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Nach langer Corona-Pause: Richie Arndt spielt in Herford auf dem Neuen Markt

Bluesrock aus dem Hiller Moor

Herford/Hille

Er habe nie als Baumwollpflücker gearbeitet, er habe auch nie Rassismus erlitten – und doch habe er den Blues. Richie Arndt kennt die Klischees, die die von ihm geliebte Musik begleiten. Den Vorwurf der fehlenden Glaubwürdigkeit zum Beispiel: Dass aber auch ein Mann aus Hille den Blues leben und performen kann, will er in Herford beweisen.

Von Hartmut Horstmann

Fürs Foto in den Garten: Die Bluesrocker Richie Arndt (Mitte), Sascha Oeing und Peter Weissbarth (rechts) geben 22. Juli in Herford ein Open-Air-Konzert. Foto: Manfred Pollert

Im Rahmen der Reihe „Mein Sommer, meine Stadt“ gelang es, den Bluesmusiker und seine beiden Mitstreiter für ein Konzert zu verpflichten. Es beginnt am 22. Juli um 20 Uhr auf dem Neuen Markt. Der Eintritt ist frei, die Kontakte liefen über den Verein Kulturbeutel. Auch wenn Richie Arndt bereits 16 CDs veröffentlicht und auf der Insel Fehmarn vor 15.000 Musikfans gespielt hat, ist das Herford-Konzert für ihn etwas Besonderes. Wegen Corona habe er mit seiner Band ein Jahr kein Konzert geben können, sagt er. Den Auftakt machte er in diesem Monat in Minden, in Herford hat er sein zweites Konzert nach langer Pause.

„Es war eine schwierige Zeit“, räumt Arndt ein. Doch als Lehrer musste er im Gegensatz zu hauptberuflichen Künstlern zumindest keine Existenzangst haben. Jetzt ist er im Ruhestand – sieht sich jedoch nicht als Rentner, sondern als Musiker: „So wie damals, bevor ich Lehrer geworden bin.“

Schon damals war es der Blues, der ihn faszinierte, zu dem er kam, als er anfing, Gitarre zu spielen. Angefixt worden sei er von Gitarristen wie Jimi Hendrix oder Rory Gallagher. Wie seine Vorbilder singt Richie Arndt in englischer Sprache. Die Texte handeln von den Themen, die auch im klassischen Blues vorkommen.

So hat der 63-Jährige eine CD veröffentlicht, in der es ausschließlich um „Train Stories“ geht. Das mit dem Zugfahren verbundene Fernweh kennt auch – oder gerade – jemand, der im dörflichen Hille wohnt. Und außerdem hat Arndt ja noch die Weite des Hiller Moores und den Mittellandkanal. In einem TV-Beitrag bedauerte er vor Jahren, er sei noch nie am Mississipi-Delta gewesen, fügte aber hinzu: „Ich habe ja den Kanal als kleinen Ersatz.“ Und das Moor erinnere an die Sümpfe.

Mittlerweile hat er seine Reise zu den Mississipi-Wurzeln des Blues nachgeholt – zudem hat Arndt als Musiker wichtige Auszeichnungen wie den German Blues Award erhalten. The Blues goes on.

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