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Bielefeld: Unterlagen entlasten Brackweder Heimatpflegerin – Verein will nicht „nachtreten“

Wieder Eintracht im Roten Amt

Brackwede

Die Mundwinkel unter der Gesichtsmaske zeigen nach oben. Es wird sogar wieder laut gelacht. Deutlich besser und entspannter als noch vor einem Jahr ist die Stimmung beim Brackweder Heimatverein im Roten Amt: Der heftige Streit um Arbeitsauffassung, Kompetenzen und den richtigen Umgang mit Archivmaterial, der 2019 unter Vorstandsmitgliedern ausgebrochen war, ist zwar weder ausgeräumt worden noch ohne Folgen geblieben. „Aber die Wogen haben sich geglättet“, sagt Vorsitzender Tobias Flöthmann.

Markus Poch

Blödeln gemeinsam im fast fertigen Gefängnistrakt des Heimathauses (von links): Vorsitzender Tobias Flöthmann, Steve Nossek und Detlef Kropp Foto: Markus Poch

Wegen der Corona-Beschränkungen konnte die entscheidende Hauptversammlung, in der sich der vorübergehend zerrüttete Vorstand neu aufstellen wollte, allerdings noch nicht abgewickelt werden. „Wenn es nach mir ginge, würde sie lieber heute als morgen stattfinden, damit die Amtsanwärter endlich ihre Positionen einnehmen können“, erklärt Flöthmann.

Im Streit waren vor Jahresfrist die zweite Vorsitzende Ursula Wittler sowie Beisitzer Jürgen Thannhäuser zurückgetreten. Auch Geschäftsführer Friedhelm Hannig will aufhören. Das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem Vorstand sei gestört, berichtete er dem WESTFALEN-BLATT. Außerdem müsste Christian Pannewitz, der aus anderen Gründen nicht mehr antritt, als Schatzmeister ersetzt werden. Tobias Flöthmann sieht die Lage gelassen: Zur Hauptversammlung 2020, die möglicherweise im Frühjahr 2021 endlich über die Bühne gehen kann, „werden wir für jeden Posten einen geeigneten Bewerber anbieten“, verspricht er.

Inzwischen lägen Unterlagen vor, die seine Frau entlasteten. Die ebenfalls im Vorstand engagierte Heimatpflegerin Rosemary Flöthmann, seit 2010 im Amt, hatte sich vor Jahresfrist plötzlich mit scharfer Kritik an ihrer Archivarbeit konfrontiert gesehen. In Folge dieser Auseinandersetzung war eine Gruppe Vereinsmitglieder ausgetreten. Dass die Anschuldigungen gegenüber seiner Frau offenbar unbegründet waren, „können wir jetzt jedem zeigen, der sich dafür interessiert“, betont Flöthmann. „Aber nachtreten werden wir nicht.“ Man wolle sich lieber auf die vielen positiven Ansätze aus dem Corona-Jahr konzentrieren.

Da wäre zunächst die Mitgliederzahl von 115: Zwar musste der Verein die besagten Austritte hinnehmen, freute sich aber anschließend über insgesamt 20 neue Mitglieder und dadurch über viel Zuspruch. Zusätzlich sei die Spendenbereitschaft enorm gewesen. Neben Geld nahm Rosemary Flöthmann wertvolle Sachspenden wie Schreibtische, Rechner, Schränke, einen 30er-Jahre-Spültisch, eine Nähmaschine, zwei Stricker-Fahrräder und ein Gobelin-Bild entgegen.

Zeitgleich geht‘s bei der Renovierung des Roten Amtes voran: Büro- und Archivräume wurden in Eigenregie frisch gestrichen. Die Stadt hat damit begonnen, den veralteten Toilettenraum zu modernisieren und damit für alte Leute und Behinderte leichter nutzbar zu machen. Eine weitere positive Nachricht: Die Risse im Kellerboden des Hauses, jüngst entstanden durch die Bauarbeiten am Stadtring, sollen nach Auskunft von Fachleuten unbedenklich sein.

Außerdem hat der Verein auf Anraten des früheren Senner Heimatpflegers Hans Schumacher sein Archiv für Gemälde, Fotos und Kopien umstrukturiert. Seit geraumer Zeit werden Zeitungsartikel zudem digital erfasst. Parallel sind der neue Wandkalender und die Brackweder Heimatblätter mit Artikeln diverser Autoren aus den eigenen Reihen erschienen.

Darüber hinaus hat der Heimatverein 20 eigene Brackwede-Briefmarken von der Citipost drucken lassen, sich an der Kino-Ausstellung des Historischen Museums Bielefeld beteiligt und dem Buchautor Frank Tippelt bei der Recherche geholfen. Der etatmäßige WESTFALEN-BLATT-Redakteur arbeitet gerade am zweiten Teil seiner Dokumentation »Kneipen, Kult und Kakerlaken«, der auch die Brackweder Gastronomie der 1960er bis 80er Jahre streift. Er soll im Herbst 2021 erscheinen.

Für die Nach-Corona-Zeit haben die Vereinsmitglieder Ansgar Meyer und Steve Nossek weitere Folgen ihrer beliebten Bildervorträge zum alten Brackwede vorbereitet. Der Heimatverein will außerdem seine Kooperation mit der Werbegemeinschaft WIG, mit dem Runden Tisch Begegnung sowie dem Heimat- und Kulturverein Glandorf intensivieren und seine Aktivitäten in Facebook und Instagram ausbauen.

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