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Jüdische Künstlerin Mia Weinberg trägt sich ins goldene Buch der Stadt Werther ein

Die erste Unterschrift

Werther

Mia Weinberg, Künstlerin aus Kanada mit familiären Wurzeln in Werther, hat sich in das goldene Buch der Stadt Werther eingetragen. Im selben Buch hatte sich vor einigen Jahren auch ihr inzwischen verstorbener Vater Kurt Weinberg verewigt. Gleichwohl war es der erste Eintrag im goldenen Buch der Stadt Werther, seit Bürgermeister Veith Lemmen das Amt übernommen hat.

Als Erste in Bürgermeister Veith Lemmens Amtszeit trägt sich Künstlerin Mia Weinberg ins goldene Buch der Stadt ein. Foto: Stadt Werther

Mia Weinbergs jüdischer Vater lebte mit seiner Familie im Haus Werther und konnte Deutschland 1939 mit einem Kindertransport verlassen. Die Tochter berichtete bei ihrem Besuch im Rathaus beeindruckend und lebendig darüber, was sie mit Werther verbindet und welche Bedeutung es für sie hat, nun die Ausstellung „Fractured Legacy“ (zu deutsch: „Zerbrochenes Vermächtnis“) dort zu zeigen, wo alle Menschen die thematisierten Orte kennen. So werde die Ausstellung noch greifbarer und lebendiger. Aktuell ist die Installation im Böckstiegel-Museum zu erleben. Mia Weinberg verarbeitet darin die Probleme der zweiten Generation von Shoa-Überlebenden sowie die Frage der kulturellen und religiösen Zugehörigkeit.

Nicht vergessen

Lemmen und Mia Weinberg tauschten sich auch über die Familiengeschichte der Weinbergs aus und waren sich darin einig, dass jüdisches Leben einen festen Teil im Leben der Menschen in Werther und darüber hinaus haben muss. Die grausame Geschichte und die systematische Vernichtung von jüdischem Leben durch die Nationalsozialisten dürfe nicht in Vergessenheit geraten.

„Es ist ein bewusstes Zeichen, und ich bin stolz darauf, dass Mia Weinberg den ersten Eintrag während meiner Amtszeit in das goldene Buch vornimmt. Ich bin ihr und dem Arbeitskreis Spuren jüdischen Lebens sehr dankbar, dass die Geschichte der Weinbergs und anderer Wertheraner Juden erhalten bleibt und die Ausstellung im Museum stattfinden kann“, erklärt Lemmen.

Ein wichtiger Ort

Er ergänzt: „Die Vergangenheit ist lebendig und Mahnung für die Zukunft. Im Herrenhaus im Schloss, wo die Vorfahren von Mia Weinberg die Stufen langsam ausgetreten haben, dort können Wertheranerinnen und Wertheraner dies heute in einem wunderbaren Ort der Begegnung fortsetzen. Diese Stufen sind beispielsweise viele Paare und wir auch gegangen, als ich dort meine Frau geheiratet habe. So findet das Haus Werther seinen festen Platz in vielen Familiengeschichten. Und unser aller Verantwortung ist es, Geschichte am Leben zu erhalten und dafür zu sorgen, dass es nie wieder einen Holocaust geben kann.“

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