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Hövelhofer Modellbauer Willi Reddeker fertigt Traktoren, die dem Original in nichts nachstehen

Da würde selbst Claas staunen

Hövelhof

Willi Reddeker fasziniert die Größe im Kleinen. Der 82-jährige Hövelhofer ist seit rund sieben Jahrzehnten ein passionierter Modellbauer. Sein Herz hängt an Modellen im Maßstab 1:8, die unter Modellbauern auch als Königsklasse gehandelt wird.

Mit viel Fingerspitzengefühl hat Willi Reddeker einen Fahr D 180 H im Maßstab 1:8 nachgebaut. Das Original wurde von 1954 bis 1959 gebaut. Noch ist das Modell nicht ganz fertig gestellt, die für diesen Fahr-Trecker typische feuerwehrrote Lackierung fehlt noch. Foto: Axel Langer

Und so sind in seiner rund 20 Quadratmeter großen Kellerwerkstatt schon so manch schwergewichtige Werkstücke entstanden, die den Betrachter sofort durch ihren Detailreichtum in ihren Bann ziehen. Einen Teil seiner Sammlung zeigt der rüstige Senior an diesem Sonntag beim Maibaum- und Radelfest.

In der mit Drehbank und Fräsmaschine professionell ausgestatteten Werkstatt fällt der Blick sofort auf einen Schlepper aus dem Hause Claas. 48 Kilogramm schwer ist der Atles 936 RZ und perfekt modelliert bis zu den feingeriffelten Fußpedalen. Das Gewicht erklärt sich von selbst, denn Willi Reddeker arbeitet seine Modelle, die den Originalen fast in nichts nachstehen, ausschließlich aus Metall. Hier kommt dem Modellbauer seine Berufserfahrung zugute. Sein ganzes Arbeitsleben war er bei dem Hövelhofer Unternehmen Elha Maschinenbau Liemke, bekannt für seine maßgeschneiderten Bearbeitungszentren, Sondermaschinen und Fertigungsmodule, als Dreher beschäftigt.

Seine Fähigkeiten im Modellbau hat sich auch das Unternehmen zunutze gemacht. Im Eingangsbereich seines früheren Arbeitgebers steht ein Modell einer Bearbeitungsmaschine, mit der Teile der Booster für die europäische Trägerrakete Ariane V gefertigt wurden. Reddekers Modell ist im Maßstab 1:10 gehalten. Natürlich gibt es bei Elha auch ein Modell der Ariane – allerdings in einem kleineren Maßstab.

Reddeker ist detailversessen. Erst, wenn alles haargenau passt, ist der Modellbauer mit seiner Arbeit zufrieden. Der Claas-Schlepper, ursprünglich eine Renault-Entwicklung, wird im Modell von einem 850 Watt starken Elektromotor angetrieben. Ein Vier-Gang-Schaltgetriebe inklusive Ausgleichsgetriebe überträgt die Kraft zu zwei Dritteln auf die Hinterachse und zu einem Drittel auf die Vorderachse. Beide Achsen haben ein Differentialgetriebe, die hintere sogar eine Sperre. Die Getriebe sind selbstverständlich auch selbst gefertigt. Gern bedient sich der Modellbauer dafür bei alten Bohrmaschinen. Natürlich funktionieren beim Modell alle Leuchten, und der kraftvolle Sound aus einem getarnten Lautsprecher stammt von einem echten Claas-Schlepper.

Der Holzspalter verarbeitet auch daumendicke Äste zu Kleinholz. Foto: Verkehrsverein Hövelhof

Ein Hingucker sind die mächtigen Reifen des Claas-Modells, das natürlich passend in saatengrün lackiert ist. Nein, die sind nicht zugekauft. Willi Reddeker hat die Formen gedreht und anschließend gefräst. Dann wurden die Reifen gegossen. Im Gegensatz zum Original sind sie massiv und nicht mit Luft gefüllt. Das erklärt auch das stattliche Gewicht von allein 13 Kilogramm für die komplette Bereifung. Gerne hätte er das Modell mal als Hingucker im Harsewinkeler Stammwerk von Claas ausgestellt, doch die Manager zeigten ihm die kalte Schulter.

Seine Modelle hat Willi Reddeker oft bei großen Modellbaumessen und -ausstellungen gezeigt und dafür jede Menge Pokale und Preise eingeheimst. Früher hat er auch große Lastzüge gebaut. Vor allem die chromglänzenden Trucks des US-Herstellers Peterbilt hatten es ihm angetan. Seit zwei Jahren sind die Modellbaumessen wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Das bedauert der Modellbauer: „Mir fehlt es sehr, dass zurzeit keine Modellbaumessen stattfinden, der Austausch mit anderen Modellbauern ist wichtig und macht mir große Freude“, sagt er zwischen Drehbank und Fräse.

Doch die Corona-Pause hat auch Reddekers Modellbau-Fleiß beflügelt. In den vergangenen Monaten ist ein funktionsfähiger Holzspalter nach österreichischem Vorbild auf einem Anhänger entstanden, der perfekt mit dem Claas-Schlepper harmoniert. Und auf der Werkbank steht das Modell eines Fahr-Dieselschleppers aus den 50er-Jahren. Das filigrane Modell des 24 PS starken D180H ist das Zugfahrzeug für einen Kirmesanhänger, der sich allerdings noch im Rohbau befindet.

Und was sagt die Ehefrau dazu, dass der Gatte manchmal stundenlang im Keller verschwindet? „Gar nichts“, sagt Willi Reddeker, „die kennt das doch gar nicht anders.“ Stimmt. Der Hövelhofer Modellbauer frönte seinem Hobby schon in den ersten Nachkriegsjahren. Damals waren es kleine Schiffchen aus Fischdosen, die auf dem Krollbach zu Wasser gelassen wurden.

Ans Aufhören mag der 82-Jährige noch nicht denken. Gern würde er noch einen Unimog in Angriff nehmen. Dabei hat Willi Reddeker das Modell U 406 aus den 60er Jahren im Auge, das für viele heute den Unimog schlechthin darstellt. Auch zur Farbgebung hat er bereits eine feste Vorstellung. In kommunalem Gelb muss er lackiert werden, so wie früher das Arbeitstier des Hövelhofer Bauhofs.

Beim Radelfest am Sonntag, 24. April, wird er vor der Sparkasse einige seiner schönsten Gefährte zeigen.

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