Die Rückkehr des Wolfes ins Paderborner Land, Teil 1: Wolfsbeauftragter Ulrich Menzel hält Bedingungen für gut

Der Tisch ist reich gedeckt

Paderborn

Der Wolf ist zurück im Paderborner Land. Besser gesagt eine Wölfin. Und sie ist scheinbar gekommen, um zu bleiben. Welche Folgen hat das für die Menschen und Tiere? In einer neuen Serie beleuchten wir die spannende Entwicklung aus mehreren Blickwinkeln: aus dem eines Wolfsbeauftragten, eines Wissenschaftlers und einer Schafzüchterin. Den Auftakt macht der Wolfsbeauftragte für den Kreis Paderborn, Ulrich Menzel.

Von Dietmar Kemper

Ulrich Menzel ist der Wolfsbeauftragte für den Kreis Paderborn, einer von mehr als 70 Ansprechpartnern des Landes Nordrhein-Westfalen. Foto: Jörn Hannemann

Der Tisch ist reich gedeckt, das Futter wird der Wölfin nicht ausgehen. Sie profitiert davon, dass wegen des Klimawandels und des Borkenkäfers die Wälder nicht mehr so dicht sind wie früher. „Rehe und Hirsche werden sich in einer solchen Situation stark vermehren“, sagt Ulrich Menzel und erläutert, was das für den Wolf bedeuten wird: „Für ihn wird sich die Nahrungsgrundlage durch die Schadenssituation im Wald über die Entwicklung beim Schalenwild eher noch verbessern.“ Habe der Schatten in dichten Fichtenwäldern nur wenig Vegetation am Boden zugelassen, fänden Rehe und Hirsche jetzt genügend Nahrung – und dank ihnen auch der Wolf.

Ulrich Menzel aus Ahden ist der Wolfsbeauftragte des Kreises Paderborn. Experten wie er sichten im Auftrag des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) in NRW die Spuren der Wölfe, zu denen auch die Schäden gehören, die sie zum Beispiel in Schafherden anrichten. Ulrich Menzel weiß: „Der Wolf polarisiert sehr stark. Die Empfindungen reichen vom Willkommen bis zu totaler Ablehnung. Es kann keine staatlich verordnete Freude über die Rückkehr geben, und auch der Naturschutz kann das nicht verordnen.“

Für den 67-Jährigen ist es aber unbestritten, dass das Comeback des Wolfes nach 200 Jahren aus eigener Kraft eine außergewöhnliche Leistung ist, die Respekt verdiene. Und anders als der Mensch, der den Wolf damals ausgerottet hat, wolle das Tier dem Menschen nicht schaden. Ulrich Menzel: „Der Wolf sieht den Menschen als neutral an. Er gehört nicht zu seinem Beutespektrum. Er nähert sich ihm neugierig, es kann auch sein, dass er bei seiner Wanderschaft mal in Paderborn oder Salzkotten auftaucht, aber Attacken gegenüber Menschen sind mir aus Deutschland nicht bekannt.“

Bei Hunden sei das anders, sie betrachte der Wolf als Beutekonkurrent. Deshalb rät Ulrich Menzel Spaziergängern davon ab, ihre Hunde dort, wo ein Wolf bereits gesichtet worden ist, frei herumlaufen zu lassen.

Finnische Waldarbeiter filmten Ende April und Anfang Mai zweimal einen Wolf zwischen Lichtenau und Willebadessen. Foto:

Wie am 28. Mai berichtet, hatte das Lanuv zwei weitere Wolfsnachweise im Kreis Paderborn bestätigt. Zweimal war am 14. März Kot in einem Wald bei Lichtenau gefunden worden. Eine der Proben stammt von der Wölfin „GW1897f“, die bereits im Oktober 2020 in einem Wald bei Altenbeken nachgewiesen wurde und die am 8. Januar 2021 in Lichtenau vier Schafe gerissen hatte. GW ist die Abkürzung für German Wolf, die 1897 ist sozusagen der Name des Tieres und das f kennzeichnet das Geschlecht („female“ gleich weiblich). Durch die drei genetisch belegten Nachweise binnen sechs Monaten gilt die Wölfin als sesshaft im Eggegebirge. Ob das von finnischen Waldarbeitern gefilmte Exemplar tatsächlich die Wölfin GW1897f ist, lässt sich mangels genetischer Hinweise nicht belegen.

Ulrich Menzel glaubt, dass Menschen die Wölfin kaum zu Gesicht bekommen werden: „Ein Wolf, der sich bei uns etabliert hat, hinterlässt noch keine großartigen Spuren. Hier und da wird er beobachtet werden, aber in dünn besiedelten Räumen gibt es kaum Berührungspunkte.“ Es sei wahrscheinlich, dass sich zur Wölfin ein Wolf hinzugesellen werde. 20.000 Hektar brauche ein Wolfsrudel als Streifgebiet, die Senne mit ihren 12.000 Hektar sei da schon vergleichsweise klein, aber das Eggegebirge in Verbindung mit dem Teutoburger Wald hält Ulrich Menzel für ein geeignetes Territorium.

Menzel wird als einer von inzwischen mehr als 70 Wolfsberatern und Wolfsberaterinnen die Entwicklung im Auge behalten. Sie arbeiten ehrenamtlich und kommen meist aus den Bereichen Forst, Jagd, Naturschutz und Veterinärmedizin. Innerhalb des Wolfsmonitorings NRW sind sie sogenannte „geschulte Personen“. Sie werden ausgebildet, um einheitliche Dokumentationen der Wolfshinweise (Sichtungen, Spuren, Fotos, Losungen, Nutz- und Wildtierrisse) zu erstellen, die dann von den „erfahrenen Personen“ im Landesumweltamt oder im Senckenberg-Forschungsinstitut Gelnhausen ausgewertet werden.

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