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Demo-Organisator Horst Remer erläutert nach viel Kritik von Autofahrern, warum Radler in Steinhagen auf die Straße gegangen sind

„Die Schutzstreifen bieten keinen Schutz“

Steinhagen

Nach der Demonstration von Radfahrern in Steinhagen, die sich unter anderem gegen die Ausweisung von Fahrrad-Schutzstreifen an dem A33-Zubringer Bielefelder Straße wehren, verteidigt der Demo-Organisator Horst Remer die Aktion gegen viel Kritik von Autofahrern.

Mit langen „Nudeln“ markierten die Teilnehmer der Fahrraddemonstration in Steinhagen, was es heißt, wenn ein Autofahrer beim Überholen mindestens 1,50 Meter Abstand halten muss. Foto: Volker Hagemann

Zahlreiche Unmutsäußerungen von Autofahrern und auch Außenstehenden während der zweiten Steinhagener Fahrrad-Demonstration am vergangenen Donnerstag (WB vom 11. Juni) machen es nach Eindruck des Demo-Organisators Horst Remer notwendig, im Nachgang für die Kritiker einiges klar zu stellen.

Remer verweist auf die aktuellen Verhältnisse. Derzeit gebe es nur einen 2,50 Meter breiten kombinierten Fuß-Radweg von der Waldbadstraße bis zur Langen Straße. Dieser schmale Radweg werde in beide Richtungen von allen nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern genutzt. Remer: „Darüber hat es noch keine größeren Beschwerden gegeben. Unfälle sind mir auch nicht bekannt. Es ist zwar schmal, aber man kommt zurecht. Es gibt anderorts in Steinhagen größere Probleme.“

Vorwurf: Straßen NRW will sich „einen schlanken Fuß machen“

Im Bereich Haller Straße (Ex-B68) bis Waldbadstraße und von der Langen Straße bis zum Hilterweg gebe es keine Radwege. Die auf die Straße gemalten Streifen seien Parkstreifen. Die Radfahrer müssten weiter links auf der ungesicherten Straße fahren, wenn sie sich korrekt verhalten wollen. Das täten sie aber nicht, weil es ihnen zu gefährlich sei. Remer: „Die Polizei weiß das und schaut nicht so genau hin. Dafür sind wir dankbar.“

Mit Blick auf die Sanierung der Bielefelder Straße als zuständiger Baulastträger durch Straßen NRW wirft Remer der Behörde vor, „sich einen einen schlanken Fuß zu machen“ und nur eine neue Fahrbahndecke bezahlen zu wollen. Für die Radfahrer wolle man großzügig auf jeder Seite einen 1,50 Meter breiten sogenannten Schutzstreifen aufmalen, merkt Remer mit ironischem Unterton an und fügt hinzu: „Diese Schutzstreifen bieten aber keinen Schutz, weil sie von den Autos, Lkw und Bussen, wenn sie aus Platzgründen ausweichen müssen, überfahren werden dürfen. Was passiert, wenn ein Radfahrer im Weg ist? Der Tod fährt mit.“

„Viele Autofahrer wissen nicht, dass man Radfahrer mit 1,50 Meter Abstand überholen muss.“

Remer macht weiterhin geltend, dass viele Autofahrer nicht wüssten, dass die Radler innerorts mit 1,50 Meter Mindestabstand überholt werden müssen. Viele Autofahrer wüssten zudem auch nicht, dass seit 2020 zwei Radfahrer nebeneinander fahren dürfen, wenn genug Platz zum Überholen bleibt. Auch auf der Gegenfahrbahn, wenn keine durchgezogene Mittellinie vorhanden sei.

Die Mittellinien, gestrichelt oder gar durchgezogen, fehlten aber auf den meisten Straßen mit Fahrradschutzstreifen, argumentiert Remer. Denn die Restfahrbahnbreite sei zu schmal. Zwei Fahrzeuge könnten sich somit nicht mehr problemlos begegnen. So sehe es auch auf der Bielefelder Straße aus.

Horst Remer geht im folgenden auf geplante Straßenbreiten ein, die besonders im oberen Bereich problematisch seien. Dort sei die Breite von Gartenzaun bis Gartenzaun 12,05 Meter. Bei zwei Gehwegen mit je 2,50 Meter Breite verbleibe eine Restfahrbahnbreite von 7,05 Meter. Remer: „Wenn wir auf den Gehwegen nicht mehr fahren dürfen und auf beide Seiten Schutzstreifen von je 1,50 Meter aufgemalt werden, verbleibt eine Restfahrbahnbreite von 4,05 Meter. Wenn man anstelle der Schutzstreifen rotunterlegte Sicherheitsstreifen mit durchgezogenen Linien anlegen würde, könnte man die Bielefelder Straße nur noch als Einbahnstraße benutzen. Das wäre auch nicht schlecht. Dann wäre es kein Autobahnzubringer mehr.“

Remer betont, dass die Teilnehmer der Fahrraddemo zum einen Sicherheit für sich selbst forderten, zugleich aber auch einen sicheren Begegnungsverkehr für Pkw und Lkw. „Wir würden uns mit fünf Meter Breite für Fuß- und Radwege zufrieden geben und würden den Autos sieben Meter zugestehen“, schreibt er.

Pöbelnden Autofahrern empfiehlt der Demo-Organisator, sich selbst mal aufs Rad zu setzen, und fügt hinzu: „Wenn es nach Straßen NRW geht, haben wir dieses Chaos jeden Tag.“

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