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Bewertung in der Wohnlagekarte kann Mietern Mehrkosten bescheren

»Zuschläge sind rechtens«

Bielefeld (WB). Zum ersten Mal hat die Stadt in diesem Jahr nicht nur Mietspiegel und Bodenrichtwerte veröffentlicht, sondern auch die sogenannte Wohnlagenkarte . Die Folge: Vermieter erheben – gesetzlich zulässige – Zuschläge von bis zu 48 Cent pro Quadratmeter.

Burgit Hörttrich

In der Siedlung Wellensiek unmittelbar am Hochschul-Campus werden Zuschläge wegen der Wohnlage erhoben. Foto: Thomas F. Starke

Betroffen davon seien, so Norbert Metzger, vor allem Mieter von »börsennotierten Wohnungsbauunternehmen«. Metzger ergänzt: »Die Vermieter machen damit von ihren rechtlichen Möglichkeiten Gebrauch.« Beschwerden kamen unter anderem aus dem Wellensiek.

Rainer Nuß, Vorsitzender des Gutachterausschusses der Stadt, betont, dass der Wellensiek auch schon in den Vorjahren als gute Wohnlage gegolten habe – nicht zuletzt wegen der Nähe zur Stadtbahn und zum Hochschulcampus. Die Wohnlagenkarte, die es schon in den Vorjahren gegeben habe, habe das so ausgewiesen. Dem Wohnungsunternehmen LEG sei das aber offenbar erst durch die explizite Veröffentlichung mit dem Mietspiegel aufgefallen.

»Keine Wohnungsmarktpolitik«

Jens Hagedorn (Bauamt) und Norbert Metzger weisen darauf hin, dass die Behörde keine Wohnungsmarktpolitik mache. Die Berechnung der sogenannten ortsüblichen Vergleichsmieten (und damit auch der Wohnlagenkarte) beruhe auf einer Datenbasis von 20.000 Wohnungen.

Die Partei »Die Linke« stellt heute in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses den Antrag, die Verknüpfung von Mietspiegel und Wohnlagenkarte aufzuheben, bezeichnet diese Verknüpfung als »nicht gesetzeskonform«. »Stimmt nicht«, sagt das Bauamt. Schließlich handele es sich um einen sogenannten qualifizierten Mietspiegel, der in Kooperation mit Verbänden und der Wohnungswirtschaft erstellt werde. Der Mietspiegel beschreibe die Wirklichkeit. Zu dieser Wirklichkeit gehöre dazu, dass die Mieten in fast allen Stadtbezirken angestiegen, die Nachfrage groß, das Angebot überschaubar seien. Die Steigerungsraten lägen bei zwischen fünf und 15 Prozent pro Quadratmeter und Monat.

Egon Strathoff, stellvertretender Vorsitzender des Gutachterausschusses ergänzt, dass die Wohnlage nichts mit der Qualität des Wohngebäudes zu tun habe. Wohnlagen beschrieben den »überwiegenden Charakter der Gebiete«.

Siegfriedplatz ist »heiß begehrt«

Dabei, so Hagedorn, gebe es Wohnlagen, die »schon immer« als gut oder sehr gut eingestuft worden seien. Dazu gehörten etwa das Johannistal, der Senner Hellweg, das Musikerviertel und, inzwischen auch, so Hagedorn, »heiß begehrt« der Bereich um den Siegfriedplatz. Pauschal, so Norbert Metzger, werde der Bielefelder Westen »besser eingeschätzt als der Osten«.

Es gebe keine »grundstücksscharfen Wohnlagen«, die Grundstückspreise könnten voneinander abweichen. Er versichert, der Mietspiegel und die Wohnlagenkarte wollten keinen Einfluss auf die Miethöhe nehmen: »Die richtet sich nach Angebot und Nachfrage.« Er ist sogar davon überzeugt, dass die Wohnlagenkarte »dämpfend« wirke: »Die Einschätzung der Bewohner über den Charakter ihres Viertels liegt häufig deutlich über der der tatsächlichen Wohnlage.« Knapp 70 Prozent der Bielefelder Wohngebiete stuft die Wohnlagenkarte als »normal« beziehungsweise »einfach« ein, 30 Prozent als gut bis sehr gut.

Gesetzlich erlaubte Zuschläge

Zuschläge sind gesetzlich erlaubt unter anderem eben bei einer guten Wohnlage (48 Cent pro Quadratmeter), bei Kleinwohnungen (20 bis unter 40 Quadratmeter, 1,41 Euro pro Quadratmeter).

Der Gutachterausschuss, eine Einrichtung des Landes, sei überzeugt davon, dass die Wohnlage auf die Miethöhe nur einen untergeordneten Einfluss habe, so Rainer Nuß. Der Mietspiegel gebe die »ortsübliche Vergleichsmiete« wieder und diene damit wie die Wohnlagenkarte auch der Orientierung. Gutachterausschuss und Bauamt seien schlicht »die Überbringer einer realistischen Botschaft«.

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