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Tiergestützte Pädagogik auf Alpaka-Hof in Schröttinghausen

Wer ist hier gestresst?

Bielefeld (WB). Bewaffnet mit zwei kleinen Schubkarren und einem großen Sack Heu machen sich Miguel (8) und Theo (7) selbstbewusst auf den Weg. 18 hungrige Alpakas und acht Lamas sind zu füttern. Dabei werden sie von Erzieher und Erlebnispädagoge Marvin Hoffmann begleitet.

Kai Verleger

Bei der Alpaka-Fütterung (von links): Miguel (8) und Theo (7) versorgen zusammen mit Burghard Lehmann von der Osthushenrich-Stiftung Alphatier Siggi (braun-weiß gefleckt) und seine Herde. Foto:

Der Alpaka-Hof in Bielefeld-Schröttinghausen bietet seit diesem Sommer in Kooperation mit der Tagesgruppe Schildesche – Teil der evangelischen Jugendhilfe Schweicheln – das Projekt „Alpa-Cool bleiben“ an. Einmal pro Woche kommen zwei bis drei Kinder auf den Hof, um die Tiere und das Landleben aus erster Hand kennenzulernen.

Das Zutrauen der Tiere müssen sich die Kinder verdienen

Für die Kinder ist die wöchentliche Stunde mehr als nur ein Besuch im Streichelzoo. Durch den Umgang mit den Tieren werden sie in ihrer sozio-emotionalen, motorischen und kognitiven Entwicklung gefördert. „Die Kinder steuern mit ihrem Verhalten die Beziehung zu den Tieren“, erklärt Christian Stork, Mitarbeiter der Tagesgruppe. Die Neuweltkameliden – Alpakas und Lamas – seien sehr ruhige, freundlich-distanzierte, aber auch neugierige Tiere. Ursprünglich kommen die kamelartigen Paarhufer aus den südamerikanischen Anden. Bei den Hoftieren handele es sich allerdings um Exemplare aus deutscher Zucht, erklärt Hofleiterin Angela Vogt, die seit 2010 auf ihrem Hof tiergestützte Heilpädagogik anbietet.

Bei den Alpakas angekommen, ist es Miguel und Theo anzumerken, wie sich ihr Verhalten beim Füttern der Tiere verändert. Sie sind ruhiger und reflektierter. Aus gutem Grund: Alpakas wirken zwar tiefenentspannt, aber ihr Zutrauen müssen sich die beiden Grundschüler erst einmal verdienen. Es lassen sich bei den einzelnen Tieren richtige Charakterzüge erkennen. Siggi – Alphatier der Herde – darf aufgrund seines ruhigen Gemüts auch mal mit auf Ausflüge ins Kinder- und Jugendhospiz. Ringo liebt Wanderungen, aber vor allem sein Futter.

Osthushenrich Stiftung fördert das Projekt „Alpa-Cool bleiben“

Nach der Alpaka-Fütterung geht es zu den Lamas – im Gegensatz zu ihren brusthohen Artverwandten eine Begegnung auf Augenhöhe. Der Größenunterschied macht Theo und Miguel aber nichts aus. Selbstbewusst füttern sie auch die Lamas mit Heu. Ob es ihnen Spaß gemacht hat? „Ja!“ Ein Jahr lang wird das Projekt „Alpa-Cool bleiben“ angeboten. Neun Kinder werden von drei Mitarbeitern betreut. Das erlebnispädagogische Angebot auf dem 5,5 Hektar großen Hof ist vielfältig: „Wir schauen, was die Kinder brauchen“, sagt Vogt. Die Kinder können beispielsweise mit den Tieren Wanderungen im Wald unternehmen, oder – wie Theo und Miguel es bevorzugen – die Tiere füttern.

Finanzielle Unterstützung für das Alpaka-Projekt gibt’s von der Stiftung Osthushenrich aus Gütersloh. Die Stiftung unter der Leitung von Burghard Lehmann unterstützt soziale Projekte im Raum Ostwestfalen-Lippe. Jeder könne mit seinen Konzepten an die Stiftung herantreten, sagt er. „Alpa-Cool bleiben“ unterstützt die Stiftung mit 1904 Euro.

Hofleiterin Angela Vogt legt Lama Schoko ein Halfter an. Foto: Bernhard Pierel

Für die Tagesgruppe Schildesche ist diese Form der pädagogischen Arbeit nichts Neues. „Tiergestützte Pädagogik war immer Teil unseres Konzepts“, sagt Jan-Michael Gruhn, von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit. Vorher habe man pädagogisches Reiten angeboten, ergänzt Christian Stork. Ziel der Projekte sei es, die Kinder auf Regelangebote vorzubereiten.

Wanderungen, Kindergeburtstag und Lama-Schur

Auf dem Hof ist auf jeden Fall immer etwas los: Neben der Tagesgruppe gibt’s tierische Geburtstage ; es muss ein großer Gemüsegarten gepflegt werden, und einmal pro Jahr werden die Tiere geschoren; die qualitativ hochwertige Wolle wird zu Bettdecken weiterverarbeitet. Bei Junggesellen-Abschieden oder der Glühwein und Punsch-Wanderung geht es auch mal wilder zur Sache.

Wer in Schröttinghausen wandert, darf sich nicht wundern, wenn er oder sie im Wald auf eine Herde Alpakas und Lamas stößt.

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