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Kommentar zu den Ereignissen der Woche in Halle

Die Mutigen brauchen unser aller Unterstützung

Mutig in Krisen und bei Problemen voran zu gehen, ist keine Selbstverständlichkeit. Beispiele in Halle, wo tatkräftige Menschen auch mal was riskieren, beleuchtet der WB-Kommentar und stellt zur Diskussion, welche Unterstützung es jetzt braucht.

Von Stefan Küppers

Blick auf das Rathaus in Halle. Foto: Kalka

In großen Krisen, und solche haben wir ja fatalerweise in Serie, ist es immer gut, wenn man in der örtlichen Gemeinschaft tatkräftige Menschen hat, die den Blick für das Wesentliche haben sowie mutig voran gehen, dabei vielleicht auch mal was riskieren. In dieser Woche haben sich in Halle ein paar ganz schöne Beispiele für diese wünschenswerte Ich-riskier-da-auch-mal-was-Mentalität gezeigt.

Alternative zu anonymen Bestattungen

Zunächst zu erwähnen wäre da das Engagement einzelner Bürger sowie Aktiver aus der evangelischen Kirchengemeinde, die eine besondere neue Stele auf dem Haller Friedhof vorgestellt haben. Auf diesem Stein sind die Namen sowie Geburts- und Sterbedaten von Menschen aus Halle vermerkt, die bislang nur anonym auf einem anderen Friedhof bestattet waren. Als Mittellose war ihr letzter Weg als eine schmucklose und sparsame ordnungsbehördliche anonyme Bestattung vorgezeichnet. Diejenigen, die dieses Verfahren durch eine menschliche, wertschätzende Bestattung mit bleibendem Trauerort ändern wollen, haben in die Hände gespuckt, Geld gesammelt und etwas ins Leben gerufen, von dem sie noch nicht wissen können, ob es auch dauerhaft auskömmlich durch die Kommune finanziert wird. Was sie jedoch wissen ist, dass so anonym wie bisher es eben nicht weitergehen soll. Hoffentlich können die Mutigen genügend politische Entscheider überzeugen, dass der neue der richtige Weg ist.

Wo die Stadt Halle vorangeht

Als mutig und vorausschauend ist übrigens die Stadtverwaltung selbst zu loben, die die absehbaren Probleme durch immer neue Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine beherzt angeht. Denn gleich 20 Wohncontainer für bis zu 80 Neuzugänge zu bestellen, das ist wohl schon Klotzen, kein Kleckern. Flugs wurden zudem die alten Sportler-Umkleiden an der Masch durch private Handwerker-Kolonnen für die neue Nutzung saniert, wofür diese Handwerker andere Aufträge übrigens verschoben haben. Diesen Geist der Hilfe haben zum Glück auch alle die Haller gezeigt, die der Stadt Wohnangebote für eine zeitlich längerfristige Unterbringung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine gemeldet haben. Dass rund 50 solcher Wohnangebote nach wenigen Tagen auf dem Tisch liegen, ist für eine Kleinstadt, die eigentlich seit Jahren eine Mietwohnungsnot erlebt, eine Riesenzahl. Dies zeigt, dass Solidarität und Mitgefühl von vielen Menschen gerne gelebt wird, wenn es darauf ankommt.

Schule in Hilfe nicht ausbremsen

Worauf es nun auch ankommt, ist dass Unterstützung nicht durch zu viel bürokratische Umständlichkeit ausgebremst wird. So hat das Kreisgymnasium mutig angekündigt, für die vielen Flüchtlingskinder aus der Ukraine eine weitere Internationale Vorbereitungsklasse einzurichten, die eigentlich ein fast optimales Angebot in der aktuellen Lage darstellt. Was das KGH jetzt braucht, sind schnelle Entscheidungen und etwas Geld für die notwendigen neuen Stellen. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, schon alleine um weiter Wind zu blasen unter die Flügel allgemeiner Hilfsbereitschaft.

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