Bielefelder Kosmetikerin kann Ungleichbehandlung nicht verstehen und beklagt unnötige Subventionierung

Zum Nichtstun verdammt

Bielefeld

Es ist für Astrid Zimmermann gar keine Frage: Das Coronavirus ist alles andere als harmlos, und um die Pandemie einzudämmen sind Maßnahmen erforderlich. Allerdings: Die Logik dieser Maßnahmen erschließt sich der 54-Jährigen nicht in jedem Fall.

Sabine Schulze

Astrid Zimmermann muss häufig die Hände in den Schoß legen: Ausschließlich Fußpflege darf sie anbieten. Nicht ganz nachvollziehbar, findet sie – zumal die Hygienestandards bei ihr und in ihrer Branche hoch seien. Foto: Bernhard Pierel

Astrid Zimmermann betreibt seit fast 20 Jahren in der Obernstraße den Kosmetiksalon „Beauty & Feets“. Und ihr liegt daran, für die Schönheitsbranche, die heftig Corona-gebeutelt ist, eine Lanze zu brechen. „Ich gönne den Friseuren ihr Geschäft. Aber warum sie zum Beispiel rasieren dürfen – wobei der Kunde ja nun keine Maske trägt –, wir aber nicht einmal Unterschenkel enthaaren dürfen – mit mehr Abstand und Masken –, ist mir unbegreiflich.“

Der 54-Jährigen sind 60 Prozent ihres Umsatzes weggebrochen. Den Rest erzielt sie mit Fußpflege, die immerhin erlaubt ist mit Test oder für zweifach Geimpfte. „Bei Inzidenzen über 100 haben wir quasi ein Berufsverbot.“ Und das, kritisiert sie, komme den Steuerzahler teuer zu stehen, da Überbrückungshilfen fällig seien.

Astrid Zimmermann

„Wir müssten nicht in dem Maße subventioniert werden wie es aktuell der Fall ist“, es gebe vieles, was sie und ihre Kolleginnen machen könnten, betont Astrid Zimmermann: „Wir haben hohe Hygienestandards und höhere Auflagen als Friseure.“

Die Kosmetikerin hat den Eindruck, dass die Vorstellung vorherrsche, im Kosmetiksalon würden nur Creme und Make-up aufgetragen. „Seelsorgerische und pflegerische Tätigkeiten sind erlaubt, und das leisten wir auch“, sagt sie selbstbewusst. Die Bartentfernung von Transsexuellen etwa werde von der Krankenkasse bezahlt. „Aber darf ich sie vornehmen oder nicht?“ Handwerkskammer und das Gesundheitsministerium in Düsseldorf hätten ihr beschieden, dass das medizinisch notwendig sei, schriftlich wollte ihr das aber niemand geben. Und eine Antwort vom Ordnungsamt auf ihre Anfrage per Mail hat sie noch nicht bekommen.

Das Gleiche gilt für die Behandlung von Akne. „Auch die ist medizinisch notwendig, um ein Aufblühen zu verhindern. Und das hat ganz viel mit Wohlbefinden zu tun. Aber ich bin unsicher und habe Angst, dass ich ein Bußgeld kassiere.“

Eine Kollegin – nicht in Bielefeld – berichtete, dass sie eine krebskranke Frau, die mit ärztlichem Attest kam und Augenbrauen tätowiert haben wollte, wegschicken musste. „In einer Arztpraxis dürfte die Behandlung vorgenommen werden...“ Genauso wie es Unternehmen gäbe, die auf Haarentfernung spezialisiert seien und diese vornehmen dürften, während den Kosmetiksalons das untersagt sei. „Da läuft manches unrund“, findet Astrid Zimmermann und hofft, dass sie und ihre Kolleginnen wieder etwas mehr Spielraum bekommen.

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