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Prozess vor dem Schwurgericht nach Angriff im Bielefelder Hauptbahnhof

Wollte Frau Sicherheitsmann töten?

Bielefeld

Eine ehemalige Studentin (39) der Uni Bielefeld soll versucht haben, im hiesigen Hauptbahnhof einen Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) Sicherheit umzubringen. Die Staatsanwaltschaft hat die Frau wegen versuchten Totschlags angeklagt.

Jens Heinze

Der Hauptbahnhof in Bielefeld. Foto: Thomas F. Starke

Kommenden Dienstag, 2. März, beginnt am Landgericht Bielefeld der Prozess gegen die aus Gütersloh stammende 39-Jährige. An zwei Verhandlungstagen wollen die Richter eines Schwurgerichts (10. Große Strafkammer) klären, ob die Angeklagte den 49-jährigen Sicherheitsmann an Gleis 2 im Hauptbahnhof Bielefeld vor einen einfahrenden Zug stoßen wollte. Das Urteil wird bereits für Donnerstag nächster Woche erwartet.

Wie die ermittelnde Staatsanwältin Claudia Bosse in ihrer Anklage darlegt, geschah die Tat am 2. November 2019 um kurz nach 19 Uhr. Die Ex-Studentin sei bekannt als Schwarzfahrerin und habe im Hauptbahnhof bereits Hausverbot gehabt, sagte die Staatsanwältin. Trotzdem kreuzte die 39-Jährige wieder an den Gleisen auf. Das sah eine Doppelstreife der DB Sicherheit und stellte die Gütersloherin zur Rede.

Die flippte offenbar völlig aus, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Mit den Worten „Ich bringe dich um!“ und „Ich schmeiße dich ins Gleis!“ soll die Frau auf den 49-jährigen Sicherheitsmitarbeiter losgegangen sein. Dabei soll die Angeklagte versucht haben, den Mann, der mit dem Rücken etwa einen Meter vor den Gleisen stand, vor die Brust zu stoßen, damit er vor einen gerade einfahrenden Zug stürzt. Der 49-Jährige konnte ausweichen und die Ex-Studentin mit seinem Kollegen (24) überwältigen.

Angeklagte ist bereits bei der Justiz bekannt

Die Angeklagte, die nach Angaben der Justiz wegen diverser Verstöße gegen die Hausordnung den Hauptbahnhof Bielefeld nicht mehr betreten durfte, soll im Bahnhofsviertel als Flaschensammlerin bekannt sein. Bei den Amtsgerichten Bielefeld und Herford ist die Frau bereits aktenkundig. „Sie wurde wegen Beleidigung und Hausfriedensbruch drei Mal zu Geldstrafen verurteilt“, sagte Landgerichtssprecher Guiskard Eisenberg auf Anfrage.

Das Angriffsopfer und die Angeklagte kannten sich. „Die 39-Jährige soll mit dem Sicherheitsmitarbeiter der Bahn schon länger im Clinch gelegen haben“, sagte die Staatsanwältin.

Ob die Frau, wie angeklagt, wegen eines versuchten Tötungsdeliktes verurteilt wird, wird wesentlich vom Gutachten eines Psychiaters abhängen. Staatsanwältin Claudia Bosse schließt nicht aus, dass die 39-Jährige zur Tatzeit vermindert schuldfähig war. Eventuell könnte sie sich in einer psychischen Ausnahmelage befunden haben.

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