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Tanzfestival Bielefeld soll in diesem Jahr vom 4. bis 17. Juli stattfinden

„Wir werden wieder tanzen!“

Bielefeld

Nach der Corona-Zwangspause im letzten Jahr hoffen die Künstlerischen Leiter Ulla und Dan Tchekpo Agbetou und das Kulturamt auf ein erfolgreiches Tanzfestival in diesem Sommer vom 4. bis zum 17. Juli.

Uta Jostwerner

Die Dancers from Bukarest gastieren am 13. Juli in Bielefeld Foto: Bukarest Opera

Der Umgang mit Emotionen und die Überwindung von Krisen – jeder weiß, was das in dieser von der Pandemie geprägten Zeit bedeutet. Der Tanz scheint aktuell essenzieller denn je. Wie Pina Bausch, die Pionierin des Tanztheaters, einmal appellierte: „Tanzt, sonst sind wir verloren.“

Davon ist auch Ulla Agbetou überzeugt: „Der Tanz ist das Heilmittel gegen Unsicherheiten und Ängste. Er überwindet Grenzen und schafft neue Perspektiven – Wir werden wieder tanzen!“

Damit die Tanzfans die Workshops nachholen können, die ihnen im letzten Jahr verwehrt worden sind, lädt das Kulturamt dieselben Dozenten, die schon 2020 gebucht waren, erneut ein. Dafür gibt es einen weiteren guten Grund: Das Tanzfestival unterstützt dadurch die Künstler, die im vergangenen Jahr aufgrund der Coronakrise aussetzen mussten.

Das Festival-Büro informiert

Infos zu zu den Workshops und Performances, Biografien der Dozenten und Dozentinnen und das Anmelde-System finden sich auf der Internetseite www.tanzfestival-bielefeld.de. Für Fragen stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Festivalbüros und die künstlerischen Leiter Ulla und Tchekpo Dan Agbetou immer gern zur Verfügung.Telefonische Anmeldungen nehmen Anja Engler und ihre Kolleginnen im Kulturamt entgegen unter Telefon 0521/51-3962, -8589 oder -3671. „Es lohnt sich, früh zu buchen“, betont Festivalleiter Ulrich Laustroer, „der Frühbucherrabatt gilt noch bis zum 24. März und es könnte natürlich auch sein, dass die im Sommer dann geltenden Hygienevorschriften nur begrenzte Teilnehmerzahlen zulassen“.

Bei den Performances gehen die Veranstalter den gleichen Weg. Nur eine Performance musste aus Termingründen ausgetauscht werden. Statt des afrikanischen Performers Seydou Boro kommen jetzt die Tänzer der Kompanie „Tanzwerke Vanek Preuß“, eine deutsche Kompanie mit einem vielbeachteten Stück „Impossible Flight“, das im Januar 2020 in Bonn uraufgeführt worden ist.

Bielefeld wird Zentrum des Tanzes

Alle freuen sich darauf, wieder zu tanzen. In den aktuellen Zeiten der Ungewissheiten sehnt sich die gesamte Welt nach einer Chance sich endlich wieder frei entfalten und verbinden zu können. Wenn alles gut geht, wird Bielefeld in den ersten zwei Wochen der Sommerferien wieder zum Zentrum des Tanzes. 30 Dozenten aus aller Welt und geschätzte 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Region, aus ganz Deutschland und aus dem Ausland werden zum Tanzfestival in Bielefeld zusammentreffen.

Die Workshops sprechen Menschen mit unterschiedlicher kultureller und tanzfachlicher Vorbildung vom Anfänger bis zum Profi an. Die zwei renommierten Dozenten Jennifer Blasek und Matthew Thomas bilden mit ihrem Ballettunterricht das Fundament allen Tanzes. Disziplin und Technik, aber auch Lockerheit und Musikalität bieten dem Tanzbegeisterten die Möglichkeit, die eigenen körperlichen Grenzen sowohl zu erfahren als auch zu überwinden.

Bereits für das vergangene Jahr erstmalig eingeladen, begrüßt das Tanzfestival diesjährig eine neue Dozentin im Bereich Contemporary. Nadine Gerspacher ist eine erfahrene Dozentin und Choreographin, die auch mit ihrer eigenen Tanzcompagnie große Erfolge feiern kann. In ihren Workshops werden sowohl das räumliche, als auch das körperliche Bewusstsein gestärkt. Wer in andere Welten eintauchen möchte, findet im Flamenco-Workshop seinen Platz.

Spiel der Kastagnetten

Mit Belén Cabanes wird eine international erfolgreiche Flamenco-Tänzerin das Angebot erweitern, die das temperamentvolle Spiel der Kastagnetten meisterhaft beherrscht. Nicht weniger meisterhaft ist die musikalische Begleitung ihrer Workshops, die der talentierte Musiker Andreas Maria Germek übernimmt, ein Virtuose der spanischen Gitarre.

Insgesamt können Stilrichtungen aus den übergeordneten Genres Academic, World, Urban, Body-Work und Special ausgewählt werden. Das Tanzfestival bietet ein breites Angebot für alle Altersklassen. Neu im Programm ist ein Pilates 55+ Kurs. Mit Rücksicht auf die Veränderungen der Körperarbeit im fortschreitenden Alter konzentriert sich das Training von Susanne Dickhaut auf die Knochen und auf die Wirbelsäule.

Das Programm im Überblick

Sonntag, 4. Juli, Montag, 5. Juli: Zero Dance Theatre (NL), The Divine Comedy, Tor 6 TheaterhausDienstag, 6. Juli: Urban Stylez Event Showcases, After Party, Dans-Art TheaterDonnerstag, 8. Juli: Tanzcompagnie Gießen, Stadttheater Gießen, Auftaucher, Tor 6 TheaterhausFreitag, 9. Juli: Urban Stylez Event, Battles und Jam, Dans-Art TheaterSamstag, 10. Juli: Tanzfestival-Party Open-Air, RathausplatzDienstag, 13. Juli: Dancers from Bucharest National Opera, Various Duos, Jennifer Blasek, Barcarolle Two, Tor 6 TheaterhausMittwoch, 14. Juli: Tanzwerke Vanek Preuß, Impossible Flight, Dans-Art TheaterDonnerstag, 15. Juli: Cie Nadine Gerspacher, The Age of Aquarium, Tor 6 TheaterhausFreitag, 16. Juli: Belén Cabanes und Andreas Maria Germek, La Castañuela Contemporánea, Dans-Art TheaterSamstag, 17. Juli: Finale des Tanzfestivals, Abschlusspräsentation der Teilnehmer und Dozenten, Rudolf-Oetker-Halle

Auch 2021 erweitert ein inklusiver Workshop für Menschen mit und ohne körperliche und geistige Besonderheiten das Kursprogramm. Das international gefragte Dozentinnen-Team Gerda König und Gitta Roser leitet den fähigkeitsgemischten Kurs „Mixed-Abled“. „In meiner Arbeit mit Tänzerinnen und Tänzern, die nicht den üblichen gesellschaftlichen Maßstäben ästhetischer Normen entsprechen, bin ich selbst immer wieder beeindruckt von der Schönheit und der Perfektion ihrer einzigartigen Bewegungen“, sagt Gerda König dazu. Der Kursus richtet sich auch an Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in ihrem Berufsfeld das Thema „Mixed-Abled“ einbeziehen möchten.

Nach einer ersten Festivalwoche intensiven Trainings werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu aufgerufen, die erworbenen Kenntnisse am 10. Juli auf dem Rathausplatz unter freiem Himmel zu präsentieren. Denn Tanz bedeutet nicht nur die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlslagen, sondern auch Ausdruck von Botschaften an die Außenwelt. Die Open-Air-Veranstaltung ermöglicht eine Kommunikation mit dem Publikum und schafft ein Gemeinschaftsgefühl, welches stark macht, um Barrieren zu überwinden.

Außergewöhnlicher Facettenreichtum

„Ich war ganz überrascht, wie die Ostwestfalen aus sich herausgegangen sind. Wir haben die ganze Nacht getanzt“, kommentierte dies einmal eine Teilnehmerin aus Berlin. Das große Finale am Ende des zweiwöchigen Workshop-Programms wird am 17. Juli in der Rudolf-Oetker-Halle in Form einer rauschenden Abschlusspräsentation gefeiert.

Das Performance-Programm besticht mit seinem außergewöhnlichen Facettenreichtum. Jede Performance widmet sich einer andere Gefühls- und Erfahrungswelt. Die Sehnsucht nach zwischenmenschlichem Kontakt ist im Stück „Auftaucher“ der Tanzkompanie Gießen das zentrales Thema. Emotionale Vorgänge werden zu einem stillen Dialog zwischen Tänzern und Publikum.

An die Stelle der im vergangenen Jahr geplanten Solo-Performance von Seydou Boro treten die Tänzerinnen und Tänzer der Tanzwerke Vanek Preuß. Sie schienen das Motto dieses Jahres mit ihrem Stück „Impossible Flight“, uraufgeführt im Januar 2020 in Bonn, bereits vorausgeahnt zu haben. Die Kompanie für zeitgenössischen Tanz setzt einen starken Akzent auf die aktuellen Auseinandersetzungen, auch auf die Ungewissheiten der damit verbundenen Gefühlslagen.

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