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LWL hält am Vorhaben fest: Appartements für Menschen mit psychischen Be­einträchtigungen geplant

Bischofsteich: Bauprojekt startet 2023

Paderborn

Still und unberührt liegt sie da – die große Wiese an der Straße Am Bischofsteich. Vor zweieinhalb Jahren noch wurde über die künftige Nutzung des Filetstücks, auf dem ehemals die Domschule stand, heftig gestritten. Mit der Ruhe der vergangenen Monate ist es aber wohl bald vorbei.

Von Ingo Schmitz

Seit mehr als zweieinhalb Jahren ist schon Gras über das geplante Bauvorhaben am Bischofsteich Foto: Oliver Schwabe

Anfang nächsten Jahres will der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) mit dem Bauprojekt starten. Entstehen sollen Appartements für psychisch Kranke.

Gegen das Vorhaben hatte es Ende 2019 einen Sturm der Entrüstung gegeben. Anwohner des Bischofsteichs, aber auch der Nachbarstraßen Greitelerweg, Rolandsweg, Sander-Wietfeld-Ring und Tegelweg, waren bei einer Informationsveranstaltung im Dezember 2019 auf die Barrikaden gegangen. Ihre Sorge: In dem Gebäudekomplex könnten möglicherweise kriminelle Suchtkranke einziehen. Eine weitere Kritik richtete sich gegen eine Verdichtung der Bebauung. Statt eines Appartementkomplexes sollten besser Ein- oder Zweifamilienhäuser gebaut werden, lautete die Forderung. Auch die Verkehrsanbindung wurde problematisiert: Der Knotenpunkt im Bereich der Berufskollegs sei schon jetzt überlastet, räumte auch die Stadtverwaltung damals ein. Anwohner sammelten Unterschriften gegen das LWL-Projekt.

Der LWL warb massiv um Verständnis für die Betroffenen. Karl-Josef Feischen, Einrichtungsleiter des LWL-Wohnverbundes Paderborn, machte damals deutlich, dass das Angebot dringend benötigt werde.

Er stellte klar, dass es sich um Wohnraum für Menschen handele, die Hilfe benötigten und in der Regel arm seien. Es seien Betroffene mit Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder auch mit Suchterkrankungen, die dort ein selbstständiges Leben führen können – und zwar integriert in der Nachbarschaft, betonte er. Das Konzept sei erfolgreich. Schon jetzt gebe es im Goldgrund, an der Grünenbaumstraße und an der Detmolder Straße vergleichbare Projekte, wo die Bewohner völlig unauffällig lebten – bislang ohne Zwischenfälle.

Dass die Paderborner CDU bei der Kommunalwahl 2020 dort Stimmen einbüßte, soll eine Folge des geplanten Vorhabens gewesen sein, behaupten Kritiker.

Nach der massiven Kritik wurde die Planung überarbeitet. Die Gebäudehöhen wurden dem Umfeld angepasst, unter anderem dadurch schrumpfte die Zahl der Wohneinheiten von 50 auf 42 Wohnungen.

Bei elf Wohnungen soll es sich um barrierefreie, geförderte Wohnungen bzw. Einzelappartements handeln. Hinzu kommen ein Gemeinschaftsappartement sowie ein Servicebüro. „Durch technische und fachliche Unterstützung wird den Mietern das selbstständige Leben in der eigenen Wohnung ermöglicht“, erklärte Hannah Pöppelmann von der LWL-Pressestelle in Münster. Der LWL-Wohnverbund übernehme die ambulante Wohnbetreuung.

Für das Bauprojekt auf dem Gelände der ehemaligen Domschule laufe aktuell das Planungsverfahren – die Bauanträge seien im April gestellt worden. „Mit einem Baustart ist frühestens Anfang 2023 zu rechnen“, teilte der LWL auf Anfrage mit.

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