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Hans-Georg Grundmeier und Jupp Klaus wagen Abenteuer und sammeln Spenden für Ärzte ohne Grenzen

Delbrücker besteigen den Kilimandscharo

Delbrück

Wörtlich übersetzt heißt Mountainbike nichts anderes als Bergfahrrad. Bei einer außergewöhnlichen Tour, die zwei Delbrücker Ende September/Anfang Oktober unternehmen, bekommt das Wort Mountainbike (kurz: MTB) allerdings eine ganz und gar wortwörtliche Bedeutung: Hans-Georg Grundmeier und Jupp Klaus wollen mit ihren geländegängigen Rädern den Kilimandscharo besteigen! Es geht hinauf auf 5895 Meter.

Von Jürgen Spies

Jupp Klaus und Hans-Georg Grundmeier (rechts) tragen T-Shirts der Organisation Ärzte ohne Grenzen und wollen mit ihren Mountainbikes Afrikas höchsten Berg erklimmen. Foto:

Der Kilimandscharo ist der höchste Berg des afrikanischen Kontinents und der höchste freistehende Berg der Erde. Das ganze Massiv besteht im Wesentlichen aus drei Vulkanen, deren höchster der Kibo (übersetzt: „der Helle“) ist.

Für Hans-Georg Grundmeier und seinen langjährigen Kumpel und Bikerkollegen Jupp Klaus geht es dabei nicht allein um die Bewältigung eines sportlichen Abenteuers; Grundmeier möchte die Tour gleichzeitig nutzen, um über Sponsoren Spenden zu sammeln für die gemeinnützige Organisation „Ärzte ohne Grenzen“.

Für den guten Zweck

Über viele Jahre hinweg sammelte die Familie Grundmeier in ihrem Blumen- und Gartenfachbetrieb an der Rietberger Straße an einem Tag im Advent sämtliche Tageseinnahmen für Ärzte ohne Grenzen. Den Gärtnereibetrieb samt Blumen- und Floristikgeschäft haben die Grundmeiers inzwischen aufgegeben. Auf dem Gelände haben unlängst die Bauarbeiten zur Errichtung einer Seniorenresidenz sowie altengerechter Wohnungen begonnen. „Das Sammeln von Spenden für Ärzte ohne Grenzen möchte ich aber fortsetzen“, erzählt Hans-Georg Grundmeier in einem Gespräch mit dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT.

Fast 6000 Meter hoch

Der 55-Jährige hat die deutsche Sektion von Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen; Berlin) angeschrieben und die internationale humanitäre Organisation über die geplante Spendenaktion anlässlich der Kilimandscharo-Besteigung informiert. „Die Resonanz war natürlich sehr positiv. Wir bekommen ein Aktionspaket und eine große Ärzte-ohne-Grenzen-Fahne, die wir mit Sponsoren­logos bestücken, am Berggipfel in knapp 6000 Meter Höhe ausbreiten und fotografieren wollen“, berichtet Grundmeier.

Die Reisekosten und die Ausrüstung finanzieren wir natürlich privat“, unterstreicht Grundmeier, der als ehemaliger Triathlet und begeisterter Mountainbiker härtere körperliche Belastungen einzuschätzen vermag, was auch auf seinen Freund Jupp Klaus (64) zutrifft: Klaus hat als Kletterer schon Bergtouren am Mont Blanc (4810 Meter; höchster Berg der Alpen), am Aconcagua (6961 Meter; höchster Berg Südamerikas) hinter sich gebracht und sogar den 7129 Meter hohen Kokodak Dome in China bezwungen!

Bei der Mountainbiketour den Kilimandscharo rauf und runter überlassen die beiden Delbrücker nichts dem Zufall. Sie nutzen Erfahrungen und die Reiseprogrammplanung der DAV Summit Club GmbH, eine deutsche Bergsteigerschule sowie Reiseveranstaltergesellschaft mit Sitz in München.

„Bislang sind Jupp und ich, Stand jetzt, die einzigen Mountainbiker, die die MTB-Kilimandscharo-Tour im September unternehmen. Wir werden nur begleitet von Guides, einer Begleitmannschaft, die das Massiv, die Wege und die fünf verschiedenen Vegetationszonen kennen“, blickt Hans-Georg Grundmeier voraus.

Touren auf eigene Faust, in Eigenregie, sind aus guten Gründen im Kilimandscharo-Nationalpark sowieso streng untersagt und wären praktisch unmöglich.

Anpassung an Höhenluft

Eine gute Woche wird das Abenteuer dauern. Grundmeier und Klaus bereiten sich intensiv darauf vor, wenngleich die Anpassung an die Höhenluft – Grundvoraussetzung für den Aufstieg auf fast 6000 Meter – erst vor Ort beginnen kann. „Wir werden am Kili ungefähr 1000 Höhenmeter am Tag machen, das ist schon sehr viel. Mehr geht auf gar keinen Fall, da man ansonsten Gefahr läuft, höhenkrank zu werden. Akklimatisation ist ein absolutes Muss. Die Abbrecherquote während der Tour am Berg ist dennoch sehr hoch“, erläutert der Delbrücker.

Übrigens: Allzu forsche Mountainbiker, die meinen, es schneller nach oben schaffen zu können, würden die Begleiter deshalb notfalls zum Eigenschutz einbremsen.

Die eigentliche Fahrt mit dem MTB beginnt auf einer Höhe von 1980 Metern im Regenwald. Auf etwa 2980 Meter erreichen die Biker das erste einfache Camp, einen Zeltplatz. In den folgenden Tagen steuern die Radkletterer weitere Camps und Hütten an und erleben dorthin bereits die eindrucksvolle Natur dieses Weltkulturerbes. Mancher Wegabschnitt wird unterwegs so steil und extrem uneben sein, dass das Rad geschoben werden muss.

Respekt und Vorfreude

Respekt und jede Menge Vorfreude haben Hans-Georg Grundmeier und Jupp Klaus vor der finalen Gipfeletappe. Los geht es gegen Mitternacht im Licht der Stirnlampen und bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Mehrmals wird Rast eingelegt. „Die letzten 150 Höhenmeter unter dem Kraterrand kann man nur kletternd überwinden. Dazu werden die Bikes in ein Gestell verfrachtet und auf dem Rücken getragen, 15 weitere Kilogramm. Danach, hinauf zum allerhöchsten Punkt, dem Uhuru Peak, gibt es nur noch einen sanften Anstieg, der gut zu fahren sein wird“, hat Grundmeier längst in Erfahrung gebracht.

Was kann danach noch kommen, wenn man das Dach Afrikas erklommen hat? Wenn man nach den ganzen Strapazen erst während einer kräftespendenden Rast so richtig registriert, was man geleistet hat, wo man sich gerade befindet, hoch über der Savanne mit grandiosem Ausblick?

Längste Abfahrt der Welt

„Die Abfahrt! Die längste der Welt, über 4600 Höhenmeter in mehreren Abschnitten. Das wird ein weiterer Höhepunkt dieser Reise sein“, ist Hans-Georg Grundmeier schon jetzt gespannt, erwartungsfroh und voller Tatendrang, was natürlich auch für Jupp Klaus gleichermaßen gilt.

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