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Seit 25 Jahren wird das Bielefelder Museum in der Betriebsform einer gemeinnützigen Gesellschaft geführt

Der Motor zur Fortentwicklung des Bauernhausmuseums

Bielefeld

Das Bielefelder Bauernhausmuseum gehört mit seinem beliebten Café zu den festen Kulturinstitutionen in Bielefeld und hat Strahlkraft in die Stadt hinein, aber auch über die Stadtgrenzen hinaus. Die Einrichtung wird von der gemeinnützigen Bielefelder Bauernhausmuseums gGmbH getragen, die nun seit genau 25 Jahren besteht.

Aus Anlass der „Nachtansichten“ 2022 präsentierte sich das Bauernhausmuseum in ungewohnter Farbigkeit. Foto: Barbara Meinhardt, Bielefeld

Als die Gesellschaft am 6. Juni 1997 gegründet wurde, galt eine solche Betriebsform als innovative Lösung, die Möglichkeiten eröffnete, die der bisherige Betrieb des Bauernhausmuseums als städtische Einrichtung nicht bot. Mehr noch: Nachdem der Kämmerer der Stadt Bielefeld im August 1996 eine Haushaltssperre erlassen hatte, war das Bauernhausmuseum zum Gegenstand von Einsparungen geworden. Die Stadt wollte Verwaltungs- und Personalkosten zukünftig nicht mehr übernehmen. Nur durch die Gründung der gGmbH konnte das Bauernhausmuseum als Museum weiterbestehen.

Unter „Erzähl mir was vom Pferd!“ zeigt das Bauernhausmuseum derzeit (noch bis 26. Juni) hochwertige aktuelle Fotos rund ums Pferd in Westfalen, aufgenommen von der Fotografin Tuula Kainulainen. Foto: BauernhausMuseum

Der Haltung und dem Einsatz der damaligen Oberbürgermeisterin Angelika Dopheide ist zu verdanken, dass das Bauernhausmuseum weiter existieren konnte. Schon nach dem Brand des Museums in der Nacht zum 23. Mai 1995 äußerte sie öffentlich: „Wir sind entschlossen, das Bauernhausmuseum wieder aufzubauen“. Bei dieser Haltung blieb sie während der sich über viele Monate hinziehenden Diskussionen und stellte sich damit vielen Kritikern (auch innerhalb ihrer eigenen Partei) entgegen. Sie war es dann auch, die Franz Schaible von der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB) und Eberhard Delius, Vorsitzender des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, im November 1996 zusammenbrachte, um über eine von der Stadt unabhängige Betriebsform zu beraten. Die sich eröffnenden Möglichkeiten führten dazu, dass sich der Rat der Stadt Bielefeld am 22. Mai 1997 einstimmig dafür aussprach, mit einer gemeinnützen Bauernhausmuseum GmbH einen Vertrag über Wiederaufbau und Betrieb des Museums abzuschließen.

Die Bauernhausmuseum gGmbH wurde schon wenige Tage später gegründet, zunächst durch Franz Schaible von der GAB allein. Kurios mutet an, dass die GAB das „teilrestaurierte Haupthaus samt Scheune der ehemaligen Hofanlage ‚Möllering‘ aus Rödinghausen samt Zubehör“ in das Stammkapital der neuen Gesellschaft einbrachte. Der jährliche Betriebszuschuss der Stadt Bielefeld belief sich über 100.000 Mark.

Mit der Gründung der GmbH entstand eine Aufbruchsstimmung, der zügige Aktivitäten folgten: Schon am 22. Juni richtete die neue Betreibergesellschaft eine „Grundsteinlegung“ mit einem Museumsfest auf dem Museumsgelände aus. „Halb Bielefeld wanderte den Berg hinauf“ war am nächsten Tag in der Tageszeitung zu lesen. Das „neue“ Bauernhausmuseum konnte schließlich in der relativ kurzen Zeit von gut zwei Jahren errichtet und eingerichtet werden.

Die Eröffnung fand am 28. August 1999 statt, zu dieser Zeit war bereits Eberhard David Oberbürgermeister. Das Museumskonzept setzte auf ungewohnte Einblicke und Einsichten und stellte Grundschüler in den Mittelpunkt seiner museumspädagogischen Programme. Seit dieser Zeit gehörte auch ein Café zum Museum.

Die Geschäftsführer der neuen Gesellschaft waren zunächst Dr. Rosa Schumacher (Rosinski) und Wolfgang Kühme.

Es war sicherlich nicht selbstverständlich, dass sich die Bielefelder Bauernhausmuseums gGmbH als dauerhaft tragfähiges Betriebsmodell für das Bauernhausmuseum erwies. Sie wurde der Motor zur weiteren Fortentwicklung des Museums, etwa durch den Bau des „Kinderhauses“ 2007 und die im Jahr 2018 abgeschlossene Sanierung von „Olderdissens Kotten“ als Verwaltungs- und Ausstellungsgebäude. Seit 2018 betreibt die gGmbH auch das zuvor stets verpachtete Café im Bauernhausmuseum in Eigenregie, das sich seitdem stetig steigender Beliebtheit erfreut.

Der ehrenamtliche Geschäftsführer Marcus Stichmann und die Gesellschafter der Bauernhausmuseums gGmbH – das sind heute der Historische Verein für die Grafschaft Ravensberg, die Gesellschaft für Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut und die Stiftung Bauernhausmuseum – freuen sich, auf erfolgreiche 25 Jahre zurückblicken zu können.

Als aktuell größte Herausforderung beschreibt der Geschäftsführer die zum 31. Dezember dieses Jahres auslaufende Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung mit der Stadt Bielefeld. „In den Gesprächen über eine Fortsetzung des Vertrages erhielten wir sehr wertschätzende Rückmeldungen über die geleistete Arbeit aus der Kulturverwaltung und den Reihen des Kulturausschusses.“

Die Museumsbeteiligten, darunter auch mehr als 30 Ehrenamtliche, sehen daher, auch wenn längst noch nicht alle für die weitere Entwicklung des Museums notwendigen Zusagen erreicht werden konnten, mit Optimismus in die Zukunft.

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