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Initiative der Bauern im Kreis Minden-Lübbecke: Blühstreifen am Ackerrand sorgen für Vielfalt – Flächen schützen helfen

„Bitte keine Blumen pflücken“

Rahden/Kreis Minden-Lübbecke

In den Ferien sind viele Menschen draußen. Die Farbenpracht am Ackerrand – manchen Menschen fällt sie auf.

Unter anderem findet sich Borretsch in den Blühstreifen und lockt die heimischen Insekten an. Foto: Landwirtschaftskammer

Die bunten Blühstreifen, von den heimischen Bauern im Kreis Minden-Lübbecke angelegt, sind Hingucker.

Aber nicht nur das: Sie sind vor allem beliebt bei Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und Co. „Blühendes Band schafft Vielfalt im Land“ heißt die Aktion der Landwirte in Westfalen-Lippe. „Zum dritten Mal wird sie im Mühlenkreis durchgeführt“, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke, Rainer Meyer.

Spaziergänger, Freizeitsportler und Naturfreunde können in der Nähe das umtriebige Summen und Brummen der zahlreichen Insekten hören und sehen. Sie fliegen von Blüte zu Blüte, sammeln Pollen und Nektar. „Es macht Spaß, das Gewimmel anzugucken“, unterstreicht der Landwir-tevorsitzende. „Wer die Feldränder weiterhin aufmerksam beobachtet, der wird die Blühbänder sich farblich wandeln sehen.“ Aktuell blühe es hauptsächlich weiß und blau-violett: Buchweizen (weiß), Borretsch (blau), Öllein (kleine blaue Blüten) und Phacelia Bienenfreund (blau-violett) sind die ersten Farbtupfer. Abgelöst werden sie nach und nach beispielsweise von Ringelblume, Malve und Sonnenblume.

Bei der Auswahl der Mischungen haben Biologen und Landwirte zusammengearbeitet. „Es wurde darauf geachtet, dass die Pflanzen zu unterschiedlichen Zeiten blühen“, sagt der Vorsitzende. Somit sei ein langer Blühzeitraum von Frühjahr bis Herbst gegeben. Der Blütenmix „Blühendes Band schafft Vielfalt im Land“ bestehe zum Beispiel aus insgesamt 16 einjährigen Blumen und Kräutern wie Sonnenblume, Ringelblume, Sommerwicke, Malve, Schmuckkörbchen, Phacelia, Öllein, Ölrettich, Buchweizen, Borretsch, Fenchel, Dill, Koriander und Rotklee.

Rainer Meyer

Außerdem ist das Saatgut so zusammengestellt, dass die blühenden Flächen Insekten und Wildtieren Nahrungsquelle, Lebensraum sowie Schutz bieten. Bodenbrüter finden Brutflächen, zahlreiche Vögel Samen und Wildtiere Rückzugsgebiete. „Darüber hinaus werden Lebensräume miteinander verbunden“, beschreibt der Vorsitzende eine weitere positive Auswirkung.

„Die meisten Blühstreifen sind drei Meter breit“, erzählt Meyer. „Die Landwirte verzichten bewusst und freiwillig auf einen Teil ihrer Ernte zugunsten der Insekten, Wildtiere und der Natur“, betont der Vorsitzende. „Es gibt viele freiwillige Aktionen und Maßnahmen der Bauern im Mühlenkreis.“

Das Engagement sei groß. So gebe es regional viele gemeinschaftliche Initiativen, etwa mit Imkern, Jägern oder auch Blüh-Patenschaften. Meyer stellt fest: „Vor allem durch die Freiwilligkeit – das heißt, alles geschieht ohne Bürokratie – ist der Zuspruch sehr groß.“ Die Landwirte freuen sich auch über andere Blühstreifen-Initiativen, beispielsweise in Stemwede-Dielingen.

Eine große Bitte hat der Vorsitzende: „Helfen Sie dabei, die Flächen zu schützen. Bitte betreten und befahren Sie nicht die blühenden Ackerränder. Das gleiche gilt für das Reiten und Blumenpflücken sowie Hunde-Ausführen.“

Die Ursachen für den Insektenrückgang sind vielfältig: Flächenfraß, Straßenverkehr, Mobilfunknetz, Lichtverschmutzung, Klimawandel oder die Monotonisierung von privaten und kommunalen Flächen. Auch die Landwirtschaft hat sich verändert. „Weil es weniger Bauern als früher gibt, sind Ackerflächen häufig zusammengelegt worden. Wo früher zwei Äcker waren, ist heute einer“, sagt der Vorsitzende. Somit seien die Hecken und Feldraine, die den Insekten als Lebensraum dienten, weniger geworden. „Deshalb legen wir Bauern jetzt Blühstreifen an“, bemerkt der Landwirt. „Da, wo die Ursachen in der Landwirtschaft zu finden sind, müssen wir uns verändern.“ Die Bauern seien dazu bereit.

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