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Bielefelderinnen Leonie Benesch und Aylin Tezel spielen am Freitag in ARD-Auswanderer-Epos mit

Zeitreise in das Amerika der 20er Jahre

Bielefeld (WB). Sie sind seit Jahren befreundet, gehören zu den gefragtesten jungen deutschen Schauspielerinnen – und stammen beide aus Bielefeld. Leonie Benesch (28) und Aylin Tezel (36) standen jetzt erstmals gemeinsam vor der Kamera – für das Auswanderer-Epos „Der Club der singenden Metzger“. Die ARD zeigt den dreistündigen Film am Freitag, 27. Dezember, um 20.15 Uhr.

Stefan Biestmann

Geballte Bielefelder Frauen-Power: Leonie Benesch (links) und Aylin Tezel spielen die tragenden weiblichen Rollen in dem Film „Der Club der singenden Metzger“, der am Freitag im Ersten läuft. Die Bielefelderinnen sind seit fünf Jahren auch privat befreundet. Foto: ARD Degeto

Aylin Tezel und Leonie Benesch lernten sich nicht in Bielefeld, sondern in London kennen. „Ich war damals in London im ersten Jahr auf der Schauspielschule. Aylin war zu Besuch bei einem gemeinsamen Freund und der hat uns einander vorgestellt“, erinnert sich Leonie Benesch. Das Casting in Berlin absolvierten sie dann gemeinsam.

„In Kroatien, wo wir drei Monate lang den Film drehten, haben wir uns eine Wohnung geteilt und haben uns gefühlt, als wären wir zusammen im Urlaub“, berichtet Aylin Tezel. „Für uns war es eine große Freude, zusammenspielen zu dürfen – und dann auch noch im Film Freundinnen zu spielen.“

Regisseur Uli Edel führte Regie. Doris Dörrie („Männer“) verfasste mit Ruth Stadler das Drehbuch. Der Film ist eine Zeitreise in das Amerika der 1920er – ein Drama vor dem Hintergrund der deutsch-amerikanischen Auswanderergeschichte.

Erneut tragende Rolle in historischem Film

Dass Leonie Benesch eine tragende Rolle in einem historischen Film übernimmt, ist keine Überraschung. Schließlich wirkte sie schon im Kinofilm „Das weiße Band“ mit und spielt aktuell auch in der dritten Staffel der Erfolgsserie Serie „Babylon Berlin“ mit. „Irgendwie scheint man mein Gesicht seit ‚Das weiße Band‘ vor 1960 eingeordnet zu haben“, berichtet die in Bielefeld aufgewachsene Leonie Benesch. „Ich beschwere mich aber nicht, solange die Geschichten und Figuren erzählenswert sind.“

Erzählenswert ist die Geschichte der von Leonie Benesch verkörperten schwangeren Eva in jedem Fall. „Eva ist mutig, aufopferungsbereit und geduldig“, berichtet sie. „Sie ist eher die klassische, um nicht zu sagen veraltete Frauenfigur. Sie fügt sich, stellt ihre Bedürfnisse ohne Wenn und Aber hinten an und macht das Beste aus jeder gegebenen Situation.“

Und die Situation ist ohne Zweifel schwierig. Der schwäbische Metzgermeister Fidelis Waldvogel (Jonas Nay) hat nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg im elterlichen Betrieb keinen Platz mehr. Er wandert nach North Dakota aus. Damit will er sich und Eva, der Verlobten seines im Krieg gefallenen Freundes, ein besseres Leben ermöglichen. Dort trifft das Duo auf die Zirkusartistin Delphine (Aylin Tezel). Die Hamburgerin ist mit ihrem Vater, einem Clown, in die USA ausgewandert.

„Gute Vorkenntnisse durch Training an der Bielefelder Tanzschule Partss“

„Delphine ist eine stille Träumerin, die ihre Sehnsüchte für sich behält“, berichtet Aylin Tezel. „Sie muss auf ihren alkoholkranken Vater aufpassen. Delphine sehnt sich nach einem echten Zuhause und hofft darauf, es im fremden Amerika zu finden.“ Dabei entwickelt sich auch die Freundschaft zu Eva – und die Zuneigung zu Waldvogel.

Und wie hat sich Aylin Tezel auf die Rolle als Zirkusartistin vorbereitet? „Ich hatte gute Vorkenntnisse durch mein jahrelanges Training an der Bielefelder Tanzschule Partss. Aber es gab viele Kunststücke, die ich speziell für die Rolle von Profiartisten lernen musste.“

Weniger artistisch musste sich Leonie Benesch auf ihre Rolle als schwäbische Frau vorbereiten. „Ich habe viel Schwäbisch geschwätzt“, sagt die frühere Schülerin der Rudolf-Steiner-Schule in Schildesche.

„Besinnlicher Film, der wunderbar in die Weihnachtszeit passt.“

Beide Bielefelderinnen eint, dass sie das Thema Auswanderung reizte. „Es ist ein sehr aktuelles Thema. So viele Menschen müssen in diesen Zeiten ihre Heimat verlassen, aus wirtschaftlicher Not oder aus schierem Überlebenszwang, weil ihr Leben und das Leben ihrer Kinder in Gefahr ist, aufgrund von politischer Verfolgung“, berichtet Aylin Tezel. Und Leonie Benesch kritisiert: „Man schreit heute sofort ‚Wirtschaftsflüchtlinge sollen bleiben, wo sie herkommen!‘ Man lässt aber außer acht, dass unsere eigenen Vorfahren vor nicht allzu langer Zeit auswandern mussten, um ihre Familien zu ernähren.“

Das Einschalten des Films am Freitag lohne sich in jedem Fall, meint Aylin Tezel. „Es ist auch eine Geschichte über Freundschaft, Sehnsüchte und Liebe. Der Film trägt einen durch ein fantastisches Szenenbild und eine liebevolle Kamera mühelos ins Amerika der 20er Jahre“, sagt sie. „Und es ist auch ein besinnlicher Film, der wunderbar in die Weihnachtszeit passt.“

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