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Bielefelder Ortsverband des Kinderschutzbundes ist seit 50 Jahren Problemlöser und Ideengeber

Wo man als Schulpate einfach mitmacht

Bielefeld (WB). »Kinder brauchen Schutz«, sagt Moderatorin Eva Gertz. An dieser »schlechten Nachricht« hat sich in fünf Jahrzehnten nichts geändert. Die Betreuung der Familien und Alleinerziehenden mit Kindern aber fordert immer mehr Einsatz. Seit 50 Jahren ist dies das Herzensanliegen des Kinderschutzbundes.

Michael Diekmann

Haben viele Ziele, suchen Spender und Mitstreiter: vorn die Paten Julian Brodbeck und Johannes Davi, dahinter Elvira Hübert, Stephanie Delius, Maria Trüggelmann, Heidrun Macha-Krau, Johanna Rentel-Dammann und Dorothee Redeker. Foto: Michael Diekmann

Wenn der Bielefelder Ortsverband des Kinderschutzbundes in der kommenden Woche den 50. Geburtstag feiert, kann die Vorsitzende Heidrun Macha-Krau eine herausragende Erfolgsbilanz präsentieren. Die Bielefelder betreuen aktuell 19 Projekte, agieren mit acht ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern und zehn Fachkräften.

Während die Zahl der Mitglieder mit 270 leicht rückläufig ist, stehen dem Team an der Ernst-Rein-Straße 180 Ehrenamtliche zur Verfügung, leisten 19.000 Stunden zum Wohl von Kindern, Alleinerziehenden und Familien in Krisensituationen. Die Art des Krisenfalls hat sich in fünf Jahrzehnten erheblich verändert.

Der Rückblick offenbart ein Spiegelbild der sich stetig wandelnden Gesellschaft. Sicher sind die Verantwortlichen, dass sie mit ihren Lösungsansätzen zumeist weit vorn lagen, manchmal sogar Pilotprojekte mit später weitreichenden Nachahmern bundesweit anschoben.

Entschluss von Maja Oetker

Eigentlicher Glücksfall für die Bielefelder Sektion des 1954 in Hamburg gegründeten Kinderschutzbundes war wohl der Entschluss von Maja Oetker 1969, sich ehrenamtlich zu engagieren. Der 1956 gegründete kleine Ortsverband war nach dem Ende des Themas Ungarnhilfe fast zum Erliegen gekommen, da erfolgte am 10. April 1969 die Neugründung. Brennpunkte waren Notunterkünfte, wo Geflüchtete und zugewanderte Familien erste Bleiben fanden.

Die erste Spielstube entstand am Strebkamp, es gab ab 1970 den Familiennotdienst. Die 35 Ehrenamtlichen kamen schnell an ihre Grenzen, schon Anfang der 1970er Jahre gab es die erste hauptamtliche Mitarbeiterin.

Die Auswirkung von digitalen Medien auf die Entwicklung von Kindern ist heute Thema des Fachtags zum Jubiläum am 20. April. Da sei es, sagt Vorsitzende Heidrun Macha-Krau schmunzelnd, fast unvorstellbar, wie man anfangs mit dem Verkauf von mehr als 30.000 Weihnachtskarten den finanziellen Grundstock der Vereinsarbeit legen konnte.

Frühwarnsysteme entwickelt

Die Bilanz des Vorstandes zeigt heute, dass die Bielefelder stets ganz dicht an den Themen und den Brennpunkten waren und in jedem Jahrzehnt entscheidende Projekte zu Kooperationen und interdisziplinären Bemühungen zum Wohle der Kinder und Familien entwickeln konnten. Man schuf Krankenhauspaten, bereits ab 1977 Schulpaten und ein erstes Jugendtelefon auf sechs Privatanschlüssen von Mitgliedern. Mit »Briefen zum Thema Kinderschutz« erreichte man über Arztpraxen die Familien, ab 1981 gab es erste Mutter-Kind-Gruppen.

Wo in den 1950er Jahren noch der Aspekt der Wohlfahrtspflege mitspielte und man ein Auge auf körperliche Züchtigung von Kindern hatte, wurde mit dem gesellschaftlichen Wandel der Blick auf die vielfältigen Alltagsprobleme im Umfeld des Kindes immer wichtiger. Alleinerziehende oder Menschen in Trennung und Scheidung brauchen Hilfe in der Kommunikation mit dem Kind oder dem Ex-Partner.

Der »begleitete Umgang« ist seit 1999 ein wichtiger Baustein. Man hat Frühwarnsysteme entwickelt, Schulungsangebote, bietet vielfältige Beratung.

Interesse am Ehrenamt

Die Erfolgsgeschichte der Gegenwart sind aber die Paten. Sie springen, erzählt Elvira Hübert, oftmals dort ein, wo Alleinerziehende kleine Freiräume im Alltag benötigen, die bei allem Anspruch auf finanzielle Hilfen und Kitaplatz unerfüllt blieben. Julian Brodbeck (27) und Johannes Davi (23) studieren in Bielefeld, sind einen Tag in der Woche am Nachmittag der große Bruder für einen Jungen, kümmern sich um Freizeit, Kino, Schulaufgaben auf freundschaftlicher Ebene. »Wir profitieren beide davon«, sagt Brodbeck.

Das Interesse am Ehrenamt ist groß, weiß man beim Kinderschutzbund. »Viele Berufstätige interessieren sich auch dafür«, freut sich Dorothee Redeker. Das passt, weil immer häufiger Hilfe am Wochenende nötig ist.

Zum Fachtag am Mittwoch, 20. Februar, erwartet der Kinderschutzbund mit Dr. Klaus Hurrelmann und Dr. Florian Rehbein gleich zwei hochkarätige Referenten.

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