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Markus Bartsch-Mertens und Rainer Schultz stellen im Gewölbesaal des Bürgerhauses in Schloß Neuhaus aus

Bunte Farben und kaputte Kameras

Paderborn

Wenn ihm jemand eine alte Kamera mitbringt, sagt Markus Bartsch-Mertens: „Du musst damit leben, dass ich sie kaputtmache.“ Der Paderborner Künstler kombiniert aus nicht verwendeten oder verblitzten Polaroidnegativen und aus defekten Linsen oder Kameraverschlüssen Assemblagen im Maßstab 20 mal 20 Zentimeter.

Von Dietmar Kemper

Die Objektkästen von Markus Bartsch-Mertens (links) und die farbenfrohen Bilder von Rainer Schultz ergeben einen reizvollen Kontrast. Durch ihre unterschiedliche Größe verdrängen sie sich nicht, sondern ergänzen sich. Die Besucher der Doppelausstellung müssen schon genau hinsehen. Foto: Oliver Schwabe

So entstehen faszinierende Objektkästen – beispielsweise mit den bei Kunstfreunden beliebten Fischen, die er aus Sonnenbrillengläsern gestaltet. Mit seinem Freund Rainer Schultz (68) aus Schlangen stellt der 57-Jährige vom 24. Juli bis 15. August 120 Arbeiten im „Forum junger Künstler“ im Gewölbesaal des Bürgerhauses Schloß Neuhaus aus. Von Schultz sind 37 Bilder aus dem Zeitraum 2019 bis 2021 zu sehen, die Erinnerungen an Städtebesuche und die Liebe zum Laufen widerspiegeln oder auf denen er Landschaften entworfen hat. „Ich will mir nicht anmaßen, Natur zu kopieren“, sagt er.

Leuchtende Farben bevorzugt er auch deshalb, „weil sie auch das Gesicht aufhellen“. Rainer Schultz ist wie ein Buchleser, der gleich mehrere Schmöker auf seinem Nachttisch liegen hat. „Ich male drei Bilder zeitgleich, weil ich ein unruhiger Geist bin“, erzählt er. Wenn Ölgemälde länger trocken müssen, wartet er nicht einfach nur ab, sondern setzt den Pinsel auf einer anderen Leinwand neu an. Während Markus Bartsch-Mertens filigran arbeitet, bricht es bei Rainer Schultz manchmal aus ihm heraus und es entwickelt sich eine spontane Aktionsmalerei.

Die Doppelausstellung im 24 Meter langen und zehn Meter breiten Gewölbesaal sehen die beiden als Chance und weniger als Nachteil, dass sie sich die Aufmerksamkeit der Besucher teilen müssen. Sie vertrauen darauf, dass denen zwar zuerst die 70 mal 100 Zentimeter großen Gemälde ins Auge fallen, aber auch die kleineren Assemblagen direkt unter ihnen automatisch deren Neugier wecken werden. „Es wird für die Besucher nicht langweilig“, verspricht Markus Bartsch-Mertens, der das Altenzentrum Bethesda in Bad Salzuflen leitet und dem die Kunst dabei half, die Corona-Pandemie und das Leid alter Menschen zu verarbeiten.

Eröffnet wird die Ausstellung im Gewölbesaal am Freitag, 23. Juli, um 18 Uhr. Die Besucher werden gebeten, FFP2-Masken mitzubringen, die Wortbeiträge werden kurz ausfallen. Die Mischung aus Malerei und Assemblagen ist dann dienstags bis samstags von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

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