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Meeresbiologe Robert Marc Lehmann bringt mit Youtube-Aufruf die Wende

Borchener sammeln eine Million Stimmen für Haie

Borchen

Eine Million Stimmen für ein Anliegen zu sammeln, das einem wirklich am Herzen liegt, ist keine einfache Sache. Das hat der Borchener Hendrik Lüke in den vergangenen zwei Jahren erlebt.

Von Sonja Möller

Der Aufruf von Meeresbiologe Robert Marc Lehmann in seinem Youtube-Video hat den Umschwung gebracht. Statt 450.000 Unterschriften fehlen noch 82.000.

Der Borchener unterstützt mit der internationalen Hai- und Artenschutzorganisation Sharkproject eine europäische Bürgerinitiative, die ein Verbot des Handels mit Haifischflossen in der EU erreichen möchte. Um hierzu vor der EU-Kommission gehört zu werden, müssen mindestens eine Million EU-Bürger ihre Unterschrift abgeben. Stichtag ist der 31. Januar.

„Wir haben 550.000 Stimmen und noch 19 Tage Zeit. Eine Mammutaufgabe? Ja. Aufgeben? Auf keinen Fall“, gab sich Hendrik Lüke vor einer Woche kämpferisch. Doch die Hoffnung, in so kurzer Zeit 450.000 Stimmen zu sammeln, schwand auch bei dem 26-Jährigen: „Die Zahlen stagnierten. Ein Durchbruch war nicht in Sicht“, gibt er zu.

„Wir haben die Chance, wirklich etwas zu verändern“

Das hat sich fünf Tage später komplett geändert. Die europäische Bürgerinitiative „Stop finning – stop the trade“ hat einen prominenten Unterstützer hinzubekommen: Der Meeresbiologe, Autor und Vox-Naturbotschafter Robert Marc Lehmann hat in seinem 100. Youtube-Video alle anderen Youtuber dazu aufgefordert, die eine Million Stimmen für die Bürgerinitiative vollzumachen: „Es ist mir ein super wichtiges Anliegen. Haie brauchen eure Hilfe! Wir haben die Chance, wirklich etwas zu verändern. Es muss doch möglich sein, eine Millionen Unterschriften zu sammeln. Das ist schaffbar“, richtet er einen emotionalen Appell an seine Zuschauer.

Als Meeresbiologe weiß er um die Bedeutung von Haien für das Ökosystem Meer: „Sie spielen eine sehr wichtige Rolle im Ozean. Haie passen auf das größte Ökosystem der Welt auf und halten das Meer gesund. Und wenn man sie massiv umbringt, ist das ein Problem.“ In der EU sei es immer noch erlaubt, Haie zu fangen und deren Flossen zu handeln. Allein Spanien schlage pro Jahr eine Millionen Blauhaie um, schneide die Flossen ab und verschicke sie nach Asien. Beim Finning werden Haien bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten und ihre Körper wieder ins Wasser geworfen. Die Tiere sind bewegungsunfähig und verenden qualvoll, schildert Lehmann: „Ich möchte dem ein Ende setzen. Wir können wirklich etwas verändern.“

Werden die eine Million Stimmen erreicht, muss die Bürgerinitiative „Stop finning – stop the trade“ mit ihrem Anliegen vor der EU-Kommission gehört werden. „Dann müssen sie sich mit dem Thema befassen und sind ganz Europa eine Antwort schuldig“, wirbt Robert Marc Lehmann um Unterstützung.

„Spannender als ein Thriller“

Und seine Worte finden Gehör: Schon mehrere Youtuber sind aufgesprungen und fordern ihrerseits ihre Follower zur Unterstützung der Bürgerinitiative „Stop finning – stop the trade“ auf. „Es ist spannender als ein Thriller“, fasst Hendrik Lüke das zusammen, was sich seit Veröffentlichung von Lehmanns Video getan hat. Die Zahl der Unterstützer steigt täglich im fünfstelligen Bereich. Am vergangenen Montag hatten bereits 918.000 EU-Bürger unterschrieben. Und auf einmal scheint das Ziel zum Greifen nah, das vor nicht mal einer Woche noch fast unerreichbar schien.

Marvin Richter aus Borchen engagiert sich auch für den Schutz der Haie. Foto: Sharkproject.org

Übrigens ist Hendrik Lüke nicht der einzige Borchener, der sich für die europäische Bürgerinitiative einsetzt. Auch Marvin Richter engagiert sich bei der Organisation Sharkproject. „Ich bin im Grafikteam und habe mitgeholfen, die Heldenbilder zu erstellen“, erzählt der 25-jährige Mediengestalter, der durch Hendrik Lüke seine Faszination für Haie entdeckt hat: „Mir ist erstmal bewusst geworden, welche Rolle Haie im Ökosystem einnehmen und dass sie alles im Gleichgewicht halten“, erzählt der 25-Jährige: „Deswegen setze ich mich dafür ein, dass diese faszinierenden Tiere nicht wegen ihrer Flossen sterben müssen.“ Noch bis 31. Januar kann jeder EU-Bürger, der mindestens 18 Jahre ist, unterschreiben. Dies ist online möglich unter https://eci.ec.europa.eu/012/public/.

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