1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Das Gesicht des Bielefelder Behindertensports

  6. >

Der Bielefelder Sport trauert um Günter Jesgarzewski

Das Gesicht des Bielefelder Behindertensports

Bielefeld

Der Bielefelder Sport trauert um Günter Jesgarzewski, der am 6.Juli im Alter von 70 Jahren verstorben ist. Mit seinem Namen verbunden ist ein jahrzehntelanges Engagement im Behindertensport, insbesondere im Rollstuhl-Tischtennis.

Günter Jesgarzewski ist im Alter von 70 Jahren verstorben. Foto:

Ein schwerer Autounfall, bei dem sich Günter Jesgarzewski den Halswirbel brach, beendete eine vielversprechende Karriere als Fußballer. Aber der damals 22-Jährige gab nicht auf. Zur Rehabilitation gehörte unter anderem Rollstuhl-Tischtennis und von da an gehörte seine Leidenschaft dem kleinen Ball aus Zelluloid.

Das behindertenfreundliche Umfeld seines Arbeitgebers, der Universität Bielefeld, unterstützte sein Engagement für den Rollstuhlsport und so konnte er 1977 die erste Rollstuhlsportgruppe Bielefelds unter dem Dach des Polizeisportvereins ins Leben rufen. Er selbst suchte dabei auch für sich die sportliche Herausforderung. 1982 errang er die erste nationale Meisterschaft. Es folgten 1985 ein Europameister- und 1986 ein Weltmeistertitel. Höhepunkt aber war paralympisches Gold mit der Mannschaft 1988 in Seoul.

Über seine sportlichen Erfolge hinaus organisierte er vor Ort Deutsche Meisterschaften und holte auch drei Weltranglistenturniere im Rollstuhl-Tischtennis nach Bielefeld. Zudem übernahm Günter Jesgarzewski 1984 den Vorsitz der Behinderten-Sportgemeinschaft (BSG) im PSV, ein Ehrenamt, das er 32 Jahre mit großem persönlichen Einsatz sehr erfolgreich ausgeübt hat.

Auf seine Initiative wurden zahlreiche neue Abteilungen ins Leben gerufen, etwa für Parkinson-Patienten, für Menschen mit Multipler Sklerose, Morbus Bechterew, Diabetes, Krebs und arterieller Verschlusserkrankung. Auch sorgte er dafür, das sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene mit geistiger und Mehrfachbehinderung ihren Sport in der BSG betreiben konnten. Diese inklusive und integrative Ausrichtung war ihm immer wichtig und zeichnete ihn aus.

Zahlreiche Auszeichnungen

Damit aber nicht genug, denn neben diesen und anderen Tätigkeiten auf Landes- und Bundesebene – Günter Jesgarzewski war zudem Fachwart für Rollstuhlsport im Behindertensportverband Nordrhein-Westfahlen und 2. Vorsitzender des Deutschen Rollstuhlsportverbandes – gehörte sein Engagement auch dem „Verein um die Ecke“. Und so war er über Jahre hinweg Geschäftsführer des SC Babenhausen. Geschätzt wurden hier vor allem seine Kompetenzen und Fachkenntnisse im Bereich des Vereins- und Verbandswesens.

Günter Jesgarzewski ist für sein Wirken vielfach ausgezeichnet worden. Unter anderem mit dem Silbernen Lorbeerblatt der Bundesrepublik Deutschland, der goldenen Ehrennadel des Deutschen Rollstuhlsportverbandes, mit dem Sportehrenbrief der Stadt Bielefeld und in 2018 mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Die Bielefelder Sportgemeinschaft behält Günter Jesgarzweski als das Gesicht des Bielefelder Behindertensports und Mut machendes Vorbild in Erinnerung.

Startseite