Neue Corona-Regeln sollen in Bielefeld überwacht werden – Muslime und Orthodoxe bekommen Post

„Wir lassen uns nicht veräppeln“

Bielefeld (WB)

Bei einer Inzidenz um 200 in Bielefeld ist klar: Die Bundes-Notbremse bringt in dieser Stadt in puncto Distanzunterricht und Termineinkauf nichts Neues: beides ist längst untersagt. Gleichwohl kommt es durch die am Donnerstag verabschiedeten Corona-Regelungen auch für die Bielefelder zu weiteren Einschränkungen, die Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger erläuterte.

Peter Bollig

Über die Folgen der Bundes-Notbremse für Bielefeld haben Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger und Stadtsprecherin Gisela Bockermann informiert. Foto: Peter Bollig

So gilt nun auch im privaten Bereich: Zusammentreffen sind nur noch für einen Haushalt plus eine weitere Person erlaubt. Und auch in Bielefeld gilt die Ausgangsbeschränkung zwischen 22 und 5 Uhr. Wie das Ordnungsamt in Bielefeld damit umgeht, deutete Ingo Nürnberger nur an: „Wir werden jetzt nicht zum Polizeistaat, wir werden aber die Lage beobachten und schauen, wie sich die Menschen verhalten, sie bei Bedarf ansprechen“ – mit viel Polizei und Ordnungskräften. Wer daraus ein zögerliches Handeln schließen will, für den wurde der Krisenstabsleiter deutlicher: „Wir werden es nicht überziehen, wir lassen uns aber auch nicht veräppeln“, etwa wenn Jugendliche oder Querdenker meinten, „sich nicht an diese Regeln halten zu müssen“.

Kitas im Notbetrieb

Bei Kontrollen und nachträglichen Sanktionen will es der Krisenstab aber nicht belassen. Gruppen, die aus Sicht der Stadtverwaltung aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds Gefahr laufen, Regeln zu missachten, erhalten demnächst Post. Weil das muslimische Fastenbrechen und in zwei Wochen das orthodoxe Osterfest anstehen, richtet sich das Schreiben zunächst an islamische und christlich-orthodoxe Vereine und Gemeinde – mit dem deutlichen Hinweis, „dass wir auf Einhaltung der Regeln pochen“. Nach Monaten der Krise und der Verstöße weiß Ingo Nürnberger: „Die wissen oft einfach gar nicht, was gerade gilt.“

Aber auch die Stadt blickt beim neuen Bundesgesetz noch nicht ganz durch. Unklar sei etwa, ob die Stadt einen Spielraum für eigene Regelungen hat, wenn Inzidenzwerte wieder unterschritten werden. Ob also Geschäfte zwangsläufig wieder öffnen dürfen oder an Schulen Wechselunterricht zwingend beginnen muss, auch wenn die Stadt eine „Bedrohungslage“ sieht, die dafür spräche, mit der Freigabe noch etwas zu warten.

Der Tierpark Olderdissen bleibt weiterhin geöffnet, allerdings werden die Kindergärten in der kommenden Woche „wohl wieder auf den Notbetrieb umstellen müssen“, sagte der Krisenstabsleiter. Ohnehin gelte die Bitte, Kinder möglichst nicht in die Kita zu bringen.

Weiteres Impfangebot für 60- bis 70-Jährige

Bielefeldern zwischen 60 und 70 Jahren macht die Stadt ab sofort ein weiteres Impfangebot mit dem Astrazeneca-Impfstoff. Termine vergibt der ASB unter www.asb-owl.de. Das kündigte Sozialdezernent Ingo Nürnberger am Donnerstag im Rat an. Er informierte zudem über die Infektionslage, die seit Tagen realistisch bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 liege, weil rund 200 Fälle nachgemeldet werden müssten – auch weil Labore mit der Abarbeitung der Proben kaum hinterher kämen. „Das geht aber vielen Kommunen so“, sagte Nürnberger. Kontaktnachverfolgungen liefen schleppend, daher soll möglicherweise weiteres Personal eingestellt werden. 30 Kitas und 15 Schulen seien derzeit von Corona-Fällen betroffen. Zudem teilte die Stadt mit, dass ein 86-jähriger Bielefelder im Zusammenhang mit Corona verstorben ist. Die Zahl der Toten seit Beginn der Pandemie steigt somit auf 301.

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