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Ärzte des Universitätsklinikums Minden dürfen mit quantenzählenden Computertomographen arbeiten

„Der Heilige Gral für Radiologen“

Lübbecke/Minden

Als eines von weltweit nur wenigen Krankenhäusern verfügt das Universitätsklinikum Minden über einen quantenzählenden Computertomographen. Die in der Fachwelt als Photonen-Counter bekannte Technologie wurde vor kurzem auf einer Messe von Siemens Healthineers in den USA der Weltöffentlichkeit vorgestellt.

Das Team rund um den quantenzählenden Computertomographen in Minden. Die ersten Erfahrungen mit der neuen Technologie empfinden die Mediziner als überwältigend. Foto: MKK

Bereits im August wurde der Computertomographen unter strenger Geheimhaltung in Minden angeliefert und installiert. Seitdem steht er den Patienten in OWL und darüber hinaus zur Verfügung.

„Dass wir als junge universitäre Einrichtung als eine der ersten Kliniken ausgewählt wurden, einen Photonen-Counter zu erhalten, zeigt das große Vertrauen auf die Fähigkeiten und Leistungsbereitschaft unseres radiologischen Teams. Quantenzählende Detektoren sind nicht weniger als eine Revolution in der Radiologie, die von Minden aus nun ihren Anfang nimmt“, sagt der Medizinvorstand Dr. Jörg Noetzel.

  So funktioniert die neue Technik

Bisherige Computertomographen wandeln die Röntgenstrahlung zunächst in sichtbares Licht um, das auf einen Lichtsensor trifft und auf diese Weise ein Bild erzeugt. Bei diesem Zwischenschritt geht die für die Diagnose wichtige Information über die Energie der Röntgenstrahlen verloren. Entsprechend verringerte Bildkontraste und Bildschärfe sind die Folge.

Der neue quantenzählende Detektor verzichtet auf die Umwandlung der Röntgenphotonen in sichtbares Licht. Die Röntgenphotonen werden direkt in elektrische Signale gewandelt und gezählt. Die Energieinformationen bleiben erhalten. Bildschärfe und Bildkontrast werden deutlich verbessert und die Bilder enthalten neue, aussagekräftige Informationen.

„Salopp gesagt; mit einem herkömmlichen CT sieht man eigentlich nur einen Schatten des eigentlichen Bildes. Jetzt können wir mit dem quantenzählenden Computertomographen das Original sehen. Jede Aufnahme bietet den Ärzten mehr und präzisere Informationen als je zuvor“, erklärt Professor Dr. Jan Borggrefe, Direktor des Universitätsinstituts für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Minden.

Dafür wird der Tomograph gebraucht

Anwendung findet die neue Technologie in allen Bereichen der Medizin, insbesondere dort, wo feinste Strukturen zu beurteilen sind, etwa Blutgefäße des Herzens, bei Lungenerkrankungen oder winzige Veränderungen von Knochenstrukturen. Dabei kann die im Vergleich zur konventionellen Computertomographie viermal so hohe Bildschärfe die Diagnosestellung erleichtern. Die zusätzliche Nutzung der Energieinformation ermöglicht umfassendere diagnostische Aussagen, sodass auf zeit- und kostenintensive Zusatzuntersuchungen vielfach verzichtet werden kann. So lassen sich beispielsweise häufig Punktionen vermeiden, da die genaue Gewebeart bereits im CT-Scan festgestellt werden kann.   

Dass die Mühlenkreiskliniken als Standorte ausgesucht wurden, liegt an der Expertise von Professor Dr. Jan Borggrefe. Er hat bereits an der Universitätsklinik Köln erfolgreich mit einem Vorläufer des heutigen Geräts geforscht. „Diese Entscheidung zeigt, wie man unsere wissenschaftliche und medizinische Entwicklungsperspektive in den kommenden Jahren einschätzt“, sagt Medizinvorstand Dr. Noetzel.

Erste Erfahrungen bereits gesammelt

„Die Bilder sind bestechend scharf und es lassen sich komplexe Untersuchungen durchführen, die bislang bei uns nicht möglich waren. Diagnosen werden dadurch präziser und sicherer. Wir brauchen in vielen Fällen lediglich die Hälfte des sonst verwendeten Kontrastmittels und untersuchen zum Teil mit einem Fünftel der sonst nötigen Röntgenstrahlung. Es ist eine radiologische Revolution, von der sehr viele Patientinnen und Patienten aus sehr unterschiedlichen Fachrichtungen profitieren werden“, sagt Professor Dr. Jan Borggrefe und ergänzt: „Photonen-Counting-Computertomographie ist so etwas wie der Heilige Gral für Radiologen. Seit mehreren Jahrzehnten ist die Technologie theoretisch bekannt, aber die Umsetzung hat sehr lange gebraucht – unter anderem weil Hochleistungscomputer notwendig sind um Herr der Datenmassen zu werden“, berichtet Borggrefe. Ein neues Einsatzgebiet des Gerätes ist die Darstellung von Organen wie Lunge, Herz oder Nieren. Aufgrund der sehr kurzen Untersuchungszeit fallen Bewegungsunschärfen kaum noch ins Gewicht.

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