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Theater Anu präsentiert in Zusammenarbeit mit Theater Magica in Bad Driburg Begegnungen im Lichterlabyrinth

Die große Reise

Bad Driburg

Mit dem poetischen Theater „Die große Reise“ hat das Theater Anu aus Berlin im Gräflichen Park für Bewunderung gesorgt.

Von Reinhold Budde

Da sitzt der Narr (Martin Thoms) auf seiner Hütte und träumt. Als er erwacht, ist der Traum weg. Foto: Reinhold Budde

4000 Kerzen brannten im Gräflichen Park, wie ein großes Lichtermeer empfang diese besondere Atmosphäre die Gäste, die das besondere Theaterstück „Die große Reise“ miterleben wollten. Es ist 21.15 Uhr am Freitagabend, als die ersten Gäste das Lichterlabyrinth betreten können. In 25er-Gruppen schreiten sie corona- konform durch die 1,5 Meter breiten Wege zu insgesamt sieben Stationen, an denen einzelne Stationen eines poetischen Lebens gezeigt werden. Stefan Behr vom Theater Anu aus Berlin hat zusammen mit seiner Ehefrau Bille die künstlerische Leitung und hat das Stück geschrieben. Angeregt durch das Buch „Die Flamme einer Kerze“ von Gaston Bachelard, einem Buch, das sich auf poetisch-philosophische Weise mit der Träumerei bei Kerzenschein befasst.

Die Vogelfrau träumt davon, einmal fliegen zu können. Sie gibt eine Anleitung zum Flugversuch und benutzt später dazu auch einen Regenschirm. Foto: Reinhold Budde

Das Theater Anu erforscht seit mehr als zehn Jahren poetische Theaterformen im öffentlichen Raum. Parkanlagen, Plätze und besondere Orte – wie beispielsweise Tunnel oder Industriehallen – in Deutschland und Europa. Jedes Jahr erleben viele Tausend Besucher die sinnlichen und leisen Inszenierungen von Theater Anu. „Dieses poetische Stück haben wir bereits mehr als 100 Mal gespielt. Das interessanteste Ziel war Korea. Dieses Jahr sind wir unter Corona-Schutz- bestimmungen Mitte Juni in Bremen gestartet. Dieser herrliche, Gräfliche Park eignet sich mit seinen großzügigen Flächen und alten Bäumen hervorragend für die Umsetzung des poetischen Theaters“, sagte Stefan Behr im Vorabgespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Lichtermeer im Gräflichen Park – 4000 Kerzen brennen. Foto: Reinhold Budde

Es gibt verschiedene Labyrinthe, die von Kerzen umsäumt sind. Dazu werden zuerst die Wege mit Mehl auf dem Boden oder den Rasen skiziert. Einen Abend vor der ersten Vorstellung werden bis zu 4000 Kerzen ausgestellt und die ungefähr einen Kilometer lange Wegstrecke noch einmal kontrolliert. An den sieben bis acht Stationen der Labyrinthe werden die Requisiten aufgebaut.

Veranstalter Daniel Winkler (Bad Driburger Touristik, von links) mit Antje Kiewitt (Pressereferentin Gräflicher Park) und Stefan Behr (Regisseur und Autor Theater Anu). Foto: Reinhold Budde

„Ein Problem könnte der Wind darstellen. Auch wenn die Kerzen in schwer entflammbaren Tüten stehen, die mit Sand beschwert werden – wir benötigen immer ungefähr zweieinhalb Kubikmeter – kann zu starker Wind die Flammen löschen“, erklärte Stefan Behr.

So war es auch zuerst bei der Premiere am Freitagabend. Immer wieder mussten die Kerzen neu angesteckt werden. 650 Besucher haben sich das Theater-/Lichtspektakel an drei Abenden im Gräflichen Park angeschaut und konnten erfahren, wie ein Prinz darauf wartet, dass sein einziger Sohn die Krone übernimmt, die Vogelfrau einen Flugversuch unternimmt, die Spiegelfrau fragt: „Welcher bist du, mein lieber Stern, der mir zu Herzen schaut“ und weitere poetische Erkenntnisse. „Wir haben mit diesem poetischen Theater das Potenzial, Menschen zu berühren, und dabei spielen die vielen Kerzen eine große Rolle“, sagte Stefan Behr.

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