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Verschiedene Baumaßnahmen in Delbrück – Investitionskosten betragen rund 685.000 Euro

Boker Kirche erhält ein neues Schieferdach

Delbrück

„Altdeutsche Doppeldeckung“ ist kein Rezept für Apfelkuchen, sondern eine spezielle Art der Dacheindeckung. St. Lan­dolinus, die im Kern romanische Pfarrkirche in Boke, hat solch ein schön gedecktes Dach.

Die Pfarrkirche St. Landolinus in Boke zählt zu den ältesten Kirchen in der Region. Die Schiefer-Dacheindeckung muss nun komplett erneuert werden.Die alte Dacheindeckung ist 61 Jahre alt. Viele Nägel, mit denen die Schieferplatten fixiert wurden, sind durchgerostet. Foto: Thöring Wortart

Das schon 1101 erstmals erwähnte Gotteshaus, das in der Denkmalliste als die „Mutterkirche des Delbrücker Landes“ bezeichnet wird, muss nun neu eingedeckt werden.

Bis zum Jahresende sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein. „Die Gottesdienste werden deshalb aber nicht beeinträchtig werden“, weiß Kirchenvorstand Hubert Schäfermeyer.

Die alten Schieferplatten auf dem Dach sind an vielen Stellen beschädigt, zum Teil fehlen sie sogar. Der Zahn der Zeit hat an dem Natur-Baustoff genagt. Er ist verwittert.

Dacheindeckung ist 61 Jahre alt

Die alte Dacheindeckung ist 61 Jahre alt. Viele Nägel, mit denen die Schieferplatten fixiert werden, sind durchgerostet. Damit das Bauwerk intakt bleibt, muss das Dach jetzt erneuert werden, teilt Schäfermeyer mit.

Zu diesem Zweck werden zunächst alle Schieferplatten abgenommen. „Dabei wird auch kontrolliert, ob die darunterliegende Nadelholzschalung noch in Ordnung ist, oder ob sie an manchen Stellen erneuert werden muss“, sagt Architekt Frank Kellner vom gleichnamigen Architekturbüro aus Delbrück, der die Sanierung begleitet.

„Die neuen Schieferplatten kommen – anders als die alten – nicht aus dem Sauerland. Denn in Spanien kann Schiefer im Tagebau gewonnen werden und weist zudem einen viel niedrigeren Kalkanteil aus, was die Lebensdauer des Materials erhöht“, erklärt Kellner.

Die Arbeiten haben mit der Einrüstung des Kirchturms begonnen

Mit der Einrüstung des Kirchturms begannen die Arbeiten bereits. „Das macht man so, damit das Gerüst nicht an einem gerade neu gedeckten Seiten- oder Querschiff befestigt werden muss“, so Kellner.

Für die Dachdecker beginnt dann ein großes Gewerk reiner Handarbeit. Schieferplatten werden für die altdeutsche Doppeldeckung von Hand auf Größe gerichtet und so angepasst, dass das Muster in Kehlen, Graten, Orten und Firsten genau auf die vorhandenen Maße aufgelegt werden kann.

Kirchendächer werden häufig auf diese Weise eingedeckt. Aber auch Residenzen und Burgen – wie etwa die Wartburg.

Der Wetterhahn auf St. Landolinus kommt in Quarantäne

Weil sich der Wetterhahn auf St. Landolinus nicht mehr dreht, kommt er bei dieser großangelegten Sanierung beim Kunstschmied in Quarantäne, wird ausgebessert und erhält einen Korrosionsschutz, damit auch er den nächsten Generationen die Windrichtung wieder korrekt anzeigt. Ob in der Turmkugel von der letzten Sanierung eine Nachricht, etwa eine alte Tageszeitung steckt, wird man dann auch feststellen.

Neben dem Dach werden auch Dachrinnen zumindest teilweise erneuert. Die aus mundgeblasenem Glas gearbeiteten Kirchenfenster werden gereinigt, die Verkittungen geprüft und die Eisenkonstruktionen entrostet und wieder konserviert.

Hubert Schäfermeyer: „Neben Trockenbau- und Malerarbeiten werden wir auch ein paar Elektroarbeiten, einen elektrischen Türöffner und Blitzschutzarbeiten beauftragen. Außerdem muss die Regenwassergrundleitung erneuert werden. Dann ist unsere schöne Kirche in so einem baulichen Zustand, dass sie als Denkmal fachgerecht gesichert ist.“

Die Baukosten belaufen sich auf etwa 685.000 Euro

Die Baukosten werden sich auf insgesamt etwa 685.000 Euro belaufen. Zehn Prozent der Bausumme trägt die Kirchengemeinde Boke, den Rest das Erzbistum Paderborn.

„Wer die von überwiegend heimischen Firmen ausgeführten Bauarbeiten unterstützen will, kann uns gerne mit einer Spende in die in der Kirche bereitgestellte Box unterstützen. Wer möchte, darf sich als kleines Andenken alte Schieferplatten mitnehmen, die wir bereitlegen werden“, sagt Schäfermeyer.

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