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Mädchen in technischen Ausbildungsberufen bei Benteler in Paderborn – Auszubildende zeigen, wieso das passt

„Da sollte man nicht in Rollenbildern denken“

Paderborn

Technisches Interesse und handwerkliches Geschick sind bei der Ausbildung der Verfahrenstechnologen gefragt. Sie sind Spezialisten für die Einrichtung, Bedienung und Instandhaltung komplexer Fertigungsanlagen zur Metallverarbeitung. Sie gehen bei Störungen auf Fehlersuche und halten so die Produktion am Laufen.

Die Verfahrenstechnologinnen in Ausbildung Emily Law und Claudia Mazur (rechts) vor dem Aus- und Weiterbildungszentrum. Foto:

Claudia Mazur, Auszubildende Verfahrenstechnologin bei Benteler, wollte immer schon einen technischen Beruf erlernen. Mit ihrer Schulklasse konnte sie in einem dreiwöchigen Praktikum bei Benteler bereits erste Eindrücke gewinnen. „Wir haben im Ausbildungszentrum viele verschiedene Bereiche kennengelernt und unser Geschick in einer Teamaufgabe unter Beweis gestellt: In Gruppen wurden gewöhnliche Bobby-Cars so umfunktioniert, dass sie von Erwachsenen gefahren werden konnten“, berichtet Mazur. Schnell stand für die 18-Jährige fest: „Da möchte ich meine Ausbildung machen.“

Für Emily Law, ebenfalls Auszubildende Verfahrenstechnologin bei Benteler, stand diese technische Ausrichtung nicht so schnell fest. Erst die Teilnahme am Schubs-Programm (Schule und Betrieb am Samstag) bei Benteler habe sie davon überzeugt. Ähnlich wie bei einem Praktikum bekommen die Schüler erste Einblicke und können sich direkt mit Azubis und Ausbildern austauschen. „Das ist genau mein Ding“, sagt Emily Law. „Die gewonnenen Einblicke wie Grundkurse in Themen wie Pneumatik, Mechatronik, Schweißen, Metallbearbeitung oder auch Robotersteuerung helfen mir nun sogar in der Berufsschule weiter“, sagt sie.

Ihre 3,5-jährige Ausbildung zur Verfahrenstechnologin haben die beiden im August 2020 begonnen. Anfangs lernen die Azubis Grundlagen zur Metallverarbeitung, wie beispielsweise das Schweißen, Drehen, Fräsen und Bohren.

Für die Auszubildende Emily Law ist die Wahl einer technischen Ausbildung keine Frage des Geschlechts, sondern der Berufung. Foto: Benteler

Auch weitere Kurse, wie ein Kran- und Gabelstaplerführerschein oder Robotik-Kurse, bereiten auf den Einsatz in der Produktion vor. Emily Law: „Ich finde toll, dass die Ausbildung so vielfältig ist. Neben den Kursen haben wir auch viel Zeit für Projektarbeiten. In einem Projekt zur Metallverarbeitung konnten wir zum Beispiel ein Glücksrad bauen.“

Inzwischen sind die beiden Auszubildenden in das zweite Ausbildungsjahr gestartet. Claudia Mazur hat ihren ersten Einsatz im Werkzeugbau des Schweißrohrwerkes in Paderborn.“

Angst, sich in der Männerdomäne eines produzierenden Betriebes zu behaupten, haben die jungen Frauen nicht. Im Freundes- und Bekanntenkreis bekommen sie viel Anerkennung für ihre Berufswahl. Claudia Mazur hat überwiegend positive Erfahrungen gemacht: „Klar gibt es auch einige, die das nicht verstehen können. Aber die meisten finden es cool, dass wir uns in einem ‚Männerberuf‘ behaupten. Man sollte das machen, wozu man sich berufen fühlt.“ Emily Law ergänzt: „Ja, da sollte man nicht in Rollenbildern denken. Natürlich schaffen das auch Mädchen.“

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