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Wetterstation in Beverungen-Drenke: Experte Hermann-Josef Sander hat die Daten vom Jahresbeginn ausgewertet

„Der Januar war zu mild und ohne Dauerfrost“

Beverungen-Drenke

Der Wetterexperte Hermann-Josef Sander hat sich die Daten der Wetterstation Drenke für den Januar 2022 genau angeschaut und ist zu dem Ergebnis gekommen: „Der Januar war zu mild, bot zu wenig Sonnenschein – und wies kaum eine Spur von Winter auf“.

Bearbeitet von Harald Iding

Die Wetterstation oberhalb von Beverungen-Drenke wurde am 5. September 1999 eingeweiht. Foto: Harald Iding

„Hartung – also viel Kälte“ – so lautet die alte Bezeichnung für den Januar, der aber in diesem Jahr jenem Namen überhaupt nicht gerecht zu werden vermochte. Im Gegenteil: Fehlender Schnee und sehr milde Temperaturen waren die markanten Merkmale des vergangenen Monats. Sander: „Lediglich achtmal sank die Quecksilbersäule unter die 0°C-Marke, doch es gab nicht einen einzigen Tag mit Dauerfrost.“

Zweimal lag die Tageshöchsttemperatur indes über plus zehn °C, und mit plus 13,2 °C wurde in Dren-ke am Neujahrstag die bisher höchste Maximaltemperatur in einem Januar der vergangenen 23 Jahre gemessen. Auch im Januar 2002 und 2007 lag die maximale Temperatur des Tages jeweils mit plus 13,1 °C nur wenig darunter.

Die mittlere Monatstemperatur von plus 3,1 °C übertraf das langjährige Mittel um eben diesen Wert. „Es sei allerdings an den Januar 2008 erinnert, als die mittlere Temperatur bei plus 4,2 °C lag, und an den Januar 2007, als das Mittel sogar bei plus 4,8 °C gelegen hatte (Januar 2010: -3,7 °C).“ Wie mild der Winter bis jetzt verlief, zeigt ebenso der Blick in die Wetterchronik: So gab es vom 10.11.2021 bis zum 31.01.2022 an insgesamt fünf Tagen zweistellige Werte, die sich zwischen plus 10,6 °C und 13,5 °C bewegten. Allerdings: In der Zeit vom 10.11.2015 bis zum 31.01.2016 herrschten sogar 30 Male zweistellige Maximaltemperaturen.

Ganz anders dagegen im Winter 2005/2006: Nachdem am 10. November 2005 noch eine zweistellige Maximaltemperatur von plus 11,2 °C gemessen worden war, gab es erst am 25.03.2006 – also nach 134 Tagen und damit erst nach mehr als vier Monaten – mit plus 11,9 °C wieder einen positiven zweistelligen Wert. Die Niederschlagsmenge von 40,9 mm, von der etwa 60 Prozent in der ersten Monatsdekade fielen, unterschritt das langjährige Soll um 13 Prozent. Die zweite Dekade war mit lediglich 2,8 mm Niederschlag vergleichsweise trocken. Im Januar 2004 waren 118,3 mm gefallen, im Januar 2009 hingegen nur 16,7 mm.

Im Januar 2022 gab es laut Messung in der Region Beverungen rund 22 Sonnenscheinstunden. Vor zwei Jahren waren es doppelt so viele. Foto: Harald Iding

Weitere Auswertungen ergaben: „21,8 Sonnenscheinstunden verfehlten den langjährigen Wert von NRW um exakt die Hälfte. An 18 Tagen war die Sonne überhaupt nicht zu sehen (2013: 11,7 Stunden; 2006: 93,6 Stunden).“

Hatten im Januar 2018 die Orkane „Burglind“ mit bis zu 113 km/h und vor allem „Friederike“ mit bis zu 144,5 km/h (nicht nur) im Stadtgebiet Beverungen für erheblichen Wirbel und teilweise große Schäden gesorgt, verlief der erste Monat dieses Jahres deutlich ruhiger.

Das Sturmtief „Nadia“ erreichte am 29. Januar in einer Spitzenböe nur eine Windgeschwindigkeit von 87,0 km/h. Nachfolgend die Monatsübersicht im Vergleich. Niedrigste Temperatur: -3,7 (2022), -5,2 (2021) und -5,2 (2020); höchste Temperatur: +13,2 (2022), +9,5 (2021), +12,8 (2020); mittlere Temperatur: +3,1 (2022), +0,8 (2021), +3,5 (2020); Minimum-Bodentemperatur: -4,9 (2022), -6,6 (2021), -6,8 (2020); mittlere Windgeschwindigkeit in km/h: 16,0 (2022), 12,0 (2021), 14,0 (2020); maximale Windböe in km/h: 87,0 (2022), 74,0 (2021), 76,0 (2020); Gesamtregenmenge: 40,9 (2022), 66,7 (2021), 43,1 (2020); Zahl der Tage mit Niederschlag: 17 (2022), 20 (2021), 15 (2020); Sonnenscheinstunden: 21,8 (2022), 25,8 (2021), 44,8 (2020); Zahl der Tage mit Frost: 8 (2022), 21 (2021), 6 (2020); Zahl der Tage mit Dauerfrost („Eistage“): 0 (2022), 2 (2021), 2 (2020).

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