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Sternchenmarkt-Verein in Steinhagen-Brockhagen sammelt Spenden für die Betroffenen der Hochwasser-Katastrophe – und will „direkten Draht“ nutzen

Damit die Hilfe bei den Richtigen ankommt

Steinhagen-Brockhagen

Die Bilder der immensen Zerstörung durch die Hochwasser-Katastrophe in Deutschlands Südwesten sorgen auch bei den Mitgliedern des Brockhagener Sternchenmarkt-Vereins für Entsetzen und viel Mitgefühl. Sie wollen den betroffenen Menschen mit finanziellen Mitteln helfen, so schnell wie möglich und vor allem zielgerichtet. Dafür hoffen sie auf möglichst viel Unterstützung durch weitere Geldspenden von Privatleuten, Vereinen, Firmen und weiteren Institutionen.

Von Volker Hagemann

Mitglieder des Vereins Sternchenmarkt Brockhagen e.V. und der Landjugend Brockhagen-Kölkebeck rufen zu Spenden zugunsten der Flutopfer auf. Zu den Initiatoren gehören auch (hintere Reihe, von links) Klaus Reckmeyer, Lars Steinmeier und Timm Uhlemeyer sowie (vorne, von links) Torsten Goldbecker, Brigitte Gressel und Heike Böhm. Foto: Volker Hagemann

Sie alle können dafür auf das Konto des Sternchenmarkt-Vereins (Bankverbindung am Textende) ihre Spende überweisen. „Dass wir helfen, steht fest“, sagt Klaus Reckmeyer vom Vorstand des Vereins Sternchenmarkt Brockhagen e.V. „Jetzt geht es um das Wie und Wo, damit das Geld auch bei den Richtigen ankommt.“

Eine erste große Summe stellt der Verein selbst zur Verfügung: 2000 Euro. Dafür hatte er gerade erst am vergangenen Wochenende eine Umfrage unter seinen derzeit 34 Mitgliedern gemacht; „und alle, die sich schon bis Montagabend zurückgemeldet haben, befürworten das“, freut sich Reckmeyer über den Zuspruch.

Egal, ob 5 oder 500 Euro – jede Spende ist wichtig

Der Spendenaktion schließt sich auch die Landjugend Brockhagen-Kölkebeck an: „Und zwar mit einem Teil der Einnahmen aus der diesjährigen Weihnachtsbaum-Sammelaktion. Die von uns im Januar ursprünglich vorgesehenen Verwendungszwecke verschieben wir; jetzt den Flutopfern zu helfen, ist viel dringender“, erklärt Timm Uhlemeyer von der Landjugend. Genauso sieht es auch der Sternchenmarkt-Vereinsvorstand um Heike Böhm: „Grundsätzlich sind ja die Einnahmen aus unserem Adventsmarkt immer für gemeinnützige Zwecke innerhalb der Gemeinde vorgesehen; jetzt machen wir aus gutem Grund eine Ausnahme.“

Abgesehen von dem „Startschuss“ in Höhe von 2000 Euro ist es den Initiatoren vom Sternchenmarkt-Verein wichtig, ausdrücklich keine Summen der jeweiligen Spender öffentlich zu nennen: „Denn es kommt nicht darauf an, ob jemand vielleicht fünf oder fünfhundert Euro geben kann. Es soll daraus ja kein Wettbewerb entstehen. Entscheidend ist, dass man hilft“, betont Vorstandsmitglied Brigitte Gressel.

Die Dauer der Spendenaktion lassen die Initiatoren erst einmal offen. „Mehrere Wochen wird sie wohl mindestens laufen. Denn der Wiederaufbau nach diesem Ausmaß der Zerstörung dürfte noch Monate dauern, der Bedarf an Unterstützung ist riesig“, sagt Lars Steinmeier, der kürzlich mit einem von der Flutkatastrophe betroffenen Berufskollegen aus Rheinbach sprach. Klaus Reckmeyer wiederum hat guten persönlichen Kontakt zu einem Entsorgungsfachmann im betroffenen Gebiet. „Und ein Bekannter war neulich bereits vor Ort, packte tatkräftig beim Aufräumen mit an.“

Erinnerung an Hilfseinsatz im Sommer 2002 in Sachsen

Solche Kontakte in die betroffenen Gebiete wollen die Mitglieder des Sternchenmarkt-Vereins jetzt nutzen, um einen direkten zuverlässigen Ansprechpartner vor Ort auszusuchen, der die Spendengelder dort vermittelt, wo sie am dringendsten benötigt werden. „Denn wir haben immer wieder von Leuten gehört, dass sie spenden wollen, aber unsicher sind, welcher Organisation sie ihr Geld anvertrauen; sie fürchten, dass Geld in Verwaltungs- und Organisationsaufwand verschwindet. Deswegen ist uns ein direkter Kontakt wichtig. Den werden wir jetzt gründlich aussuchen“, so Reckmeyer, möglicherweise im Ahrtal.

Denn so wichtig und oft so traurig die Anlässe seien: „Erfahrung im Spendensammeln und -verteilen haben wir als gemeinnütziger Verein reichlich.“ Im Helfen ohnehin: Die Bilder aus den Hochwassergebieten rufen bei den Mitgliedern des Sternchenmarkt-Vereins bleibende Erinnerungen wach: Nachdem im Sommer 2002 große Teile Nord- und Ostdeutschlands sowie des angrenzenden Auslands nach Starkregen überflutet worden waren, organisierten die Brockhagener vor 19 Jahren schon einmal eine entsprechende Hilfsaktion, spendeten Erlöse aus dem Sternchenmarkt in die sächsische Stadt Tharandt. Dort hatte die Weißeritz – ein Zufluss der Elbe – starke Zerstörungen angerichtet. Vier Brockhagener fuhren seinerzeit persönlich nach Tharandt. Die damalige vierstellige Spendensumme half, dass der dortige Jugendtreff wiederaufgebaut werden konnte. Der Kontakt war über die Evangelische Kirchengemeinde Brockhagen vermittelt worden.

Wer die Hilfsaktion unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto spenden: Brockhagener Sternchenmarkt e.V., Kennwort „Flutopferhilfe“, IBAN: DE04 4805 1580 0009 5258 25, Kreissparkasse Halle.

Sternchenmarkt 2021 noch in der Schwebe

Im vergangenen Jahr musste der Brockhagener Sternchenmarkt coronabedingt erstmals seit seiner Premiere 1996 ausfallen. Ob der kleine, aber feine Weihnachtsmarkt – sonst jedes Jahr am dritten Adventssonntag an und in der Alten Dorfschule – mit seinem ehrenamtlichen Engagement und dem vielfältigen Sortiment in diesem Jahr stattfinden kann, steht noch nicht fest. „Natürlich machen wir uns Gedanken über Möglichkeiten, über vielleicht abgespeckte Varianten, aber niemand kann schon jetzt vorhersehen, wie sich die Coronalage verändert, welche Regelungen dann gelten“, erklärt Klaus Reckmeyer.

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