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83 Infektionen in Schloß Hamborn – Einrichtung wehrt sich gegen Spekulationen

Corona-Zahlen steigen weiter

Borchen

Das Infektionsgeschehen an der Rudolf-Steiner-Schule in Schloß Hamborn hat sich weiter zugespitzt. Wie die Einrichtung am Mittwoch mitteilte, sind mittlerweile 28 Beschäftigte sowie 55 Schülerinnen und Schüler mit dem Coronavirus infiziert. In diesem Zusammenhang weist Pressesprecher Jan Havelberg Vermutungen zurück, wonach die hohe Anzahl an Ansteckungen einen ideologischen Hintergrund habe.

In Schloß Hamborn befinden sich unter anderem eine Waldorfschule, ein Berufskolleg, ein Internat, ein Altenwerk und eine Foto: Schloß Hamborn

„Der jetzige Ausbruch wird unter anderem mit dem anthroposophischen Hintergrund der Einrichtung in Verbindung gebracht. Auch in überregionalen Medien wird derzeit die Anthroposophie beziehungsweise die Waldorfbewegung als zumindest teilweise verantwortlich für die geringe Impfquote und die damit ansteigende Inzidenz bezeichnet“, so Havelberg. Er betont, dass sich der Vorstand der Werkgemeinschaft Schloß Hamborn bereits im April dieses Jahres von Querdenkern, Skeptikern, Verschwörungserzählern und ähnlichen Leugnern beziehungsweise Kritikern der Corona-Krise und der vermeintlich überzogenen Corona-Maßnahmen deutlich distanziert habe.

Der Sprecher der Einrichtung räumt ein, dass es unzweifelhaft Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gebe die mit abseitigen Strömungen wie den Querdenkern, Verschwörungserzählern und der Partei Die Basis“ sympathisierten, jedoch teile die große Mehrheit der Beschäftigten aller Schloß Hamborner Einrichtungen diese Meinungen nicht und lehnten diese entschieden ab.

„Die rechtlichen wie auch die betrieblich getroffenen Regeln werden tagtäglich mit großen Anstrengungen umgesetzt. Auch die Impfquote entspricht nicht den (Vor-)Urteilen. In Schloß Hamborn liegt diese bei den Beschäftigten bei knapp 70 Prozent und damit in etwa im Durchschnitt der Bevölkerung“, so Jan Havelberg weiter.

Rudolf Steiner war gegen Pocken geimpft

Die Einrichtung unternehme momentan alles, um den Ausbruch einzudämmen. „Hierzu gehören neben den ohnehin geltenden gesetzlichen Regeln für alle Beschäftigten präventiv ausgerichtete Testkonzepte. So werden in allen Betrieben der Werkgemeinschaft Schloß Hamborn neben der täglichen Testung der Nicht-Immunisierten auch die Immunisierten alle zwei Tage mittels PoC-Tests getestet“, schildert Havelberg.

Seitens der Anthroposophischen Medizin werde die Corona-Impfung als wesentliche Maßnahme in der Pandemie-Bekämpfung gesehen. Vorstandsmitglied Gerd Bögeholz, zugleich Vorstandsmitglied des Dachverbands für Anthroposophische Medizin in Deutschland, betont den großen Beitrag Anthroposophischer Kliniken und Anthroposophischer Ärzte in der Pandemie-Bekämpfung. Alle dort tätigen Pflegenden und Mediziner wie Therapeuten seien bis zur Belastungsgrenze und darüber hinaus engagiert. Bögeholz: „So wirkt es respektlos und schmerzt schon sehr, wenn dieser Beitrag durch pauschale Urteile negiert wird.“

Gerd Bögeholz betont in dem Zusammenhang, dass Rudolf Steiner kein pauschaler Impfverweigerer und selbst gegen Pocken geimpft gewesen sei. „Er kann nicht als pauschaler Grund gegen eine Impfung oder für Verweigerungen aller Maßnahmen als Referenz genommen werden. Diese Haltung gilt auch innerhalb der Werkgemeinschaft Schloß Hamborn. Deshalb taugen auch Polemik und einfach gestrickte Antworten von außen nach dem Sündenbockprinzip nicht.“

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