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Prof. Wolfgang Schlüter war Rechtsanwalt und Extremsportler

Der Vater des Hermannslaufs ist tot

Bielefeld

Der Bielefelder Rechtsanwalt und Notar Prof. Dr. Wolfgang Schlüter ist tot. Der „Vater des Hermannslaufs“ starb am Sonntag mit 87 Jahren.

Von Christian Althoff

Wolfgang Schlüter kam immer als einziger im Anzug zum Start – und gab den Startschuss zum Hermannslauf. Foto: Oliver Schwabe

Sein Abitur am Bielefelder Ratsgymnasium erlebte der gebürtige Gütersloher vor 67 Jahren im Liegegips – er war beim Klettern in einem Steinbruch abgestürzt. Diese Erfahrung hinderte ihn allerdings später nicht, anspruchsvollste Touren ins Himalaya-Gebirge und auf andere Gipfel zu unternehmen – zum Teil als Erstbesteiger. So benannte er 18 erstbestiegene Gipfel in der Arktis und Australien.

Schlüter war Extrembergsteiger, Skisportler und Ausdauerläufer. Mehr als zwei Dutzend Male nahm er an 100-Kilometer-Läufen teil. Und er ersann mit seinem Freund Peter Gehrmann den Hermannslauf von Detmold nach Bielefeld, der erstmals 1972 veranstaltet wurde. Heute gehen bis zu 7000 Läuferinnen und Läufer auf die 31,1 Kilometer lange, bergige Strecke. Und Wolfgang Schlüter war bis zuletzt der Mann, der am letzten Aprilsonntag am Hermannsdenkmal im feinsten Zwirn um 11 Uhr den Startschuss gab.

Der Hermannslauf sei ein Stück seines Lebens, sagte Schlüter, der seit 2003 Schirmherr des Volkslaufs war. Lauf-Asse mit Start- oder Preisgeldern zu locken – das lehnte er ab. Er wollte den ursprünglichen Charakter bewahren.

Ab 1961 praktizierte Wolfgang Schlüter als Anwalt und wandte sich schließlich dem Wirtschaftsrecht und dem Gesellschaftsrecht zu. Die damals zahlreichen Textilfirmen und andere Familienunternehmen gehörten zu seinen Mandanten.

Wolfgang Schlüter wirkte an der Gründung der ersten deutschen Privatuniversität in Witten-Herdecke mit und lehrte Jura, unter anderem an der Universität Hannover. 1989 wurde er zum Professor ernannt. 1992 gründete der vierfache Familienvater mit seinem Freund Dr. Arnold Riedenklau eine Anwaltssozietät, die heute von den Söhnen Dr. Harald Schlüter und Arnold Riedenklau jun. geführt wird.

Zum WESTFALEN-BLATT hatte der Bundesverdienstkreuzträger eine besondere Beziehung. Er war Jahrzehnte enger Berater des Verlegers und Chefredakteurs Carl-Wilhelm Busse und des langjährigen Geschäftsführers Michael Best. Zugleich gehörte er dem Beirat der Busse-Holding an. Bis heute vertritt die Kanzlei Schlüter, Riedenklau & Kollegen die Belange der Unternehmensgruppe anwaltlich.

Die Organisatoren des Hermannslaufs, der wegen Corona erstmals nicht im April, sondern am kommenden Sonntag stattfindet, wollen vor dem Start eine Schweigeminute einlegen. „Außerdem werden wir demnächst einen Baum als Erinnerung an Wolfgang Schlüter pflanzen“, sagt Organisatorin Almuth Stier.

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