1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Zukunftsroulette und Haussegen-Waage

  8. >

Ausstellung im Bauernhausmuseum beleuchtet das Phänomen Eigenheim

Zukunftsroulette und Haussegen-Waage

Bielefeld (WB). Wohnen zur Miete oder doch lieber jahrzehntelang für den Traum vom Eigenheim abzahlen. Leben auf dem Land oder mitten in der Stadt? Um die viel beschriebenen eigenen vier Wände geht es in der neuen Ausstellung im Bauernhausmuseum, die am Sonntag um 11.30 Uhr eröffnet wird. Im Fokus steht dabei das Einfamilienhaus.

Kerstin Sewöster

Museumspädagogin Anke Bechauf und Museumsleiter Dr. Lutz Volmer probieren eine der vier Spielstationen aus. Die Ausstellung „Vier Wände – Hier spielt das Leben“ bietet reichlich Informationen zum Thema Einfamilienhaus und viel Spaß. Foto: Bernhard Pierel

Geschichte des Einfamilienhauses in Bielefeld

Museumsleiter Dr. Lutz Volmer hat zum Thema in Bielefeld recherchiert und die Ausstellung, die das Ergebnis eines mehrjährigen interdisziplinären Forschungsprojektes unter Federführung der bauhistorischen Abteilung des Museumsdorfes Cloppenburg ist, mit Informationen aus der Heimat ergänzt. Dabei spannt er den Bogen von Einfamilienhäusern im ländlichen Raum, die noch mehrere Generationen bewohnten, über die „ersten echten Einfamilienhäuser“, gedacht als Kleinhäuser für Arbeiter wie die Siedlung Vogeldorf in Bethel oder zum Beispiel den „Haustyp Großdornberg“, der in den 1920er Jahren entstand, bis hin zum „langen Weg zum Bungalow“ und den großzügigen Einfamilienhäusern aus den 1970/80er Jahren.

Vier Spielstationen zum Thema

Es gibt viel zu lesen in der Ausstellung, die bis zum 2. April zu sehen ist. So werden die Kosten für Betrieb, Wartung und Instandhaltung eines durchschnittlichen Einfamilienhauses für den Zeitraum von 80 Jahren mit 1.2 Millionen Euro angegeben. Häuslebauer zahlen für den Traum vom Eigenheim im Schnitt 242.000 Euro und sind bereit, dafür 188.200 Euro (78 Prozent) als Darlehen aufzunehmen. Die Wohnfläche pro Person hat sich seit 1985 um 35 Prozent erhöht, bei gleichzeitiger Zunahme der Haushalte mit nur ein bis zwei Personen. Die machten vor 30 Jahren bundesweit zwei Drittel aller Haushalte aus; heute sind es 75 Prozent.

Beleuchtet wird aber auch das Innenleben und die Frage, wie in den Häusern gewohnt wird. „Vier Wände – hier spielt das Leben“ titelt denn auch die Ausstellung, und ‘spielt’ ist durchaus wörtlich zu nehmen. Vier Stationen laden dazu ein, sich dem Thema unkonventionell zu nähern. Ums familiäre Zeitmanagement geht es bei der Haussegen-Waage, auf die jedes Familienmitglied Steine mit Begriffen legen kann. Dabei kollidiert schon mal die Verteilung häuslicher Aufgaben mit der Freizeitgestaltung.

Dabattiertisch und „Platz versenkt“

Angelehnt an das Spiel „Schiffe versenken“ ist die Station „Platz versenkt“. Mehr als 10.000 Dinge finden sich im durchschnittlichen Einfamilienhaushalt an. Um Platz zu schaffen, können zwei Spieler auf dem Spielbrett Karten mit Begriffen wie Thermomix oder die Planschbecken versenken/entsorgen. Museumsleiter Lutz Volmer und Museumspädagogin Anke Bechauf laden ausdrücklich auch Familien zum Ausstellungsbesuch, weisen aber auch darauf hin, dass sich coronabedingt nicht mehr als 17 Besucher gleichzeitig in dem Raum aufhalten dürfen.

Das Für und Wider eines Einfamilienhauses kann am Debattiertisch erörtert werden. Karten geben Argumentationshilfen und dazu können die Spieler noch wählen, ob sie sich lieber auf sachlicher Ebene oder doch beleidigend mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Der Spaß kommt auch am beim Zukunftsroulette nicht zu kurz. Die spielbare Infografik klärt auf über klassische, aber auch innovative Wohnmodelle wie das Hometel, gibt aber auch Ausblick in die Zukunft: Wie wohnt es sich in einem Mars-Iglu oder zum Beispiel in einem Waterscraper.

Die Ausstellung gebe keine Antworten, sondern solle zum Nachdenken anregen, meint dazu Museumsleiter Volmer. Und Spaß macht sie zudem.

Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie am Wochenende von 11 bis 18 Uhr. Eine Führung gibt es am Sonntag, 22. November (nur mit Anmeldung).

Startseite