Wegen Corona 2020 sechs Prozent weniger Autoverkehr in Bielefeld – aber:

Zwei Tage und 16 Stunden im Stau

Bielefeld

Um sechs Prozent ging der Autoverkehr in Bielefeld im Corona-Jahr 2020 zurück. Das geht aus einer Analyse des niederländischen Navigationsgeräte-Anbieters und Geodaten-Spezialisten Tomtom hervor. Das Überlastungsniveau auf Bielefelds Straßen sank lediglich um einen Prozentpunkt auf 17 Prozent.

Michael Schläger

So war die Verkehrslage Dienstag Vormittag in Bielefeld: Grün steht für freie Fahrt, etwa auf dem Ostwestfalendamm. Auf der A2 Richtung Dortmund kam es kurz vor der Ausfahrt Bielefeld-Ost zu einem kleinen Stau, erkennbar an der orange-roten Einfärbung. Foto: Tom Tom

Gut, dass wir nicht in Moskau leben. Die russische Hauptstadt ist nach den Tomtom-Erhebungen weltweit die Stau-Hauptstadt Nummer eins. Bielefeld steht in dem Vergleich von 417 Städten auf Rang 285. Der gleiche Rang wie im Vorjahr. Unteres Mittelfeld, eher weniger staulastig.

Aber dennoch: Nach der Auswertung der Verkehrsdaten kommen die Tomtom-Experten zu dem Ergebnis, dass Autofahrer in Bielefeld übers Jahr zwei Tage und 16 Stunden im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr verlieren. Zwar neun Stunden weniger als 2019 und doch erstaunlich viel in einem Jahr, in dem eigentlich alles anders war als sonst.

20 Tage mit einem unterdurchschnittlichen Verkehrsaufkommen weist die Tomtom-Analyse aus. Sieben davon liegen im strengen Lockdown von März bis April vergangenen Jahres. Im jüngsten Lockdown fallen nur der erste und der zweite Weihnachtstag als besonders verkehrsarm auf. Sonst ist alles im Durchschnitt.

Wie überlastet waren Bielefelds Straße im Vergleich zum Jahr 2019? In der morgendlichen Rush Hour war im Lockdown-Monat April mit einer um 39 Prozent geringeren Überlastung deutlich weniger los auf den Straßen als im April des Vorjahres. Abends ging die Überlastungsrate sogar um 42 Prozent zurück. Einen Ausreißer nach oben gab es im August. Nach den Sommerferien stieg die morgendliche Überlastung im Vorjahresvergleich um 56 Prozent. Der verkehrsreichste Tag war nach den Tomtom-Daten der 8. Oktober 2020. Für Wege in der Stadt musste ein Drittel mehr Zeit eingeplant werden.

Dienstags sind die Straßen besonders voll

Mehr als 200.000 Fahrzeuge sind in Bielefeld registriert. Täglich kommen 80.000 Pendler in die Stadt, 40.000 verlassen sie. Tomtom rechnet aus, wie lange ein Fahrzeug von A nach B benötigt, wenn es keine Behinderungen gibt, und vergleicht dies mit real übermittelten Zeiten. So kommt das Überlastungs-Level zustande. Für einen gewöhnlich 30 Minuten langen Trip benötigt man in der morgendlichen Rush Hour in Bielefeld acht Minuten länger. Zum Trost: In Bangkok sind es 15,9 Minuten.

Tomtom hat auch ermittelt, wann Bielefelds Straßen durchschnittlich am vollsten sind. Das ist meist dienstags früh zwischen sieben und acht Uhr der Fall. Dienstags nachmittags ist es nicht viel anders. Freitags kommt man dagegen mit dem Auto am entspanntesten von und zur Arbeit.

Auch die Stadt Bielefeld ermittelt Verkehrsströme, bezogen auf konkrete Straßen. So sind an der Zählstelle Haller Weg im Januar 2020 noch 2,46 Millionen Fahrzeuge auf dem Ostwestfalendamm gezählt worden. Im März reduzierte sich die Zahl auf 1,94 Millionen, im April vergangenen Jahres sogar auf 1,53 Millionen.

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