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Performativer Spaziergang der Bielefelder Künstlerin Raphaela Kula

Zwischen Grau und Grün

Bielefeld

Samstagvormittag, 10 Uhr: Die Bielefelder Künstlerin und Performerin Raphaela Kula macht sich auf den Weg, den Stadtraum künstlerisch zu erobern und sich dort temporär zu verorten. Interventionen nennt sie ihre Stadtspaziergänge, bei denen sie den öffentlichen Raum auf seine Aufenthaltsmöglichkeiten abklopft. Diesmal führte sie ihr Weg vom Gelände des Carl-Severing-Berufskollegs in den angrenzenden Ravensberger Park. Ein Erfahrungsbericht:

Die Künstlerin Raphaela Kula verortet sich auf ihrem performativem Spaziergang zwischen Carl-Severing-Berufskolleg und Ravensberger Park. Foto: WBWB

„Das Gelände der Carl-Severing-Schule, der Zwischenraum zwischen Bleichstraße und Heeper Straße, sieht noch verlassener aus als sonst, einige abgebrochene Äste liegen herum – es ist kaum vorstellbar, dass hier normalerweise lebendiger Schulbetrieb herrscht. Eine Atmosphäre geschaffen wie für einen Italo-Western.

Ich, die Künstlerin, mache mich auf den Weg, zuerst ein Baum, etwas Lebendiges, Organisches, der lädt ein, dann schon der erste Bauschutt, Gitter, Absperrungen, Winkel, Geraden, Wände, Wege, Unkraut, Verdorrtes, Beete? Ich lehne mich an Gitter, Baumstämme, Hauswände, Geländer, stehe zwischen Brennnesseln, liege neben Zweigen, in Grün und Grau, auf und neben Bänken, es geht bergab, dann wieder hoch, verdorrtes Laub, eine Art Brücke, Efeu, Sand, Ameisen, Zigarettenkippen, ein Müllsack, eine Mulde.

Es pikst, es kratzt

Merkwürdiger Untergrund und über mir der Himmel mit schnellen Wolken, grüne Bäume, die Blätter rauschen und wirbeln, ein Pavillon. Ich blicke liegend von unten hoch in eine Holzdecke: Entspannend, Spinnweben, weich, denke ich. Es pikst, es kratzt, es ist hart und windig, es fühlt sich gut an. Fahrradständer, ein Auto, Glas, Eiben, eine geschützte Stelle, ich blicke auf eine entsorgte Topfpalme, wundere mich, wie lange die wohl schon liegt, da erschrecken mich zwei aufflatternde Tauben, die ich erschreckt habe, Gleichstand. Wenig beiläufige Passanten, einen habe ich vielleicht gestört, der wollte wohl Pause machen?

Ein verwirrender innerstädtischer Ort

Schon wieder Türen, Fenster, Eingänge, Verwinkeltes, dann schon der Blick auf den Beginn des Ravensberger Parks, ein dunkles Betonparkhaus. Eine Straße.

Ein verwirrender innerstädtischer Ort, eine Verlängerung des Parks, auch ein grünes Band, allerdings wenig einladend. Für das kurze Stück habe ich fast zwei Stunden gebraucht und sehe jetzt so lädiert aus, wie der Ort, eine Annäherung: Gleichstand.

Die beobachtenden Gäste der künstlerischen Intervention waren erstaunt über diesen Ort, zweien war er völlig unbekannt, obwohl sie gar nicht weit entfernt leben.“

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