Vlothos Bürgermeister-Sekretärin verabschiedet sich

„Die gute Seele im Rathaus“

Vlotho

Sie hat fünf Chefs der Stadtverwaltung kennengelernt. Für zwei von ihnen hat sie als Sekretärin gearbeitet. „Sie ist meine rechte Hand. Sie ist die gute Seele im Rathaus, die mir oft den Rücken frei gehalten hat“, sagt Chef Nummer 5, Rocco Wilken. Mit 64 Jahren hat sich Heike Dorpmanns am Freitag in den Ruhestand verabschiedet.

Von Jürgen Gebhard

Bürgermeister-Sekretärin Heike Dorpmanns geht in den Ruhestand; links ihre Nachfolgerin Sandra Sorhage, rechts Bürgermeister Rocco Wilken Foto: Jürgen Gebhard

„Früher hieß das Vorzimmer-Dame. Aber das passt nicht zu mir“, beantwortet Heike Dorpmanns die Frage nach ihrer korrekten Berufsbezeichnung. Sie sage lieber: „Ich arbeite im Büro des Bürgermeisters.“ Was ihre Tätigkeit aber auch nur ansatzweise beschreibt.

Heike Dorpmanns habe ihm viele Türen geöffnet, sagt Bürgermeister Wilken. Als gebürtige Vlothoerin (sie erblickte 1955 in der heutigen Eisdiele in der Innenstadt das Licht der Welt) sei sie in dieser Stadt verwurzelt. Sie kenne viele Menschen und Zusammenhänge – auch deshalb habe er sie oft um Rat gefragt.

Bürgermeister-Sekretärin Heike Dorpmanns an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Jürgen Gebhard

Zu den Aufgaben der Sekretärin des Bürgermeisters gehört nicht nur die übliche Büroarbeit. Am Telefon habe sie eine „Filter-Funktion“ und halte einiges von ihm fern, sagt Rocco Wilken. Zum Beispiel Beschimpfungen über Corona-Regeln, über fehlende Impftermine oder über den Winterdienst.

Arbeit im weißen Kittel

Heike Dorpmanns ist eine „Ur-Vlothoerin“. Am Weser-Gymnasium machte sie 1976 bei Klassenlehrer Lothar Wegener mit dem letzten Jahrgang vor der Oberstufenreform ihr Abitur. Bei der Möbelfirma Roex ins Exter absolvierte sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Die Firma ging in die Insolvenz, Heike Dorpmanns wechselte zu Wesifa auf den Buhn – auch diese Firma ist längst Geschichte. Bei diesem einst bedeutenden Hersteller für Großraumbestuhlungen, der unter anderem fürs Olympiastadion in München, das ICC in Berlin und die Bregenzer Festspiele die Sitze geliefert hatte, begegnete sie Modeschöpfer Karl Lagerfeld und Star-Designer Luigi Colani.

Heike Dorpmanns und Bürgermeister Rocco Wilken Foto: Jürgen Gebhard

Im Jahr 1991, damals war Hermann Kölling Stadtdirektor, suchte sie die berufliche Veränderung und bewarb sich bei den Stadtwerken, wo sie im weißen Kittel arbeiten musste: „Bis heute weiß ich nicht, wofür das gut war.“

Hermann Kölling wurde 1993 abgelöst von Jochen Zülka, der habe dann endlich frischen Wind in die Amtsstuben gebracht. 1999 folgte Lieselore Curländer als erste hauptamtliche Bürgermeisterin von Vlotho.

Heike Dorpmanns wechselte 2001 als Sekretärin an die Grundschulen Uffeln und Valdorf. 2003 wurde ihr ehemaliger Mit-Abiturient Bernd Stute Bürgermeister. Als drei Jahre später dessen Sekretärin Leni Niedernolte in den Ruhestand ging, überredeten beide Heike Dorpmanns, den Job im Vorzimmer zu übernehmen – eine Entscheidung, die sie nie bereut hat.

An ihrem letzten Tag im Vlothoer Rathaus blickt sie zufrieden zurück: „Ich habe immer gerne gearbeitet. Jetzt freue ich mich, dass ich mehr Zeit habe für meine Familie, meine Enkelkinder und meine Hobbys.“

Die Nachfolgerin

Neue Sekretärin des Bürgermeisters ist Sandra Sorhage (45), ebenfalls eine „Ur-Vlothoerin“: nach dem Realschulabschluss Ausbildung als Zahntechnikerin bei Schlamann in Exter, mit 30 Umschulung zur „Kauffrau für Tourismus und Freizeit“ bei Vlotho-Marketing, dann sieben Jahre bei einer Online-Werbeagentur, bevor sie 2015 zu Vlotho-Marketing zurückkehrte. Während des Höhepunkts der Corona-Pandemie unterstützte Sandra Sorhage das Krisenmanagement im Kreisgesundheitsamt. Ab dem 1. März ist sie in ihre neue Aufgabe eingearbeitet worden.

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