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Wohlfahrtsverbände fordern alle Bielefelder auf, die Kontakte an Weihnachten auf ein Minimum zu reduzieren

„Wir arbeiten auf Kante“

Bielefeld (WB).

Noch ist die Arbeit in der Pflege zu bewältigen. Noch. Auf die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage blicken die Vertreter der Wohlfahrtsverbände mit großer Sorge. Gemeinsam richten sie einen eindringlichen Appell an alle Bielefelder: „Bleiben sie im kleinsten Familienkreis. Wechseln Sie nicht ihre Kontakte an den drei Weihnachtsfeiertagen – jeder neue Kontakt kann eine Infektion weitertragen.“

Michael Delker 

Dieses Weihnachtsfest wird anders sein. Die Wohlfahrtsverbände raten, die Kontakte in Altenheimen und Zuhause zu reduzieren. Foto: Oliver Berg/dpa

Ulrich Paus schätzt, dass in Bielefeld mehr als 5000 Menschen in der Pflege tätig sind. „Wir arbeiten auf Kante“, sagt der Vorstand des heimischen Caritas. Die Bielefelder Wohlfahrtsverbände fürchten, dass sich das Infektionsgeschehen weiter ausbreitet, weil die Menschen beim „Fest der Begegnung“ unvorsichtig werden. „Wir haben den Eindruck, dass noch zu viel gerechnet wird, wie viele Kontakte an Weihnachten möglich sind“, sagt Paus.

Extreme Belastung für Bewohner und Mitarbeiter

Kritisch sieht in diesem Zusammenhang Björn Neßler (Diakonieverband Brackwede) die von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ausgesprochenen Besuchsgarantien in Alten- und Pflegeheimen. „Wenn in einem Altenheim mit 100 Bewohnern pro Tag zwei Besuche mit jeweils zwei Personen möglich sind, dann wären das an den drei Weihnachtsfeiertagen 1200 Besuche. Das wären extrem viele Kontakte, und das Infektionsrisiko würde entsprechend steigen“, erklärt Neßler. Es sei zu überlegen, ob man seine Angehörigen nicht auch an einem anderen Tag besuchen könne, um die Kontakte in den Einrichtungen an Weihnachten zu reduzieren.

Die Vertreter der Wohlfahrtsverbände sorgen sich nicht nur um den Schutz der Pflegebedürftigen, auch ihre Mitarbeiter sind seit Monaten einer extremen Belastung ausgesetzt. Sie untersuchen jeden Patienten jeden Tag auf Krankheitssymptome. Die Pfleger arbeiten ausschließlich unter FFP2-Masken, bei infizierten Patienten unter Vollschutz. „Das ist sehr beschwerlich und kostet viel Zeit“, sagt Ulrich Paus.

Hinzu komme, dass sich jeder Mitarbeiter alle drei Tage einem Schnelltest unterziehen müsse. Bei Krankheitssymptomen oder einem positiven Test müsse sich der betroffene Mitarbeiter mindestens zehn Tage in Eigenquarantäne begeben, was die Anzahl der verfügbaren Kräfte weiter einschränke. Da auch die bevorstehenden Impfungen die Nachfrage an Pflegepersonal erhöhe, werde jede Hand gebraucht.

Belegung der Kitas bei 40 Prozent 

Ein weiter ausuferndes Infektionsgeschehen könnte die Wohlfahrtsverbände personell in die Bredouille bringen. Ihr Appell vor dem Weihnachtsfest: „Schützen Sie sich und uns durch die Nutzung digitaler Kontakte und Telefonanrufe. Halten Sie bei Besuchen ausreichend Abstand. Helfen Sie uns, auch weiter für die Schwächsten in der Gesellschaft tätig zu sein.“

Mit Blick auf die Kitas erklärt Matthias Rotter (Paritätischer), dass von einer Notbetreuung noch keine Rede sein könne. Die durchschnittliche Belegung habe in den vergangenen Tagen bei 40 Prozent gelegen, in manchen Kitas sogar bei 90 Prozent. Nach dem Jahreswechsel, so Rotter, „sollten die Bielefelder Eltern ganz genau überlegen, wann sie ihr Kind wieder in die Kita geben.“

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