bereich funktioniert wieder. Ansonsten ist alles voll rußigen Schmiers, ist der beißende Qualm regelrecht in die Wände gezogen, sind Lampen, Verbandsmaterial, Kinderhelme oder Toilettenpapier nicht mehr zu benutzen, sind technische Anlagen und Elektronik zerstört.

Brandsanierer fängt Mittwoch an

»Ein professioneller Brandsanierer nimmt am Mittwoch die Arbeit auf«, sagt Wienstroth. Er hofft ebenso wie Michael Rogers, dass das Technische Hilfswerk (THW) am Dienstag zudem ein Zelt aufstellt, in dem die Gäste ihre Mahlzeiten zu sich nehmen können. Da das Feuer nicht als Katastrophe gilt, fehlt dazu aber noch ein Stempel der IHK, quasi die Freigabe für den THW. So lange müssen sich die Besucher während der Mahlzeit unter dem Vordach drängeln, unter dem auch die Essensausgabe durch die ehrenamtlichen Helfer erfolgt. Oder eben im Freien sitzen.

Obgleich sich natürlich der Brandanschlag und seine Folgen herumgesprochen haben, kommen auch an diesem kühlen Samstag deutlich mehr als 100 Gäste zum Essen, einigermaßen dick eingemummelt. »Wir machen natürlich weiter. Davon lassen wir uns doch nicht unterkriegen«, sagt André, der zu den Helfern gehört. Auch er hat gewienert und geschrubbt, damit es wieder läuft.

Ehrenamtliche habe man genug, sagt Wienstroth. Was aber wirklich fehlt, ist schlicht Geld, damit Neuanschaffungen und Reparaturen getätigt werden können.

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