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Ob grau oder rosa: Aus dem Papier-Führerschein wird der neue EU-Ausweis im Scheckkartenformat – Umtauschplan im Kreis Höxter

Der „alte Lappen“ stand für Freiheit

Kreis Höxter

„Der graue Lappen, den ich als 18-Jähriger nach der Prüfung stolz in der Hand hielt – er hat mir eine neue Welt geöffnet. Man war unabhängig und mobil, konnte am Wochenende zur Dorfdisco fahren. Das war echte Freiheit. Ohne ihn wäre mein Leben anders verlaufen“, sagt Hartmut Schwämmle.

Von Harald Iding

In seinem Fiat-Rennboliden hat sich Hartmut Schwämmle viele Siege gesichert. Er tauschte bereits 2003 seinen „Grauen“ gegen einen neuen Führerschein ein. Foto: Harald Iding

Der 70-jährige Rentner war nicht nur als Schornsteinfegermeister früh auf ein Auto angewiesen („Der erste war ein 700er-BMW mit 30 PS“). Der Höxteraner hat in seiner Schrauberhalle immer noch viele glänzende Pokale stehen. Er war Deutscher Meister in der „Retro-Rallye-Serie“ und erreichte 2016 bei der legendären „Rallye Sanremo“ in Norditalien (Klasse bis 1300 ccm) mit Peter Kowoll an seiner Seite sogar den zweiten Platz. „Das war mein bisher größter Erfolg“, erinnert sich der leidenschaftliche Rallyefahrer. 2022 will er aus Altersgründen letztmalig beim heimischen „Weser-Bergpreis-Revival“ in Ottbergen dabei sein und seinen Fiat-Flitzer um die engen Kurven lenken.

Der alte „graue Lappen“ oder auch die Rosa-Version – sie haben längst Kultstatus erreicht, werden aber bald für immer Geschichte sein. In Deutschland sollen es mehr als 40 Millionen Führerscheine sein, die ab 2022 gegen fälschungssichere Exemplare umgetauscht werden müssen.

150.000 im Kreis

Beginnen wird mit den schätzungsweise noch rund 15 Millionen bis zum 31. Dezember 1998 ausgestellten Papier-Führerscheinen. Sie sind alle nicht im „Zentralen Fahrerlaubnisregister“ des Kraftfahrt-Bundesamtes gespeichert. Personen mit Geburtsjahrgang vor 1953 sind übrigens von dem vorgezogenen Umtausch ausgenommen. „Im Kreis Höxter sind es etwa 150.000 Führerscheine, die bis 2033 getauscht werden müssen“, weiß Elisabeth Scheel.

Im ersten Halbjahr 2021 hätten 622 Personen Gebrauch davon gemacht. Darunter fallen auch DDR-Führerscheine. Die sind bis zum Umtausch wie die anderen Versionen weiterhin gültig. Scheel leitet die Abteilung „Straßenverkehr“ bei der Kreisverwaltung Höxter.

Das kleine „ABC“

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Karin Tenge (erfahrene Sachbearbeiterin) und dem Leiter des Fachbereichs „Öffentliche Sicherheit und Straßenverkehr“, Matthias Kämpfer, hat sie im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT alle Daten und Fakten rund um den Führerschein-Tausch vorgestellt. „Nach einer EU-Vorgabe müssen alle Führerscheine, die vor dem 19. Januar 2013 ausgegeben wurden, bis 2033 in das EU-einheitlich geltende Kartenmodell umgetauscht werden. Die neuen Dokumente werden mit einer Befristung von 15 Jahren ausgestellt.“ Kostenpunkt für einen Umtausch: 25,30 Euro (früher 24 Euro). Das Lichtbild darf nicht älter als ein Jahr sein.

Nach Ablauf der 15 Jahre wird direkt wieder ein neuer ausgestellt. Derzeit gibt es öfter Anfragen bei der Führerscheinstelle, wann man denn dran sei – und ob man auch seine Klassen vom alten auf den neuen Ausweis übertragen bekommt. Das Team stehe den Bürgern dabei gerne mit Rat zur Seite.

Karin Tenge (Telefon: 05271/965-1415) gibt gleich Entwarnung. Sie kennt sich mit dem kleinen „ABC“ der Fahrerlaubnisse bestens aus. „Niemand muss befürchten, dass durch den Umtausch die Fahrerlaubnis verloren geht.“ Aus der alten Klasse 1 seien die neuen Klassen A, A1, M und L geworden. Und der 3er-Führerschein trägt nun Namen wie B, BE (mit Anhänger), C1, C1E, M und L. Aus der Klasse 4 wurde M und L sowie aus der 5 die neue Klasse L.

Wie lange muss man auf den „Neuen“ warten? Dazu Scheel: „Nach Antragseingang dauert es etwa zwei bis drei Wochen, bis der von der Bundesdruckerei in Berlin herzustellende Führerschein dem Antragsteller ausgehändigt werden kann.“

Übrigens: Wer zum Beispiel wegen einer Auslandsreise nicht warten kann, kann eine Express-Bestellung „ordern“. Dann würde der Führerschein bereits ein bis drei Tage später geliefert. Das kostet allerdings zusätzlich acht Euro.

Und dann steht die wohl für viele wichtigste Frage im Raum: „Darf man seinen alten Lappen nach dem Umtausch als lieb gewonnenes Relikt behalten? Darauf gibt es im Kreis Höxter ein klares „Ja“. Karin Tenge: „Der bisherige Papierführerschein bekommt von uns einen Ungültig-Stempel. Viele freuen sich, ihn behalten zu dürfen.“ Jeder dürfe in Deutschland aber immer nur über eine gültige Fahrerlaubnis verfügen.

„Säuferbalken“

Der eine oder andere hat dann vielleicht sogar den legendären „Säuferbalken“ noch in seinen Papieren. Das war früher eine spezielle Kennzeichnung bei denen, die schon einmal ihren Führerschein für mehrere Wochen „abgeben durften“.

Der Spruch „Der Lappen ist futsch“ dürfte zukünftig eher heißen: „Die Karte ist weg.“ Und das passiere tatsächlich immer öfter – bei dem ganzen „Karten-Salat“ im Portemonnaie (mit Bankkarte, Personalausweis, Kreditkarte etc.).

Für den ehemaligen Fahrlehrer Werner Puschmann (71) aus Höxter bleiben die Momente, als die Führerscheine von den TÜV-Prüfern nach bestandener Fahrt ausgehändigt wurden, zu den schönsten Erinnerungen. „Da war eine 18-Jährige, die vor Freude weinte, mich spontan in den Arm nahm und sich direkt vom Fahrschulauto in den flotten Wagen ihrer Mutter ans Steuer setzte – und davon fuhr.“

Die Fristen

Die neue Regelung zum Führerscheinumtausch hält zwei Gruppen vor:

Für Führerscheine, die bis einschließlich 31.12.1998 ausgestellt worden sind, ist laut Kreis Höxter das Geburtsjahr des Inhabers maßgeblich: Vor 1953 (bis zum 19.01.2033) – 1953 bis 1958 (Umtausch bis 19.01.2022); 1959 bis 1964 (19.01.2023); 1965 bis 1970 (19.01.2024); 1971 oder später (bis zum 19.01.2025).

Führerscheine (ab Januar 1999 ausgestellt): Ausstellungsjahr 1999 bis 2001 (bis zum 19.01.2026), 2002 bis 2004 (19.01.2027), 2005 bis 2007 (19.01.2028), 2008 (19.01.2029), 2009 (19.01.2030), 2010 (19.01.2031), 2011 (19.01.2032) und ab 2012 bis 18. Januar 2013 (bis zum 19.01.2033). Weitere Infos gibt es beim Kreis Höxter.

Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch eine Geschichte rund ums Thema „Alter Führerschein“ zu erzählen? Dann schreiben Sie uns doch einfach per Email: „hoexter@westfalen-blatt.de“ (Stichwort „Führerschein“).

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